Zinssenkungserwartungen werden immer stärker
Issing lässt der Notenbank alle Optionen offen

Die fortgesetzte Schwäche der Aktienmärkte heizte unter Marktteilnehmern die Erwartung an, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch in diesem Jahr ihren Leitzins senken wird. Dieser liegt seit November 2001 bei 3,25 %.

noh/cü FRANKFURT. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing räumte auf einer Veranstaltung in Salzburg ein, dass die Kursverluste an den Aktienmärkten negative Auswirkungen auf die Wirtschaft des Euroraums haben. "Die EZB steht bereit, sich konjunkturellen Herausforderungen aus dem internationalen Umfeld zu stellen", sagte Issing der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge.

Während er damit eine Bereitschaft zur Zinssenkung zu signalisieren schien, widersprach er auf der anderen Seite dem Argument, es drohe ohne niedrigere Zinsen eine Deflation, also ein sinkendes Preisniveau. "Derzeit sind wir mit dem Niveau der Inflationsrate noch nicht zufrieden. Wenn sie da hingeht, wo wir sie haben wollen, werden wir zufrieden sein, und dies nicht als Problem betrachten", sagte Issing.

Jonathan Griggs, Fixed-Income-Stratege bei JP Morgan Fleming Asset Management geht davon aus, dass die EZB die Leitzinsen bei ihrem Treffen im November senken wird. Das schwache Wachstum mache diesen Schritt wahrscheinlich, sagte Griggs. Die Märkte würden bereits jetzt niedrige Inflationsraten und geringes Wirtschaftswachstum einpreisen.

Peter Schaffrik, Rentenanalyst der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein erwartet dagegen, dass die EZB für den Rest des Jahres still hält. Bevor die Inflationsrate unter 2% fällt, werde sie nicht die Zinsen senken.

Die am Geldmarkt für die nächsten zwölf Monate erwarteten Leitzinsen sanken gestern auf den tiefsten Stand in diesem Zinszyklus. Issings Rede hatte dabei dem Kursverlauf zufolge keinen nennenswerten Einfluss. Der Dezember-Future für Dreimonatsgeld, ein guter Anhaltspunkt für das zum Jahreswechsel erwartete Leitzinsniveau sank auf 3,06 %, der März Kontrakt sogar auf 2,95 %.

Damit ist die Erwartung einer Zinssenkung um 25 Basispunkte bis Dezember voll, eine weitere Zinssenkung in den ersten Monaten 2003 zu knapp 40 % in den Kursen enthalten.

Von der US-Notenbank erwartet der Finanzmarkt, dass sie morgen die Zinsen unverändert lässt, aber auf ihrer übernächsten Sitzung am 6. November den eigenen Leitzins nochmals senkt. Hält sich diese Erwartung so dürfte erfahrungsgemäß die EZB-Sitzung einen Tag später, am 7. November, bald stärker in den Fokus geraten.

Quelle: Handelsblatt

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