Zinseszins
Policen im Schlussverkauf

Vor einem "heimlichen Schlussverkauf" der Lebensversicherer warnen die Verbraucherschützer kurz vor Jahresende 2007. Vor Inkrafttreten neuer verbraucherfreundlicher Gesetze versuchten die Makler und Vertreter noch rasch neue Policen unters Volk zu bringen. Sicher ist - zum Jahresende herrscht in der Branche Hochsaison. Doch potenzielle Kunden können sich ruhig Zeit lassen.

Versicherungsmakler und Vertreter drückten jetzt noch einmal deutlich auf die Tube und versuchten möglichst viele Neuabschlüsse für private Renten- und Lebensversicherungen unter Dach und Fach zu bringen, glaubt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Denn ab 2008 stünden der Branche schwierige Zeiten ins Haus. Die Verträge und die Art, wie sie zustande kommen, müssen laut dem neuen Versicherungsvertragsgesetz ab 2008 deutlich verbraucherfreundlicher sein, den Kunden steht auch mehr Ausschüttung zu.

Als einen Beleg hat Gottschalk aus der Fachpresse das Zitat eines Marketingdirektors der Branche aufgespießt, der sagt, er erwarte ein überdurchschnittliches Jahresendgeschäft. "Es gibt für Makler und Mehrfachagenten eine Reihe von Gründen, noch in diesem Jahr so viel Geschäft wie möglich einzufahren", so der zitierte Vertriebsmanager. Bei Finanzvertrieben wird gar nicht geleugnet, dass das beste Geschäft zum Jahresende läuft, allerdings sieht man etwa bei MLP keinen Zusammenhang mit dem neuen Gesetz. Wie dem auch sei - in der Branche herrscht Hochsaison. Für potenzielle Kunden allerdings besteht überhaupt keine Eile.

Denn ab 2008 muss den Kunden wesentlich klarer vermittelt werden, was sie abschließen und was sie der Vertrag kostet. Wie viel etwa der Makler oder der Vertreter an dem Vertrag verdient. Von den Abschlusskosten und Vermittlungskosten hat der Kunde bisher nur erfahren, wenn er den Vertrag vorzeitig kündigte und nur wenig von seinen eingezahlten Prämien wiedersah. 3 000 Euro Provision ist ein Versicherter schnell los, wenn er als 40-jähriger bis zum Rentenantritt 200 Euro monatlich einzahlt. Noch wird in Berlin gestritten, ob die Abschlusskosten künftig in Heller und Pfennig ausgewiesen werden, oder ob ein Prozentsatz reicht. Der Prozentsatz klingt nicht so schlimm und wäre deshalb der Branche lieber.

Fest steht: Die Abschlusskosten werden künftig auf fünf Jahre verteilt und nicht nur auf zwei Jahre. Wer seinen Vertrag vorzeitig kündigt - in den ersten Jahren der Laufzeit ist das besonders häufig der Fall - bekommt dann deutlich mehr Geld wieder als früher. Weiter wird der Kunde per Gesetz künftig auch an den stillen Reserven beteiligt. Auch muss sich der Makler oder Vertreter künftig deutlich mehr Mühe mit der Beratung geben, die Vertragsunterlagen wird der Kunde per Gesetz schon eine Weile vor Unterzeichnung in Händen halten. Bisher konnte er sie meist erst studieren, wenn schon alles unterschrieben war.

Es lohnt sich also, die neuen Regeln abzuwarten, sofern der Sparer überhaupt eine Lebensversicherung oder eine Privatrente braucht. Die Renditen sind mager geworden und betragen abzüglich aller Kosten oft nur zwei Prozent. Und die Versicherer machen leider wenig Anstalten, ihre Gewinnbeteiligung wieder aufzustocken.

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