Zinspapiere gehören auch 2003 in jedes Depot
Anleihen stehen bei Investoren weiter hoch im Kurs

Anleger, die sich im abgelaufenen Jahr zum wiederholten Male mit Aktien die Finger verbrannt haben, werden 2003 eher auf Festverzinsliche setzen. Unternehmensanleihen sind dabei auf Grund der hohen Renditen attraktiv. Experten raten allerdings nur zu Gesellschaften, die ihren Schuldenabbau vorantreiben.

HB FRANKFURT/M. Dass 2003 erneut ein Jahr der Anleihen wird, wagen Banken nicht zu behaupten. Sie halten an der Hoffnung auf steigende Aktienkurse fest. Doch auch an Anleihen wird im nächsten Jahr kein Investor vorbei kommen - auch dann nicht, wenn das Szenario einer moderaten Konjunkturerholung eintritt.

Viele Experten gehen zwar davon aus, dass Staatsanleihen ihre Renditetiefstände, bei denen zum Teil historische Rekordmarken unterboten wurden, bereits markiert haben. Bis Ende 2003 erwarten die meisten Banken, dass die Sätze der für Europa richtungweisenden zehnjährigen Bundesanleihe leicht auf 4,80 % steigen wird (Seite 37). Sie begründen dies vor allem damit, dass die Rentenmärkte mit einem Anziehen der Konjunktur im Verlauf des nächsten Jahres rechnen. Sogar eine Leitzinserhöhung und in dessen Folge ein Trendwechsel in der Zinspolitik könnte darin eingepreist werden. Dabei wird nach Meinung vieler Experten eine niedrige Inflationsrate den Renditeanstieg bremsen. Staatsbonds sollten zudem zumindest so lange en vogue bleiben, wie die Angst vor einem Krieg gegen den Irak die Märkte beherrscht.

Für Staatsanleihen spricht nach Meinung von Helaba Trust auch, dass viele institutionelle Anleger nach den kräftigen Verlusten am Aktienmarkt, Unternehmenspleiten und dem Zahlungsausfalls Argentiniens den Anteil an erstklassigen Staatsanleihen in ihren Portfolios wieder deutlich erhöht haben.

Gute Aussichten für Unternehmensbonds

Wesentlich besser als Staatsanleihen schätzen die Rentenanalysten die Aussichten für Unternehmensbonds ein. Das niedrige Zinsumfeld lasse Anleger nach Anleihen suchen, die einen Renditeaufschlag (Spread) gegenüber Staatspapieren bieten, meint etwa Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW). Gerade Versicherungen und Pensionskassen können ihre Renditeziele mit der mageren Rendite der Staatsanleihen kaum erreichen. Hinzu kommt, dass derzeit bei vielen Versicherern Abschreibungen aufgrund der Verluste im Aktienportfolio die laufenden Erträge der Anleihen aufzuzehren drohen. Da die Versicherer nicht mehr genügend Reserven haben, um die Wertschwankungen auszugleichen, können sie tendenziell weniger in Aktien investieren und müssen statt dessen auf Bonds ausweichen.

Aus technischer Sicht spricht für die Unternehmensanleihen, dass das Emissionsvolumen nur wenig über dem des Jahres 2002 liegen wird. Daher müssen Anleger verstärkt auf die bereits laufenden Bonds zurückgreifen, was sich positiv auf deren Kurse auswirken dürfte.

Als gutes Zeichen werten Analysten auch, dass sich Unternehmensanleihen seit Oktober gut entwickelt haben. Dementsprechend verringerten sich die Spreads gegenüber Staatsanleihen. Dabei koppelten sich die Unternehmensbonds von der Entwicklung der Aktienmärkte ab. Die Rally ging den Analysten von Morgan Stanley zwar fast etwas zu schnell, dennoch erwarten sie weitere Spread-Einengungen. Für in Euro begebene Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen als eigene Anlageklasse eingestuft werden, prognostizieren sie, dass die Risikoaufschläge um bis zu 0,3 Prozentpunkte gegenüber Staatsanleihen sinken werden. Goldman Sachs erwartet, dass sich die Spreads um 0,2 Prozentpunkte verringern werden. Derzeit bieten Euro-Unternehmensanleihen etwa 1,35 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsbonds der Euro-Zone.

Die Entwicklung einzelner Unternehmensanleihen hängt für Experten jedoch davon ab, wie gut die jeweiligen Firmen mit dem Abbau ihrer Schulden vorankommen. Besonders gute Perspektiven werden hier Telekomanleihen zugeschrieben. Bei Autobonds - der zweiten dominierenden Branche bei Unternehmensanleihen - ist dagegen etwas mehr Vorsicht angesagt, auch wenn hier hohe Renditen locken. Viele Analysten befürchten eine weiter sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen und einen verstärkten Preis-Wettbewerb. Das wird die Bonitätseinstufungen (Ratings) unter Druck bringen.

Rating-Verschlechterungen lassen sich zwar auch bei einigen Versorgern auf Grund von geplanten Fusionen und Übernahmen nicht ausschließen. Dennoch gilt die Branche als vergleichsweise stabil und hat bereits 2002 von diesem Nimbus profitiert.

Generell raten Analysten aber davon ab, "blind" auf einzelne Branchen zu setzen. Statt dessen ist es wichtig, die Unternehmen genau anzusehen. Das gilt um so mehr, je schlechter die Bonität ist. 2002 haben sich Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen als spekulativ oder gar als Junkbonds eingestuft werden, schlecht entwickelt. Für 2003 haben Experten jedoch Hoffnung. Putnam Investments verweist zum Beispiel darauf, dass sich diese Bonds in der Vergangenheit auch bei moderater Konjunkturentwicklung gut geschlagen haben. Goldman Sachs rechnet damit, dass Junkbonds europäischer Firmen einen Gesamtertrag von rund 10 % bringen werden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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