Zinssenkungen in Europa können nicht nachhaltig beflügeln
Strohfeuer an der Wall Street

Die New Yorker Börsen schlossen nach einem festeren Verlauf deutlich unter den Tageshochs. Zunächst hatten die Zinssenkungen seitens europäischer Zentralbanken die Kurse stimuliert. Im späten Handel ließen dagegen umfangreiche Gewinnmitnahmen die Notierungen zusammenschmelzen.

hha/kjo NEW YORK. Am Donnerstag erlebten die US-Aktienmärkte ein Strohfeuer. Im Gefolge der Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England um jeweils 0,5 Prozentpunkte keimten am Markt zunächst Hoffnungen auf eine baldige Erholung der weltweiten Konjunktur und der künftigen Unternehmensergebnisse auf. Positive Impulse steuerten zudem die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung bei, die in der vergangenen Woche um 46 000 auf 450 000 gesunken waren. Die US-Börsen präsentierten sich vor diesem Hintergrund zunächst in festerer Verfassung. In der Schlussphase schmolzen die Aufschläge jedoch stetig ab. Händlern zufolge nahmen weite Anlegerkreise die zuvor gesehenen Gewinne mit.

Der Dow-Jones-Index endete mit 0,4 % im Plus. Der S&P 500 notierte 0,3 % höher, und der Nasdaq-Composite verlor 0,5 %.

Viele Händler rechnen damit, dass die Aktien sich erst dann nachhaltig erholen werden, wenn die Unternehmen höhere Gewinne ausweisen und positive Vorhersagen für das nächste Jahr machen. "Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass die Wirtschaft im ersten Quartal des nächsten Jahres die Talsohle erreicht, wird es länger dauern, bis sich auch die Unternehmensgewinne erholt haben", sagte Stanley Nabi von Credit Suisse Asset Management.

Auf der Unternehmensseite sorgten vor allem die Übernahmeverhandlungen zwischen den Energieversorgern Dynegy und Enron für Gesprächsstoff. Dynegy will den wesentlich größeren, aber angeschlagenen Konkurrenten Enron für 8 Mrd. $ in Aktien kaufen. Dynegy-Großaktionär Chevron-Texaco (+0,3 %) hat zudem eine Finanzspritze von 1,5 Mrd. $ zugesagt. Enron verloren bis zum Schluss 7,3 %; Dynegy lagen 10,5 % im Plus.

Aktien des Einzelhandelsriesen Wal-Mart befestigten sich um 1,3 %, nachdem das Unternehmen bekannt gegeben hatte, dass die Verkäufe in Geschäften, die seit mindestens einem Jahr existieren, seit Oktober 2000 um 6,7 % gestiegen sind. Wal-Mart selbst hatte lediglich mit einem Anstieg um 4 bis 6 % gerechnet. Die Titel der Damenbekleidungskette Limited gewannen 2,6 %, obwohl die Verkäufe des Unternehmens im vergangenen Jahr um 6 % gesunken sind.

Der Verlauf an der Technologiebörse Nasdaq wurde von Halbleiterwerten bestimmt, nachdem die US-Vereinigung der Halbleiterindustrie SIA für 2002 einen Anstieg der weltweiten Chipverkäufe um 6 % vorhergesagt hatte. Die Aktien des Chipherstellers Intel profiterten zunächst von der Nachricht, dass die Investmentbank Salomon Smith Barney (SSB) die Titel auf ihre Empfehlungsliste gesetzt hatte. Später geriet die Aktie jedoch in den Sog der Gewinnmitnahmen und schloss mit minus 0,1 %. Texas Instruments verbuchten einen moderaten Aufschlag, obwohl SSB die Aktien des Halbleiterkonzerns von der Empfehlungsliste strich. Titel des Speicherchipherstellers Micron Technologies legten mit +3,9 % wesentlich deutlicher zu.

Für Gesprächsstoff sorgte auch AMD. Der US-Chiphersteller bestätigte seine Finanzprognosen für das vierte Quartal 2001. Die schwachen Geschäftsbedingungen könnten die Profitabilität jedoch bis in das zweite Quartal 2002 hinauszögern, hieß es weiter. Für 2002 rechnet AMD mit einem Gewinn. Die Aktie schloss mit minus 8,3 %.

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