Zinssenkung im Juni erwartet
Euro-Anstieg Argument für EZB-Zinssenkung

Der Kursanstieg des Euro ist nach Einschätzung führender Volkswirte öffentlicher Banken ein wichtiges Argument für die erwartete weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Reuters FRANKFURT. "Angesichts der Euro-Entwicklung, durch die Gefahren für die Konjunktur heraufziehen, wird sich die EZB dem Druck nicht länger entziehen können und wohl im Juni die Zinsen um 25 Basispunkte senken", sagte Heinz Grimm, Chefvolkswirt von der Bankgesellschaft Berlin, am Dienstag in Frankfurt.

In der Zinsprognoserunde des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB) waren sich die fünf Analysten einig, dass die EZB den Leitzins von 2,50 Prozent noch einmal reduzieren wird, wenn auch noch nicht bei der nächsten Zinssitzung am Donnerstag.

Anleger werden in den Euro gelockt

Der Euro hatte in den vergangenen Tagen seinen Aufwärtstrend auf Kurse über 1,14 Dollar beschleunigt, da der schwache Zustand der US-Wirtschaft und die höheren Zinsen in der Euro-Zone die Anleger in die Gemeinschaftswährung locken. Obwohl die Konjunkturdaten aus der Euro-Zone zuletzt noch kein Ende der wirtschaftlichen Stagnation zu erkennen gaben, erwarten die Volkswirte eine allmähliche Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr. Die Inflationsrate sehen sie weiter nah bei der EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent. Zudem gehen sie mehrheitlich von einem allmählichen Anstieg der Renditen für zehnjährige Bundesanleihen von derzeit rund 4,00 Prozent auf bis zu 4,70 Prozent binnen sechs Monaten aus.

Da die Binnenwirtschaft im Euro-Raum noch immer schwach ist, setzt Astrid Rohles vom VÖB auf einen Wachstumsimpuls aus den USA. Auch Michael Hüther, Chefvolkswirt von der Dekabank, und sein Kollege von der Helaba, Jochen Schober, äußerten sich optimistisch zur US-Wirtschaft. Die Volkswirte begründen das mit der 2004 bevorstehenden Wahl des US-Präsidenten. Nach dem Ende des Irak-Krieges werde sich die US-Regierung aus diesem Grund darauf konzentrieren, die Konjunktur in Fahrt zu bringen.

"Bush hat aus Fehlern gelernt"

Präsident George W. Bush habe aus den Fehlern seines Vaters gelernt, der 1992 vor allem wegen der schlechten Wirtschaftslage nicht wiedergewählt worden sei, sagte Hüther. "Der Irak-Krieg ist abgehakt, jetzt muss die Fiskalpolitik ran", pflichtete Schober bei. Der Aufschwung für das Wahljahr 2004 müsse schon jetzt angesetzt werden. Den jüngsten deutlichen Warnungen der US-Notenbank vor deflationären Tendenzen wollte Hüther keinen Glauben schenken. Die Investitionen erholten sich in den USA und der Konsum sei stabil.

Eine Deflation - also ein Rückgang des Preisniveaus, mit dem eine dauerhafte Ausgabenzurückhaltung von Verbrauchern und Unternehmen einhergehe - drohe deshalb nicht. Die US-Notenbank Fed hatte am Dienstag vor einem unerwünscht deutlichen Rückgang der Inflation und der Gefahr einer weiteren Konjunkturabkühlung gewarnt. Die Fed hatte den Leitzins wie erwartet zwar auf dem tiefsten Stand seit rund 40 Jahren von 1,25 Prozent gelassen, signalisierte damit nach Ansicht von Analysten aber Bereitschaft zu einer weiteren Zinssenkung.

Skeptischer als der Rest der VÖB-Prognoserunde äußerte sich Tobias Schmidt von Feri Research über die Aussichten für die US-Konjunktur. Die anhaltende Tendenz zum Inflationsrückgang in den USA, wo die Kerninflationsrate von 2,7 Prozent 2001 auf zuletzt 0,8 Prozent im ersten Quartal 2003 gesunken ist, werde die Fed zu niedrigeren Zinsen veranlassen. Parallel zu den US-Staatsanleihen sollten die als Marktbarometer geltenden zehnjährigen Bundesanleihen in den kommenden Monaten Kursgewinne, dann aber wieder Verluste sehen. Per November prognostizierte Schmidt, der mit seiner Vorhersage bei der VÖB-Prognose im November am treffsichersten war, eine Rendite von 3,80 Prozent.

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