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Zinssenkungsfantasien geben deutschen Aktien Auftrieb

Zinssenkungsfantasien im Vorfeld der Notenbanksitzungen in den USA und Europa haben am Montag den deutschen Aktienmarkt fester tendieren lassen. Investoren hofften auch, dass der nach US-Börsenschluss erwartete Geschäftsausblick des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco darauf hinweist, dass die wirtschaftliche Talsohle erreicht sei und die Zeiten besser werden, sagte ein Händler.

rtr FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verzeichnete am frühen Nachmittag einen Zuwachs von 2,71 % auf 4 707,41 Zähler. Zu den größten Gewinnern unter den Standardwerten gehörten die Aktien der Deutschen Post, nachdem die Titel am Freitag noch wegen des Verdachts auf erste Funde von Milzbranderregern in Deutschland stark unter Druck geraten waren.

Am Neuen Markt stieg der Nemax-50-Index um 2,48 % auf 1 081,2 Punkte. Der MDax für die mittelschweren Werte gewann 0,2 % auf 4 163 Punkte hinzu.

"Es verbreitet sich immer mehr der Glaube, dass wir den Tiefpunkt des schlechten wirtschaftlichen Umfelds erreicht haben", kommentierte Jason Forde, Fondsmanager bei Maintrust, die Kauffreude unter den Investoren. "Wenn man dann noch davon ausgeht, dass wir in dieser Woche weitere Zinssenkungen sehen, dann wird die wirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr nur wahrscheinlicher."

Eine Reduzierung der Leitzinsen erhoffen sich Marktteilnehmer sowohl von der US-Notenbank Fed am Dienstag als auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. In den USA wäre es das zehnte Mal in diesem Jahr, dass der Schlüsselzins gesenkt würde. "Ich gehe davon aus, dass die Fed die Zinsen um 50 Basispunkte senken wird", sagte Forde weiter. Analysten erwarten ebenfalls einen Schritt um einen halben Prozentpunkt auf einen Leitzins von 2,0 %. Auch bei der EZB gehen Analysten von einer Senkung der Leitzinsen in der Eurozone um 50 Basispunkte aus.

Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte sich indes in Interviews am Wochenende zur Möglichkeit weiterer Zinssenkungen der EZB zurückhaltend geäußert. "Wir müssen vermeiden, dass sich langfristige Inflationserwartungen aufbauen, weil durch weitere Zinssenkungen möglicherweise die Liquiditätsversorgung zu groß wird", hatte Welteke erklärt.

Vor dem Hintergrund der Hoffnung, dass die US-Konjunktur im kommenden Jahr zu einer stärker als bisher erwarteten Erholung ansetzten wird, sieht Fondsmanager Forde den Dax bis Jahresende auf dem Niveau von 5 000 Punkten. "Für die kommenden drei bis sechs Monate gehe ich davon aus, dass sich eine Kaufen-und-Halten-Strategie bezahlt macht."

Hoffnung liegt in Cisco

Ein Anzeichen, dass sich die Wirtschaft in der nächsten Zukunft erholen wird, erhoffen sich Investoren auch von dem gegen Abend (MEZ) erwarteten Geschäftsausblick von Cisco . Die Gesellschaft wird voraussichtlich nach US-Börsenschluss ihre Quartalszahlen präsentieren, die nach Einschätzung von Finanzexperten wenig überraschend ausfallen dürften. Die Cisco-Geschäftsentwicklung werde als Hinweis darauf gesehen, ob die Technologiebranche ihren Nullpunkt hinter sich habe.

In den USA hatten Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung bereits am Freitag den Standardwerten Auftrieb verliehen. Der Dow-Jones-Index schloss um 0,6 % fester bei 9 323 Zählern, während der Technologieindex Nasdaq kaum verändert bei 1 745 Punkten aus dem Handel ging. Auch für den Handelsstart am Montag deuteten die US-Futures auf eine freundliche Tendenz in New York hin. Der Nasdaq-Future gewann elf Ticks, der Dow-Jones-Future stieg um 34 Punkte.

Deutsche Post profitieren von Milzbrand-Entwarnung

Am deutschen Markt gehörten am Montag unter anderem die Aktien der Deutschen Post mit einem Zuwachs von 4,1 % auf 15,89 ? zu den größten Gewinnern. Die Titel waren am Freitag wegen des Verdachts auf erste Funde von Milzbranderregern in Postsendungen in Deutschland stark ins Minus gerutscht. Das Bundesgesundheitsministerium hatte nach Börsenschluss in Frankfurt jedoch Entwarnung gegeben, dass es sich nicht um die gefährlichen Krankheitserreger handele.

Deutlich fester notierten auch die Technologiewerte. Infineon stiegen um 4,3 % auf 18,52 ?, SAP legten ebenfalls um 4,3 % auf 121,89 ? zu.

Zu den wenigern Verlierern gehörten die Aktien von RWE mit einem Minus von 1,2 % auf 43,80 ?.

Die Aktien des MDax-Unternehmens Hugo Boss stiegen um 4,7 % auf 21,15 ?, nachdem der Bekleidungshersteller am Morgen sein Quartalsergebnis vorgelegt und mitgeteilt hatte, an seinen Umsatz- und Gewinnprognosen für 2001 festzuhalten.

Die Titel des Nemax-50-Unternehmens Comroad gewannen 5,6 % auf 10,87 ?. Das Telematikunternehmen hatte im dritten Quartal 2001 Umsatz und Ergebnis gesteigert.

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