Zinsmargen für Banken im Kreditgeschäft mit Unternehmen zu niedrig
Basel II macht Kreditgeschäft attraktiver

Die Zinsmargen für die Banken im Kreditgeschäft mit Unternehmen sind derzeit zu niedrig. Diese stehen laut Thomas R. Fischer, Vorstand der Deutschen Bank, nicht mehr im Zusammenhang mit den tatsächlichen Risiken. Durch die neuen Eigenkapitalrichtlinien können die Margen gespreizt werden.

HB BERLIN/FRANKFURT/M. Die Sorgen um den deutschen Mittelstand auf Grund der neuen Eigenkapitalanforderungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) sind unbegründet. Vor Parlamentariern machte Thomas R. Fischer, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, gestern in Berlin klar: "Das ist blanker Unsinn."

Die Diskussion um die risikoorientierte Kapitalunterlegung im Kreditgeschäft hat zuletzt bei Politikern die Sorge aufkommen lassen, dass die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen, die in Deutschland traditionell über Kredite erfolgt, gefährdet sei. Fischer, der als Leiter einer Arbeitsgruppe des von privaten Banken getragenen Institute of International Finance in die Diskussion mit dem Baseler Bankenausschuss über die neue Eigenkapitalunterlegung eingebunden ist, befürchtet deshalb, dass Basel II zum Wahlkampfthema wird.

Im gegenwärtigen System gibt es laut Fischer keinen Anreiz unterschiedliche Risiken unterschiedlich zu behandeln. Die derzeit geltenden Eigenkapitalrichtlinien sehen eine Mindesteigenkapitalquote im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva von 8 % vor. Praktisch gilt diese Standardquote bei fast allen Forderungen gegenüber dem privaten Nichtbankensektor. Das Risikoprofil des einzelnen Kreditnehmers bleibt jedoch unberücksichtigt.

Für Fischer ist dies eine Benachteiligung der Unternehmen mit guter Bonität. "Durch Basel II würden diese günstigere Konditionen erhalten und müssten nicht mehr die schlechten Risiken quersubventionieren." Die Kreditkonditionen korrespondierten nicht mehr mit den Risiken, weshalb die Zinsmargen zu niedrig seien. "Durch eine Spreizung der Margen kann das Kreditgeschäft auch für Banken wieder attraktiver werden." Deshalb hält es Fischer für nötig, dass die Unternehmen einen Anreiz haben, sich gegenüber ihren Banken zu öffnen. Die Banken müssten gleichzeitig zu verstärkten Investitionen in ihr Risikomanagement ermutigt werden.

Beschränkung auf international tätige Großbanken

Den Geltungsbereich von Basel II nur auf international tätige Großbanken zu beschränken, wie zuletzt Politiker gefordert hatten, hält Fischer für gefährlich. Denn dies treibt seiner Ansicht nach die schlechten Risiken zu den kleineren Instituten wie den Sparkassen, die weiterhin ohne Risikodifferenzierung arbeiten müssten.

Anfang letzter Woche weitete der Baseler Ausschuss den ursprünglichen Zeitplan aus, der den Banken zu eng war. Dadurch verschiebt sich laut Edgar Meister, als Direktoriumsmitglied der Deutschen Bundesbank zuständig für Bankenaufsicht, die Einführung des neuen Eigenkapitalakkords um ein halbes bis ein ganzes Jahr. Ursprünglich sollte dieser Ende des Jahres verabschiedet und in 2004 umgesetzt werden.

Die gewonnene Zeit ist für Fischer kein Grund zum Ausruhen: "Die Verschiebung macht nur Sinn, wenn die noch offenen Fragen geklärt werden." Dazu zähle die Ausweitung der Liste anerkennungsfähiger Sicherheiten um physische Instrumente wie Warenlager. Ferner soll die Belastung langfristiger Kredite, die für deutsche Unternehmen eine wichtige Rolle spielen, nicht zu hoch ausfallen.

Nachbesserungsbedarf sieht er auch bei den operationellen Risiken. Diese sollen die Wahrscheinlichkeit von Verlusten erfassen, die zum Beispiel durch das Versagen von EDV-Systemen sowie den Betrug von Mitarbeitern oder Kunden entstehen können. Im gegenwärtigen Vorschlag machen diese Risiken ein Fünftel der gesamten Eigenkapitalanforderungen aus. Für Fischer ist dies zu hoch, um die 10% hält er für realistischer. Bislang fehlen noch die dafür nötigen Daten.

Schließlich hofft er, dass die erwarteten Verluste den Wertberichtigungen gegenübergestellt werden können. Dann müssten nur die unerwarteten Verluste mit Eigenkapital unterlegt werden. Eine Prüfung hat Basel bereits angedeutet. Es sei allgemeine Praxis die erwarteten Verluste in Rückstellungen abzubilden, so Fischer.

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