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Zinssenkung um 25 Basispunkte

Sie war lang erwartet, doch sie verlief recht unspektakulär. Die sechsten Senkung der US-Leitzinsen in diesem Jahr entlockte den Händlern auf dem New Yorker Börsenparkett nur noch ein leichtes Raunen. Wie von den meisten Marktteilnehmern erwartet, reduzierte Notenbankchef Alan Greenspan die US-Leitzinsen um 25 Basispunkte. Hatte der Zinssatz zum Jahresanfang noch 6,5 Prozent betragen, schmolz der Zins nun auf 3,75 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 1994.

Einige Experten hatten im Vorfeld auch eine Reduzierung um 50 Basispunkte für möglich gehalten. Doch so schlecht steht es dann um die US-Konjunktur anscheinend doch nicht. Alan Greenspan begründete den erneuten, jedoch moderaten Zinsschritt mit der nach wie vor rückläufigen Produktivität sowie den nachlassenden Unternehmensinvestitionen. Zudem lasse die Entwicklung der Verbraucherausgaben noch zu wünschen übrig. Nach wie vor befinde sich die Konjunktur in einer Schwächephase. Dazu trage auch eine flaue Nachfrage aus dem Ausland bei. Der hohe Dollar macht US-amerikanische Waren relativ teuer und mit Japan und Europa kriseln auch weitere Wirtschaftsräume. Die Notenbank deutete an, bei Bedarf weitere Zinssenkungen vorzunehmen. Die nächste Notenbanksitzung findet jedoch erst im August statt.

Die Wall Street reagierte zunächst ein wenig unsicher auf den jüngsten Zinsschritt der US-Notenbank. New Yorks wichtige Aktienindizes drehten nach Veröffentlichung der Entscheidung zunächst ins Minus. Dann erholten sie sich kurzzeitig jedoch wieder. Im Gegensatz zum Dow Jones Index konnte sich der Nasdaq Index bis Handelschluss in der Gewinnzone halten. Vor allem Kursgewinne bei Qualcomm, Microsoft und Siebel sorgten für Aufwärtspotenzial. Kursverluste bei Xilinx kosteten das Börsenbarometer bis Handelsschluss einen Großteil der Punkte. Die Gewinnwarnung des führenden Herstellers von programmierbaren Chips setzte den Sektor unter Druck. Statt eines Gewinns von 15 Cents pro Aktie wird Xilinx voraussichtlich einen Verlust erzielen. Die Unternehmensleitung begründete die enttäuschenden Prognosen mit der schlechten Auftragslage. Einige Kunden hätten ihre Aufträge sogar storniert. Ebenfalls ins Minus ging es zur Wochenmitte für 3Com. Der Quartalsverlust fiel höher aus als erwartet. Lucent leistete 3Com im roten Bereich Gesellschaft. Der Telekommunikationsausrüster plant, erneut Arbeitsplätze abzubauen. Die Anleger deuteten dies als erneutes Warnsignal für die angeschlagene Lage des Unternehmens. Auch JDS Uniphase will sich von rund 20 Prozent seiner Belegschaft trennen. Die Rezession im Telekommunikationssektor zwinge zu weiteren Einsparungen, so die Unternehmensführung. Neben JDS Uniphase und Lucent schlossen auch Ciena und Nextel im Minus.

Schwer hat es auch der Ölsektor. Die neuesten Studien weisen auf Überkapazitäten an Öl hin. Es seien fünf bis sechs Prozent mehr an Ölvorräten vorhanden als Analysten erwartet haben. Ein Überangebot bedeutet sinkende Preise. Daher sah es bei den Ölwerten wie Exxon Mobil, Texaco und Chevron rot aus.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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