Zitterspiel gegen Weißrussland
Schüttler wahrt Chancen auf Daviscup-Klassenerhalt

Das Daviscup-Relegationsspiel gegen Weißrussland wird für die deutschen Tennis-Herren zum Zitterspiel. Nach der Auftaktniederlage von Debütant Thomas Behrend zeigte auch Deutschlands Spitzenspieler Rainer Schüttler im zweiten Einzel zeitweise Nerven, bekam aber rechtzeitig noch die Kurve. Dennoch steht das DTB-Team im Kampf um den Verbleib in der Weltgruppe mit dem Rücken zur Wand.

HB SUNDERN. Zwar konnte Schüttler die Fünfsatz-Niederlage von Debütant Tomas Behrend gegen Max Mirnyi am Freitag in Sundern durch ein quälendes 6:3, 3:6, 6:7 (3:7), 6:4, 6:4 gegen Wladimir Woltschkow zum 1:1 ausgleichen. Da Schüttler und Doppel-Partner Nicolas Kiefer am Samstag (15 Uhr) gegen Mirnyi/Woltschkow allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt werden, müssten die beide Schlusseinzel am Sonntag gewonnen werden, um den Absturz in die Zweitklassigkeit zu verhindern. Abgestiegen waren die Deutschen zuletzt vor 20 Jahren.

"Ich habe definitiv alles gegeben. Jetzt lasse ich mich behandeln und pflegen. Und hoffentlich lebe ich morgen früh noch", sagte Schüttler, der sich total kaputt fühlte, kurz nach dem 4:02 Stunden dauernden Match. Er hatte das Spiel gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit beendet.

Als Schüttler nach einem prächtigen Start im zweiten Satz völlig von der Rolle geriet, schien das sportliche Drama seinen Lauf zu nehmen. Aber der Kämpfer aus Korbach ballte die Faust und stemmte sich mit Macht gegen die Niederlage und den damit fast sicheren Abstieg, der für den kriselnden Deutschen Tennis Bund (DTB) zum Super-GAU führen könnte. "Rainer weiß schon, dass zwei Siege von ihm erwartet werden", sagte Kühnen. Die erste Hälfte dieser Forderung erfüllte der Weltranglisten-Sechste selbstbewusst und mit beeindruckender Zielstrebigkeit, ohne auf dem eher ungeliebten roten Sand überzeugen zu können.

Mit seiner gewagten Entscheidung, den ursprünglich nur als Ersatz vorgesehenen Behrend aufzustellen, hatte der dünnhäutig wie nie auftretende Kapitän Patrik Kühnen kein Glück. Trotz zweier Matchbälle musste sich der in Brasilien geborene Aachener gegen Mirnyi mit 7:5, 6:2, 6:7 (6:8), 2:6, 4:6 geschlagen geben. Nach einem Bilderbuchstart bei ebensolchem Wetter konnte der 28-Jährige im Tiebreak des dritten Satzes beim Stand von 6:4 den Sack im Jubel der knapp 5000 Zuschauer aber nicht zu machen.

Lokalmatador Behrend, der mit Blau-Weiß Sundern erstmals die deutsche Meisterschaft errungen hat, war zum Heulen zumute. "Das ist so bitter. Ich war so dicht dran. Der liebe Gott hat es vielleicht nicht haben wollen", sagte er und sank nach dem Matchball nach 3:41 Stunden geschockt in die Arme des Teamchefs. "Er hat alles gegeben. Aber der Herrgott war nicht auf seiner Seite", meinte Kühnen. Trost und Anerkennung spendete auch DTB-Präsident Georg von Waldenfels: "Ich habe ihm gratuliert, denn er hat eine sehr gute Leistung geboten."

"Unglaublich, wie Tomas nach 15:40 noch das Break geschafft hat", sagte Kiefer nach Behrends 6:5 in Satz eins. Der Holzmindener hatte sich scheinbar klaglos in die Rolle des Zaungastes gefügt und dem "Nachrücker" den Vortritt gelassen. "Sand ist sein Belag", sagte Kühnen und begründete die Nominierung mit dem Hinweis, dass sein Schützling Mirnyi vor zwei Monaten in Stuttgart geschlagen hat. "Aber als Debütant und dann vor eigenem Publikum ist es besonders schwer", orakelte der frühere Becker-Coach Günther Bosch - und behielt recht.

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