Zinsgipfel in Sicht – Schwächerer Dollar kann Gewinne reduzieren
US-Anleihen bieten Anlegern noch Kurspotenzial

Auch Festverzinsliche bringen derzeit attraktive Renditen.

NEW YORK. Während Anleger in den letzten Wochen und Monaten mit Hoffen und Bangen die heftigen Kursbewegungen US-Börsen verfolgten, blieb fast unbeachtet, dass derzeit auch Festverzinsliche attraktive Renditen und ein ungewöhnliches Kurspotenzial bieten. Sobald nämlich die US-Zentralbank die Zinsen nicht weiter erhöht, dürfte auch bei den kurz- bis mittelfristigen Industrie- und Staatsanleihen der Zinsgipfel erreicht sein. Das Angebot ist reichlich und die Renditen sind im Vergleich zu Europa höher. Jedoch müssen europäische Investoren das Kursrisiko berücksichtigen.

Sobald die Zinsen auf Grund einer sich abkühlenden US-Konjunktur wieder fallen, sinken sie auch bei Anleihen, so das Kalkül. Damit steigen die Kurse, die sich ja immer entgegengesetzt zu den Renditen bewegen. Dieser Trend ist in der vergangenen Woche bereits massiv ins Rollen gekommen. Auf breiter Front sind Bond-Preise gestiegen und die Renditen gefallen.

Am langfristigen Ende der US-Renten war der Zinsgipfel sogar schon zu Jahresanfang erreicht. Die Kurssteigerungen dürften sich fortsetzen und könnten einen Umfang wie Mitte der 90iger Jahre erreichen, glaubt der Chef-Anlage-Stratege der Vermögensverwaltung Wells Capital Management, Jim Paulsen aus Minneapolis.

"Von Ende 1994 bis 1995 sind damals die Zinsen 11/2 Prozentpunkte abgerutscht, Das hat die Kurse um 30% hochgetrieben", erinnert er sich. Mit schwächeren ökonomischen Daten könnte es jetzt wieder zu einer ähnlichen Wende kommen. Nach den jüngsten, schwächeren US-Arbeitsmarktdaten zeichnet sich ab, dass Notenbankchef Alan Greenspan mit seinen Zinsschritten bald Schluss macht. Bei mittel-und langfristigen Staatsanleihen kommt hinzu, dass die Regierung in großem Umfang Staatsanleihen zurückkauft. Das macht das Angebot an höher rentierenden Papieren zusätzlich knapp. So sind die Kurse schon kräftig gestiegen, die Rendite für 30-jährige liegt schon wieder unter 6 %. Der Trend dürfte sich fortsetzen.

Bei kürzeren Laufzeiten ist der ideale Zeitpunkt zum Einstieg möglicherweise noch nicht gekommen. "Warten Sie noch zwei Monate", rät der für internationale Bondmärkte zuständige Stratege Jack Malvey von Lehman Brothers, New York. Spätestens nach der Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses der Zentralbank im August dürfte die Notenbank nämlich mit ihren Zinserhöhungen zum Ende gekommen sein.

Industrieanleihen sind attraktiv

In der Preisstruktur der Anleihen haben die Märkte eine konjunkturelle Abkühlung bereits vorweggenommen. Der Aufschlag (spread) beim Tausch von Anleihen hoher Bonität gegen Anleihen mit höherem Risiko hat ist deutlich höher geworden. Bei einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums wechseln Investoren nämlich gerne in sichere Papier, mit dem Ergebnis, dass diese relativ teurer werden, und Papiere geringerer Bonität preiswerter. Das macht Industrieanleihen billiger und ihre Renditen besonders attraktiv.

Unterdessen kommen Unternehmen mit umfangreichen neuen Anleihen auf den Markt, und versuchen neue Marketing-Strategien. Der Daimler-Chrysler Konzern war in den vergangenen Tagen an den Bondmärkten Tagesgespräch. Er hat mit einer via Internet vertriebenen Anleihe zwei Mrd. $ aufgenommen. Die zehnjährige Tranche kam mit einer Rendite von 8,02 % auf den Markt. Das Internet soll das Papier auch kleineren Banken und Brokerhäuser und damit deren Privatkunden zugänglich machen. Anleihen größeren Volumens haben auch General Electric, Citigroup und der Mischkonzern Loew's begeben.

Die US-Zinssätze liegen in der Regel um einen bis eineinhalb Prozentpunkte höher als in Europa. Eine fünfjährige US-Staatsanleihe bringt derzeit eine Rendite von 6,35.%. Als besonders günstig gelten zweijährige Staatsanleihen mit einer Rendite von 6,50%.

Doch Experten warnen vor dem Kursrisiko für ausländische Investoren. Höhere Renditen könnten durch Währungsverluste schnell aufgefressen werden. Malvey rät deshalb zu US-Renten-Fonds mit Kursabsicherungen. Paulsen schätzt das Kursrisiko dagegen nicht zu hoch ein. "Sowie die Weltwirtschaft sich abkühlt, wird der US-Kapitalmarkt wieder als sicherer Hafen Kapital anziehen. Der Dollar bleibt stark."

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