Zinssenkung der EZB enttäuschte den Markt
Europäische Börsen tendieren schwach

Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag unter Führung der Versicherer mehrheitlich schwächer tendiert. Eine ganze Reihe von Märkten erreichten Schlussniveaus, die zuletzt vor etwa sechs Jahren verzeichnet worden waren. Der DJ Stoxx50-Index büsste ein Prozent auf 2084 Punkte ein.

Reuters. Händler erklärten, die kleiner als erhofft ausgefallene Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) habe die Anleger enttäuscht und die Märkte gedrückt. Die EZB hatte die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent gesenkt. Händler hätten auf einen grösseren Zinsschritt von 50 Basispunkten gehofft.



Als Belastung erwies sich auch die schwache Tendenz an der Wall Street. Hier spielte der der überraschend starke Anstieg der Arbeitslosenzahlen in den USA eine Rolle, der Sorgen über die Verfassung der US-Konjunktur geweckt habe.

Europaweit schlossen sämtliche Bereiche mit Ausnahme von Pharma im Minus. Der Versicherungssektor sei von den düsteren Nachrichten von Swiss Life und Aegon stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Swiss Life stellte für 2002 einen Verlust von 1,7 Mrd. sfr in Aussicht, der Analystenschätzungen um das Doppelte übertraf. Der Wert brach um 12 Prozent ein. Aegon fielen um 10,5 Prozent. Zuvor hatte der Versicherer eine Kürzung der Dividende in Aussicht gestellt und keine Prognose zur erwarteten Geschäftsentwicklung wagen wollen.

Bei den Einzelwerten stachen die Aktien des Medienkonzerns Vivendi Universal hervor, die 4,3 Prozent nachgaben. Händler verwiesen dabei auf Befürchtungen, dass der Konzern einen Rekordverlust vorlegen könnte. Einen positiven Eindruck hinterließen dagegen andere Werte der Pariser Börse wie Suez, Schneider Electric oder Havas, die beflügelt von positiven Unternehmenszahlen zwischen 4 Prozent und 13,5 Prozent zulegten.

London: Der Londoner Aktienmarkt schloss moderat schwächer. Der FTSE 100-Index verlor 0,23 Prozent auf 3 555,5 Zähler. Die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) wie auch der Schweizerischen Nationalbank wurden nach Angaben von Händlern als Signale gesehen, dass mit den kontinentaleuropäischen Wirtschaften so manches nicht zum Besten stehen und die Nachfrage aus der Eurozone schwächer werden könnte. Die Eurozone ist der wichtigste Handelspartner Großbritanniens. Die Bank von England ließ ihre Zinsen unverändert. Gesucht waren Royal & Sun Alliance, die trotz mittelmässiger Zahlen und einer Dividendenkürzung 1 Prozent zulegten. Die schlechten Nachrichten seien bereits im Kurs eingepreist gewesen, hieß es. Unter Druck standen die Titel des Informationsanbieters Reuters, die 2,2 Prozent nachgaben.

Zürich: Die Schweizer Aktien haben sich am Donnerstag über weite Strecken uneinheitlich gezeigt. Der SMI der Standardwerte notierte marginale 0,09 Prozent leichter bei 3 962,6 Punkten. Händler erklärten, die Kursverluste der Versicherungen hätten den Markt belastet, während UBS und Roche ein gewisses Gegengewicht gebildet hätten. Swiss Life verloren knapp12 Prozent auf die Mitteilung der Gesellschaft, wonach 2002 ein Verlust von 1,7 Mrd. sfr angefallen sei. Auch die meisten anderen Schweizer Versicherungswerte tendierten deutlich schwächer. UBS dagegen profitierten von dem neu lancierten Aktienrückkaufsprogramm über maximal 5 Mrd. sfr und stiegen 3,3 Prozent. Roche drehten nach anfänglichen Verlusten nach oben und schlossen 1,7 Prozent im Plus.

Paris: Die Börse in Paris schloss unter der Führung der schwächeren Versicherungen in der Nähe eines Fünfjahrestiefs. Unter Druck kamen auch Vivendi, bei denen der Markt mit einem riesigen finanziellen Verlust rechnet. Gut abschneiden konnten der Versorger Suez, der einen unter den Erwartungen liegenden Verlust meldete und zudem seine Schulden reduzieren konnte. Der CAC-40 Index schloss mit einem Tagesverlust von 0,77 Prozent auf 2 634,53 Zähler. Bei den Assekuranzen standen vor allem AGF und Axa unter Druck. Dass die EZB ihre Leitzinsen nur um 25 Basispunkte gesenkt habe, sei von vielen Anlegern mit Enttäuschung aufgenommen worden. Vivendi verloren 4,31 Prozent, Suez legten 3.7 Prozent zu. Schneider Electric verbesserten sich um fast 5 Prozent.

Amsterdam: Der niederländische AEX Index verlor 2,62 Prozent auf 246,89 Zähler und kam in die Nähe des Standes von August 1996. Neben Aegon tendierten Van der Moolen und Numico deutlich schwächer, die pessimistische Aussagen zum erwarteten Ergebnis für 2002 getroffen hatten. Etwas fester schlossen DSM und VNU. Ahold konnten marginal zulegen und Hagmeyer gewannen gut 2 Prozent.

Mailand: An der italienischen Börse schlossen Telecom Italia über dem Tagestief schwächer. In Italien wird über Spekulationen diskutiert, dass die beiden Telecom Italia beherrschenden Unternehmen Pirelli und Olivetti eine Vereinfachung der Kontroll-Struktur planen könnten. Pirelli verloren gut 1 Prozent. Olivetti, die ebenso wie Pirelli zunächst mehr als 2 Prozent zugelegt hatten, schlossen 1,4 Prozent schwächer. Der Mib30-Index sank 2,62 Prozent auf 22.106 Zähler. Generali konnten sich dem europaweiten Abwärtstrend entziehen. Fiat schlossen gehalten. Firmenchef Agnelli sagte, er hoffe, Fiat müsse eine Put-Option gegenüber General Motors nie ausüben. GM hält bereits 20 Prozent an Fiat und die Put-Option lässt zu, dass der Rest des italienischen Konzerns GM ebenfalls angedient werden kann.

Madrid: An der Börse in Madrid verlor der Index 1,07 Prozent auf 5 816,9 Zähler. Iberdrola und Acesa tendierten fester. Die beiden spanischen Grossbanken Santander und BBVA kamen unter die Räder. Leichte Verluste verbuchten Telefonica. Etwas Interesse fanden Terra Lycos. Um Titel von mittelgrossen Banken rankten sich Übernahmespekulationen.

Skandinavien: An der schwedischen Börse gehörten Volvo und Ericsson zu den Verlierern. Der OMX-Index gab 0,42 Prozent auf 457,71 Zähler nach. Auch die jüngste Statistik, die eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums zeigte, lastete etwas auf dem Markt. allerdings deutete die schwedische Reichbank eine Zinssenkung an. Electrolux konnten sich im Sitzungsverlauf erholen und unverändert schliessen. Stabil waren auch Nokia.

Wien: Die Wiener Börse schloss gehalten. Der ATX-Index gewann moderate 0,03 Prozent auf 1 160 Zähler. Auftrieb verliehen Austrian Airline, die 0,8 Prozent vorrückten. Unter Druck standen dagegen die Titel von Telekom Austria, die 1,4 Prozent nachgaben. Erste Bank ermäßigten sich um 0,22 Prozent.

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