Zinsschritte und Wall-Street helfen dem Dax
Deutsche Standardwerte schließen fester

Die zunächst moderaten Verluste an den US-Börsen wurden am deutschen Aktienmarkt mit Erleichterung aufgenommen. Der Dax legte deutlich zu, nachdem er am Morgen kurzzeitig unter die Marke von 4 000 Zählern gefallen war.

HB FRANKFURT/M. Die deutschen Aktienmärkte standen am Montag im Bann der Wall Street. Bis zur Eröffnung in den USA verlief der Handel extrem schwankend - alle Akteure warteten auf die Wiedereröffnung der New Yorker Börsen nach den Terroranschlägen. Als sich die Anfangsverluste an der Wall Street jedoch in Grenzen hielten, machte sich spürbare Erleichterung in den Handelssälen quer durch Europa breit. Der Dax schloss mit einem Plus von knapp 2,9% bei 4 234 Zählern.

Unsicherheit am Morgen - Dax unter 4000 Punkten

Am Morgen war das Geschehen dagegen noch von enormer Unsicherheit geprägt. Zunächst einmal ging es wie bereits am Freitag abwärts. Kurzzeitig fiel der Dax sogar erstmals seit drei Jahren unter die Marke von 4000 Punkten und markierte damit den tiefsten Stand seit Oktober 1998. Auch der Neue Markt stürzte auf ein Rekordtief. Später erholten sich die Standardwerte allerdings wieder. Rückenwind kam zunächst von der amerikanischen Notenbank, die die Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte senkte. Anschließend beflügelte die Tatsache, dass die Kurse in den USA weniger stark einbrachen als befürchtet. Einen dritten Impuls lieferte schließlich die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Abend. Zeitweilig stieg der Dax um über 4 %, bevor er zu Handelsschluss wieder etwas nachgab.

Versicherer machen nach tagelanger Talfahrt Boden gut

Unter den Einzelwerten standen die Versicherer im Blickpunkt. Sowohl Allianz als auch Münchener Rück legten kräftig zu, obwohl auf beide Firmen hohe Belastungen in Folge der Terrorakte zu kommen dürften. Alfred Kaiser vom Broker Nols AG sieht in den Kursgewinnen eine Reaktion auf die massiven Verluste in der vergangenen Woche. "Die Kurseinbrüche waren ganz klar übertrieben." Zwar würden sich die Terrorakte in den Bilanzen niederschlagen. Doch kämen weder Allianz noch Münchener Rück "in ernsthafte Schwierigkeiten", meint Kaiser. Die Münchener Rück erhielt zudem eine gewisse Unterstützung von der Investmentbank UBS Warburg. Die Analysten senkten zwar das Kursziel um mehr als ein Viertel auf 285 Euro, behielten aber ihre Kaufempfehlung bei. Gestern Abend notierte die Aktie bei 255 Euro.

Durchwachsen schnitten die Aktien der Lufthansa und des Reisekonzern Preussag ab, die in den vergangenen Tagen ebenso wie die Assekuranz-Titel besonders gebeutelt wurden. Für die Lufthansa ging es am Morgen zunächst kräftig abwärts, nachdem die US-Airline Continental angekündigt hatte, ihr drohe in Folge der Terroranschläge eventuell der Konkurs. Am Abend drehte Lufthansa aber noch ins Plus. Preussag dagegen musste erneut Verluste hinnehmen. Belastet wurde die Aktie von der Entscheidung der amerikanischen Investmentbank Lehman, den Titel von der Empfehlungsliste zu streichen.

Tagesgewinner Telekom

Zu den Tagesgewinnern zählte die Deutsche Telekom, die kurz vor Handelsende ein Plus von knapp 6% verbuchte. Auch hier verwiesen Händler auf eine Bewertungsänderung von Seiten Lehmans. Die Bank stufte den europäischen Telekomsektor insgesamt von "Neutral" auf "Übergewichten" herauf. Nach dem Kursverfall der vergangenen anderthalb Jahre seien die Telekomriesen jetzt auf einem attraktiven Niveau angelangt, meinen die Analysten.

Ein zwiespältiges Echo fand die angekündigte Übernahme des amerikanischen Wasserversorgers American Water Works durch RWE. Manche Analysten monierten, der Kaufpreis sei zu hoch. Dagegen hält Kaiser von Nols die Transaktion unter langfristigen Gesichtspunkten für "sehr, sehr positiv". Dass die RWE-Aktie nach Bekanntgabe der Pläne zunächst deutlich nachgab, führt er auf die große Verunsicherung der Anleger zurück. "Viele Investoren nutzen jede positive Nachrichten derzeit zum Verkauf." Im Verlauf drehte die Stromaktie dann allerdings in den Gewinnzone.

Der M-Dax, das Börsenbarometer der mittelgroßen Werte, tendierte etwas schwächer.

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