Zinssatz liegt bei 4,75 Prozent
EZB lässt Leitzinsen unverändert

Reuters FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken entscheidende Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte liege weiter bei 4,75 %, teilte die EZB im Anschluss an die turnusmäßige Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit. Die meisten Analysten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Sie erwarten angesichts der Wachstumsverlangsamung in der Euro-Zone allenfalls 2001 noch eine weitere moderate Anhebung des Schlüsselzinses auf 5,0 % von derzeit 4,75 %. Der Euro reagierte kaum auf den Beschluss und notierte gegen 13.51 Uhr MEZ nahezu unverändert bei 0,8686 $.

Auch Zinskorridor für den Euro-Geldmarkt unverändert

Die EZB ließ auch den Zinskorridor für den Euro-Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 3,75 % für Übernacht-Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB (Einlagenfazilität) sowie 5,75 % für Übernachtkredite (Spitzenrefinanzierungsfazilität).

Analysten sagten, ohne deutliche Inflationsgefahren werde die EZB die Zinsen vorerst nicht weiter erhöhen, da sie damit das Wachstum in der Euro-Zone abwürgen könnte. "Es wird keine weiteren Anhebungen geben - der nächste Schritt dürfte 2001 vielmehr eine Zinssenkung sein", sagte Sarah Lütgert von HSBC Trinkaus in Düsseldorf. Auch Manuela Preuschl von Deutsche Bank Global Markets zeigte sich wenig überrascht, schließt aber eine letzte Zinsanhebung Ende Dezember oder Januar nicht aus. "Die EZB könnte mit Blick auf die steigenden Import- und Produzentenpreise möglicherweise noch eine Erhöhung um 25 Basispunkte vornehmen." Danach dürften die Zinsen im gesamten Jahr 2001 unverändert bleiben.

Das zuletzt schwächere Geldmengenwachstum signalisiere geringere Inflationsgefahren und bestätige damit ebenfalls die Aussicht auf unveränderte Leitzinsen. Auch nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts sollte die EZB die Leitzinsen nicht weiter erhöhen. An der leichten Abschwächung des Wirtschaftswachstums habe die EZB keine Schuld.

Wirtschaftswachstum hat allgemein an Fahrt verloren

Außer in Deutschland hatte auch in Frankreich, den Niederlanden und Italien das Wachstum in diesem Herbst an Fahrt verloren. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Wert der erwirtschafteten Leistung, war im dritten Quartal um 2,8 % zum Vorjahr gewachsen, nach 3,3 % im Vorquartal.

Die Geldmenge M3 ist im Oktober mit einer Jahresrate von 5,3 % nach revidiert 5,4 % im Vormonat gewachsen. Die Geldmengenentwicklung ist neben der Beurteilung der Inflationsentwicklung eine der zwei Säulen, an der die EZB ihre Zinspolitik ausrichtet. Ein Rückgang des Geldmengenwachstums signalisiert den Finanzmärkten in der Regel eine geringere Inflationsgefahr. Das Wachstum im Dreimonatsdurchschnitt August/Oktober beschleunigte sich hingegen leicht auf 5,5 (Vorperiode: 5,4) Prozent. Das M3-Wachstum liegt aber bereits seit Monaten über dem EZB-Referenzwert von 4,5 %, den die Notenbank möglicherweise für das nächste Jahr anheben wird. Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte bereits am Dienstag gesagt, der EZB-Rat werde auf der Sitzung am 14. Dezember - wie einmal jährlich üblich - den Referenzwert überprüfen. "Der Rat wird diskutieren, ob wir den Referenzwert bei 4,5 % lassen oder ihn womöglich auf 5,0 % erhöhen", hatte er gesagt. Viele Analysten erwarten eine Anhebung. So würde die EZB zeigen, dass sie keinen zu strikten Anti-Inflationskurs verfolgt.

Inflation habe Höhepunkt überschritten

Im Oktober war die Jahresteuerung in der Euro-Zone leicht zurückgegangen auf 2,7 (September 2,8) Prozent und lag damit wie in den Vormonaten weiter über der EZB-Toleranzgrenze von 2,0 %. In der Kernrate, also ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel, stiegen die Verbraucherpreise leicht auf 1,5 (1,4) Prozent. EZB-Chef Wim Duisenberg hatte zuletzt gesagt, es könnte bis zu sechs Monaten dauern, ehe die Jahresteuerung wieder unter 2,0 % fällt. Analysten gehen davon aus, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat.

Die Notenbank hatte am 5. Oktober zum siebten Mal seit November 1999 die Leitzinsen erhöht und alle drei Zinssätze um 25 Basispunkte angehoben. Damit hat sie die Zinsen seit November 1999 insgesamt um 225 Basispunkte erhöht.

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