Zinsspekulationen
Politiker bedrängen die EZB

Der politische Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen zu senken, nimmt zu. Von der EZB selbst gibt es hingegen weiter kein eindeutiges Signal, dass eine Lockerung der Geldpolitik unmittelbar bevorsteht. Die Analysten der Dresdner Bank gehen indes davon aus, dass die EZB den Leitzins womöglich schon auf ihrer Sitzung am Donnerstag um 0,25 Prozentpunkte zurücknehmen wird.

HB DÜSSELDORF. Am deutlichsten sprach sich der französische Finanzminister Laurent Fabius für eine Zinssenkung aus. Gründe seien eine Abschwächung des Wachstums in der Euro-Zone und der niedrige Inflationsdruck. "Alle, die auf diese Daten schauen, sollten daraus ihre Schlüsse ziehen", betonte der Minister in einem Hörfunkinterview.

Auch Österreichs Finanzminister Grasser sprach sich für eine Zinssenkung aus. Andere Finanzminister aus der Euro-Gruppe zeigten sich am Montag allerdings zurückhaltender; es sei "unpassend", erklärte beispielsweise Italiens Schatzminister Visco, Druck auf die EZB auszuüben. Aus diesem Grund hielten sich andere Euro-Regierungen wie die deutsche und die finnische mit Kommentaren zurück.

Analysten der Dresdner Bank halten es für möglich, dass die EZB am Donnerstag dieser Woche den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte senken könnte. Anschließend dürfte der Zins im Euro-Raum für längere Zeit stabil bleiben, erklärten sie bei der Vorlage ihrer Konjunkturprognose.

Von geldpolitischer Seite Spielraum vorhanden

Die Geldmengenentwicklung signalisiere bereits grünes Licht für eine geldpolitische Lockerung, urteilte Analystin Claudia Henke. Allerdings sei vom Preisklima her mit einer Inflationsrate von 2,6 % in der Eurozone noch keine Entspannung gegeben. Eine Zinssenkung sei aus konjunkturellen Gründen nicht zwingend erforderlich, schade aber auch nicht. Ein solcher Schritt mache als vertrauensbildende Maßnahme Sinn, so Henke. Eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf 4,50 % bedeute nicht, dass die EZB ihre neutrale Haltung verlasse, betonte Dresdner-Chefvolkswirt Klaus Friedrich.

"Wir sind in der Eurozone bereits auf einem Zinsniveau, auf das die Amerikaner hinarbeiten", sagte er. Größer als 0,25 Prozentpunkte dürfte der Zinsschritt seiner Meinung nach daher nicht ausfallen. Er könne sich sogar vorstellen, dass die Zinszügel in Europa im nächsten Jahr wieder leicht gestrafft werden.

Für die USA gehen die Analysten der Dresdner Bank von einer Zinssenkung um 0,50 Prozentpunkte auf der kommenden Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank am 15. Mai aus. "Dann dürfte aber auch hier das Ende der Fahnenstange erreicht sein", so Friedrich. Trotz des stürmischen Konjunkturumfelds rechnen die Volkswirte der Dresdner Bank weiterhin mit einem robusten Wachstum in Europa und Deutschland. Für Europa prognostizieren sie für dieses Jahr ein Wachstum von 3 %, damit stelle Europa einen stabilisierenden Anker in der Weltwirtschaft dar. Für Deutschland gehen die Analysten von einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von 2,5 bis 2,75 % in diesem Jahr aus.

Rückgang des Ifo-Index spricht nicht gegen anhaltenden Aufschwung

Der Start ins Jahr 2001 sei weit besser gelungen als allgemein vermutet, bemerkte Dresdner-Analyst Harald Jörg. Der Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex spreche nicht gegen einen anhaltenden Aufschwung. Der Index sei eher ein Indikator für die Entwicklung der Industrieproduktion im Vorjahresvergleich und weniger für die gegenwärtige konjunkturelle Dynamik.

Auch für die USA zeigten sich die Analysten optimistisch; die Weichen für eine konjunkturelle Beschleunigung seien bereits gestellt. Für das Gesamtjahr erwarten sie ein Wirtschaftswachstum von 2 %. Noch im ersten Halbjahr könne es zu einer Wende am US-Aktienmarkt kommen. Im zweiten Halbjahr dürften die US-Zinssenkungen die Konjunktur stimulieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%