Zinssenkung der Fed greift zu spät, um die Erträge der amerikanischen Konzerne zu retten
US-Gewinne brechen ein

Die fetten Jahre für die US-Konzerne sind vorüber. Zum ersten Mal seit zwei Jahren rechnen Analysten mit sinkenden Firmengewinnen. Deutsche Unternehmen zeigen sich aber noch unbeeindruckt.

HB DÜSSELDORF. Volkswirte von US-Banken und Analysten rechnen in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1998 mit rückläufigen Gewinnen der großen US-Konzerne. Daran könne auch die Zinssenkung der US-Notenbank nichts ändern, zumindest nicht in den kommenden sechs Monaten. Allerdings drohe keine Rezession. Das ergab eine Umfrage des Wall Street Journals.

Nach Einschätzung von William Dudley, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs, waren die Gewinne der US-Konzerne im letzten Vierteljahr 2000 bereits geringer als im dritten Quartal. In der Zeit von Januar bis März dieses Jahres werden sie weiter sinken. "Wir erleben einen sehr scharfen Gewinnrückgang, gefolgt von einer teilweisen Erholung", sagt er voraus.

Auch First Call / Thomson Financial, ein Unternehmen, das Gewinnprognosen von Wall-Street-Analysten zusammenträgt, rechnet damit, dass viele Unternehmen ihre Gewinnerwartungen für das erste Quartal 2001 nach unten schrauben müssen. Selbst die Prognose, derzufolge die Gewinne der im "Standard & Poor?s-500"-Aktienindex vertretenen Unternehmen im vierten Quartal 2000 im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 % hätten steigen sollen, lässt sich nicht mehr halten. Zum Vergleich: Ende September 2000 hatten Analysten für das letzte Quartal des Jahres noch ein Gewinnwachstum von über 15 % vorausgesagt. Besonders betroffen sind High-Tech-Unternehmen. Gingen Analysten zuvor noch von jährlichen Gewinnsteigerungen in Höhe von 29 % aus, korrigieren sie sich nun auf ein mageres Ertragsplus von 4 %.

Sollte es zum Gewinneinbruch in den US-Unternehmen kommen, würde das eine zweijährige Periode stark steigender Erträge der US-Wirtschaft beenden. First Call zufolge sind die US-Firmengewinne seit Anfang 1999 pro Quartal um durchschnittlich 18,9 % gestiegen, bevor stark steigende Energiepreise, sinkendes Verbrauchervertrauen, höhere Zinsen und letztlich auch fallende Aktienkurse diesen Anstieg zu einem abrupten Ende brachten.

Für eine Verlangsamung der US-Wirtschaft spricht auch die hohe Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die das US-Arbeitsministerium gestern veröffentlichte. Mit 375 000 Erstanträgen - einem Plus von 16 000 - wurde der höchste Stand seit Juli 1998 erreicht. Hingegen sind die Aufträge für Industriegüter im November stärker als erwartet gestiegen.

Vor diesem Hintergrund begrüßten zwar US-Konzernlenker die Senkung der US-Leitzinsen am Mittwoch. Boeing-Chef Phil Condit etwa sieht sie als Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem sind die vom Wall-Street-Journal befragten Unternehmer der Meinung, dass sich durch diesen überraschenden Schritt das wirtschaftliche Klima in den USA nicht schnell genug zum Positiven ändern wird.

Deutsche Unternehmen zeigen sich unterdessen noch unbeeindruckt von dem Gewinnrückgang ihrer US-Konkurrenten. Während etwa die großen US-Autokonzerne GM, Ford und Chrysler im Dezember empfindliche Absatzrückgänge hinnehmen mussten, konnten die deutschen Hersteller weiter zulegen. In einer Umfrage des Handelsblatts gaben sich Sprecher von Mercedes-Benz, VW und Porsche unisono zuversichtlich, die Absatzrekorde des Jahres 2000 auf dem US-Markt in diesem Jahr trotz eines rückläufigen Gesamtmarktes noch zu übertreffen. Daimler-Chrysler kündigte hingegen an, im Januar mehrere seiner insgesamt zwölf nordamerikanischen Autofabriken temporär zu schließen. Auch der Stuttgarter Maschinenbauer Trumpf sieht in den USA nach wie vor eine "hohe Investitionsbereitschaft"; von nachlassender Konjunktur sei noch nichts zu spüren.

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