Zinseszins
Sinn und Unsinn von Rentenfonds

Pünktlich zum 20. Geburtstag des Dax hat der Index erneut kräftig eingebüßt. Banken empfehlen in solch unsicheren Börsenzeiten gerne die vermeintlich sicheren Rentenfonds. Der Vorteil einer Anleihe - feste Zinszahlungen und ein fester Auszahlungsbetrag am Ende des Anlagezeitraums - bieten solche Fonds jedoch nicht. Aber sie kosten kräftig Gebühren.

In turbulenten Zeiten empfiehlt sich die festverzinsliche Anleihe (Rentenpapier). Denn sie verspricht Sicherheit. Der Anleger weiß, wie viel Zins er während der Laufzeit zu erwarten hat. Am Ende bekommt er den Nominalwert der Anleihe ausbezahlt. Gleich, wie sich die Kurse an den Kapitalmärkten während des Anlagezeitraums entwickeln. Mit dem Argument der Sicherheit verkaufen nun Banken gerne Rentenfonds, die das eingesammelte Geld in eine ganze Reihe von Anleihen stecken. Sicherer als eine einzelne Anleihe sind solche Fonds häufig nicht. Dafür aber teurer.

Im Rentenfonds bündelt der Manager Anleihen verschiedener Laufzeiten, Bonität und verschiedener Länder - je nach Fonds. Die beiden größten Vorteile einer Anleihe - feste Zinszahlungen und ein fester Auszahlungsbetrag am Ende des Anlagezeitraums - gehen bei solchen Fonds natürlich verloren. Je nach Entwicklung der Zinsen fällt die Rendite höher oder magerer aus als bei der Einzelanlage. Hinzu kommt ein Kursrisiko, wie es Anleger derzeit besonders schmerzhaft spüren müssen. Nach Angaben der Fonds-Rating-Agentur Feri haben globale Rentenfonds in den vergangenen drei Jahren eine durchschnittliche negative Rendite von 1,62 Prozent erwirtschaftet. Rentenfonds, die sich auf den Euroraum beschränken, erbrachten magere 0,18 Prozent. Die Zinsausschüttungen der einzelnen Papiere wurden durch Kursverluste und Managergebühren um die 0,9 Prozent ganz oder weitgehend aufgefressen. Ausgabeaufschläge von rund vier Prozent sind noch gar nicht eingerechnet. Da hätten die Sparer ihr Geld gleich unter die Matratze legen können.

Oder besser: eine Anleihe oder ein Anleihesortiment direkt kaufen. Wer jetzt beispielsweise eine Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2013 kauft, erzielt eine garantierte Rendite von jährlich 4,6 Prozent. Am Ende bekommt der Sparer dann den Nennbetrag ausbezahlt. Abzuziehen wären lediglich Provisionen, doch die kann der Anleger auch noch sparen, wenn er sich die Mühe macht, und die Anleihen direkt bei der Bundesfinanzagentur kauft. Anlageberater weisen gerne darauf hin, dass eine Bundesanleihe ja auch Kursschwankungen unterliegt. Deshalb lohnt sich solch eine Anlage häufig nicht, wenn der Anleger das Geld schon vor Ende der Laufzeit wieder braucht. Doch für die Altersvorsorge sind Anleihen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft fällig werden, ideal.

Erwirbt der Anleger jetzt einzelne Papiere, besteht sein Risiko vor allem darin, dass die Zinsen weiter steigen und ihm bessere Anlagemöglichkeiten in naher Zukunft entgehen. Deshalb ist es sinnvoll, das Geld gestaffelt anzulegen. Etwa in eine einjährige, eine zweijährige und eine fünfjährige Anlage. Dann wird immer mal wieder Geld frei, um ein inzwischen verbessertes Angebot zu nutzen. Zehnjährige oder noch längere Laufzeiten lohnen derzeit kaum, weil ihre Verzinsung nicht höher ist, als bei einem fünfjährigen Papier. Es sei denn, der Anleger rechnet damit, dass das Zinsniveau in fernerer Zukunft niedriger ist als heute und sich die Anlagemöglichkeiten bis dahin verschlechtern. Das gilt derzeit aber als wenig wahrscheinlich.

Rentenfonds sind vor allem dann sinnvoll, wenn ihre Manager in Papiere mit höheren Ausfall- oder Währungsrisiken investieren, etwa in hochverzinsliche Unternehmensanleihen, bei denen ein größeres Ausfallrisiko besteht, oder in Schwellenländer, die möglicherweise pünktlich zum Ende der Laufzeit eines Papiers bankrott sind. Dass Banken über Jahre Argentinienanleihen als Einzelpapiere angeboten haben, war verantwortungslos. Anleger haben damit viel Geld verloren. Schuldner mit schwacher Bonität müssen wesentlich höhere Zinsen bieten, um Käufer zu locken (Risikoaufschlag). Mit einem Rentenfonds, der in Papiere von mehreren Schuldnern investiert, können Anleger, wenn sie Glück haben, deutlich höhere Renditen erzielen, als wenn sie risikofreie Bundespapiere kaufen. In der Regel ist das Kurs-Risiko dort immer noch niedriger als bei einem entsprechenden Aktienfonds. Im derzeitigen Umfeld steigender Zinsen dürften Fonds, die hochverzinsliche Papiere bündeln, dennoch nur magere Renditen liefern.

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