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Zinssenkung gefährdet?

Wird die US-Notenbank erneut die Leitzinsen senken? Oder wird es die US-Wirtschaft aus eigener Kraft schaffen, sich vor der drohenden Rezession zu retten? Das sind zurzeit die einzigen wichtigen Fragen. Doch der Teufelskreis hat sich geschlossen und den Marktteilnehmern kann man nicht mehr recht machen. Die jüngsten Konjunkturdaten fielen wie erhofft gut aus, viel zu gut. Und statt sich über eine mögliche Erholung der US-Wirtschaft zu freuen, fürchten die Anleger nun, dass Alan Greenspan die Zinsen am kommenden Dienstag nicht senken wird. Die wichtigsten US-Indizes notieren in der Verlustzone.

Die Einzelhandelsdaten fielen im April weit besser aus als erwartet. Statt um die erwarteten 0,1 Prozent legte die Einnahmen im vergangenen Monat sogar um 0,8 Prozent zu. Die um Automobilumsätze bereinigte Kernrate stieg mit 0,7 Prozent ebenfalls stärker als erwartet an. Bereits gestern hatten die vorab veröffentlichten Einzelhandelsdaten einiger Unternehmen auf eine starke Steigerung hingedeutet. Nachdem der Einzelhandelssektor bereits gestern zulegte, könnten die Werte heute erneut gefragt sein.

Der Erzeugerpreisindex stieg im April um 0,3 Prozent. Damit lag der Anstieg des Barometers im Rahmen der Analystenerwartungen. Noch im Vormonat war der Index um 0,1 Prozent gefallen. Die um die volatilen Bereiche der Lebensmittel- und Energiepreise bereinigte Kernrate kletterte um 0,2 Prozent. Analysten hatten hier nur mit einem Anstieg von 0,1 Prozent gerechnet. Der Produzentenpreisindex gilt als wichtiger Indikator für Rohstoffpreise und ist ein wichtiger Frühindikator für mögliche Schwankungen im Verbraucherpreisindex.

Bis 16:00 Uhr MEZ müssen die Marktteilnehmer noch auf die vorläufigen Daten der Universität von Michigan zum Konsumentenvertrauen im Mai warten. Die Zuversicht in die Entwicklung in die US-Wirtschaft ist seit September gefallen.

Doch auch Unternehmensnachrichten bewegen die Märkte zum Wochenschluss. Es ist zur nicht Merger Monday, doch Übernahmespekulationen können auch am Freitag die Runde machen. Das Neuste: Merck plant angeblich Schering-Plough zu übernehmen. Der zweitgrößte US-Pharmahersteller habe 91 Milliarden Dollar in Aktien angeboten, um seinen Konkurrenten Schering-Plough zu kaufen. Das berichtet zumindest die "Business Week". Bei einem möglichen Preis von 65 Dollar pro Aktie erhielten die Aktionäre von Schering-Plough gemessen am Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag einen Bonus von 75 Prozent. Die Aktie gewinnt im frühen Handel fast sieben Prozent an Wert.

Während Merck versucht sich zu vergrößern, plant Nortel Networks den Ausstieg aus dem Breitbandgeschäft. Nortel Networks wird sich aus dem DSL-Bereich zurückziehen. Das Geschäft mit Hochgeschwindigkeitsleitungen sei wenig profitabel und soll deshalb abgestoßen werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Nortel hat erst im vergangenen Jahr die DSL-Technologie mit der Übernahme von Promatory Communications für 778 Millionen Dollar hinzugekauft. Unterdessen hat am Morgen das Vorstandsmitglied Clarence J. Chandran, der geschäftsführende Vorstand gekündigt. Im April gab Nortel die Entlassung von 20 000 Beschäftigten bekannt.

Flugzeugbauer Boeing freut sich am Morgen dagegen über das Interesse an seinen Flugzeugen. Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic plant möglicherweise bis zu sechs Flugzeuge des Typs "Sonic Cruiser" von Boeing zu kaufen. Das Besondere an diesen Maschinen: Sie fliegen bis zu 20 Prozent schneller als die bisherigen Standard-Passagiermaschinen. Erst im vergangenen Monat hatte Virgin Atlantic sechs Flugzeuge des Typs "A380 Superjumbo" von Airbus gekauft, dem europäischen Konkurrenten von Boeing.

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