Zinsnivieau unverändert
EZB-Entscheid belastet Euro

Die Enttäuschung über den Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen trotz schwächerer Konjunkturaussichten in der Euro-Zone unverändert zu lassen, hat den Euro am Freitag belastet.

Reuters FRANKFURT. Die Währung fiel zeitweise zum ersten Mal in diesem Jahr unter 0,88 $. Im europäischen Handel pendelte sich die Währung Händlern zufolge wegen aufkommender Spekulationen über mögliche Zentralbank-Interventionen zu Gunsten des Euro aber wieder knapp über dieser Marke ein. Die Anleger bewerteten das Zögern der EZB mit einer Zinssenkung als unnötiges Risiko für das Wachstum in der Euro-Zone, dies sei der Hauptgrund für den Abwärtsdruck auf den Euro gewesen. Der Yen fiel wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Wirtschaftslage und die Wechselkurspolitik Japans auf sein niedrigstes Niveau seit mehr als zweieinhalb Jahren bei Kursen um 125,52 Yen.

Gegen 14.30 Uhr MESZ kostete der Euro mit 0,8821/26 $ etwas mehr als im späten New Yorker Handel am Vorabend. Damit lag die Währung jedoch wieder rund einen halben US-Cent über ihrem zuvor markierten Dreieinhalb-Monatstief von 0,8767 $. Im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken wurde der Kurs der Gemeinschaftswährung mit 0,8814 $ nach 0,8868 $ am Vortag festgelegt. Die US-Valuta verteuerte sich damit auf 2,219 (2,205) DM.

Händler haben für EZB-Entscheid kein Verständnis

Händler äußerten Unverständnis darüber, dass die EZB am Donnerstag noch nicht gehandelt hat, owohl ihrer Einschätzung nach eine Zinssenkung wegen einer womöglich stärkeren Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone längst geboten ist. Im Unterschied zur EZB habe sich die US-Notenbank (Fed) vorbildlich verhalten. Die Fed hat seit Januar die Zinsen drei Mal um insgesamt 150 Basispunkte gesenkt, um die US-Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren. Die EZB habe den Euro bewusst absacken lassen, vermuteten Händler. Die Notenbank müsse gewusst haben, dass ein Beschluss gegen eine Zinssenkung die Währung belasten würde. Der EZB könnte ebenso wie der Bank of Japan (BoJ) an einer schwächeren Landeswährungen gelegen sein, um die heimischen Exporte zu fördern, sagte Marshall Gittler von der Bank of America. "Möglicherweise sieht der Markt die USA als das geringste von drei Übeln. Die Fed hat eine größere Flexibilität als die EZB oder die BoJ und sie hat keine Bedenken, diese auch einzusetzen," sagte er.

Marktspekulationen über Devisenmarkt-Interventionen zur Stützung des Euro hatten die Gemeinschaftswährung Händlern zufolge vor einem stärkeren Absacken bewahrt. Dabei sei spekuliert worden, entweder die EZB selbst oder nationale Notenbanken aus der Euro-Zone könnten am Markt als Euro-Käufer auftreten. Die Notenbank hatte Ende vergangenen Jahres vier Mal zu Gunsten des Euro an den Devisenmärkten eingegriffen.

Kaum Einfluss haben Äußerungen von Finanzpolitikern

Kaum Einfluss auf den Euro-Kurs hatten dagegen die Äußerungen führender deutscher und französischer Finanzpolitiker und Notenbanker zu Geldpolitik und Konjunktur in der Euro-Zone. Nach Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke waren vor allem die anhaltenden Preisrisiken in der Euro-Zone der Grund für die EZB, in dieser Woche die Zinsen unverändert zu lassen. Der französische Notenbankpräsident Jean-Claude-Trichet verlas auf der Pressekonferenz nach dem Deutsch-Französischen Wirtschaftsrat in Rouen eine Zusammenfassung von EZB-Präsident Wim Duisenberg zur Position des EZB-Rats. Demnach untersucht die Notenbank, ob und wie stark die Inflationsrisiken in der Euro-Zone weiter abnehmen. Die EZB habe aus Duisenbergs Sicht erneut ihre abwartende geldpolitische Haltung bekräftigt.

Der deutsche und der französische Finanzminister äußerten sich vorsichtig optimistisch zur Wirtschaftslage in ihren Ländern und der Euro-Zone. Weltweit sei eine Verlangsamung der Konjunktur zu beobachten, aber das Wachstum in Europa schwäche sich glücklicherweise viel langsamer ab, sagte Laurent Fabius. Hans Eichel bekräftigte die Wachstumsprognose der Bundesregierung für 2001 von 2,6 bis 2,9 %. Zugleich sei eine Abwärtsrevision im Frühjahr möglich. Eichel wies außerdem darauf hin, dass das Wachstum in Deutschland noch immer vom Aufbau der neuen Bundesländern gedämpft werde.

Unsichere Konjunkturaussicht in Japan

Die weiter unsicheren Konjunkturaussichten Japans und erneute Verwirrung über die Wechselkurspolitik der Tokioter Regierung haben indessen den Yen zur US-Währung auf sein niedrigstes Niveau seit gut zweieinhalb Jahren fallen lassen. Gegen 14.30 Uhr MESZ notierte der Dollar anhaltend fest mit 125,33/38 Yen. Auch der Euro lag mit 110,55/59 Yen weiter nahe seines zuvor markierten Ein-Wochen-Hochs von 111,08 Yen. Nachdem japanische Notenbanker und Politiker in den vergangenen Wochen bekräftigt hatten, Japan wolle einen starken Yen und es habe keine Gespräche über die Währungspolitik mit den USA gegeben, sorgte Händlern zufolge Wirtschaftsminister Taro Aso für erneute Verunsicherung. Aso sagte am Freitag, seine Regierung habe mit den USA über die Möglichkeit diskutiert, den Kurs des Yen zu schwächen.

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