ZNS-Kuratorium: "Wir verlieren unsere Leiterin und Lenkerin"
Politiker aller Parteien würdigen Lebensleistung von Hannelore Kohl

Politiker aller Parteien haben mit großer Betroffenheit auf den Tod von Hannelore Kohl reagiert und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seine Anteilnahme am Tod seiner Ehefrau ausgesprochen. Bundeskanzler Johannes Rau würdigte Hannelore Kohl als "eine beeindruckende Persönlichkeit". Kanzler Gerhard Schröder sagte, ihr plötzlicher Tod habe ihn schmerzlich berührt.

dpa/ap BERLIN. Bundespräsident Johannes Rau sagte, ihr scharfer, klarer Verstand, ihr Engagement und ihre Klugheit hätten ihr hohe Achtung eingetragen. Viele Menschen hätten ihrem Einsatz viel zu verdanken. Vielen Kranken sei durch die Arbeit ihrer Stiftung geholfen worden. Gewiss habe es "sie geschmerzt, dass sie sich wegen ihrer schweren Krankheit nicht mehr so einsetzen konnte, wie sie wollte", meinte Rau. Hannelore Kohl habe von all dem wenig Aufhebens gemacht. "Sie war, wenn ich das so ausdrücken kann, auf eine souveräne Weise bescheiden", fügte der Bundespräsident hinzu.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) äußerte großen Respekt vor der Arbeit von Hannelore Kohl. Durch ihr Engagement und ihre noble Arbeit habe sie sich Zuneigung von vielen Menschen erworben. Das werde dazu beitragen, "dass man sie als eine aufrichtige, Anteil nehmende Frau in sehr, sehr guter Erinnerung behalten wird", sagte Schröder auch im Namen seiner Frau, Doris Schröder-Köpf. Er wünsche Kohl und seinen Söhnen, dass sie Mut und Kraft finden werden, mit diesem schweren Verlust leben zu können.

Stoiber: "Starke Persönlichkeit und couragierte Frau"

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) würdigte in einem Kondolenzschreiben Hannelore Kohl als starke Persönlichkeit und couragierte Frau. Die 68-Jährige habe eine kluge und sympathische Art gehabt. "Mit ihrer Natürlichkeit und Herzlichkeit gewann sie in Deutschland wie im Ausland die Herzen der Menschen", schrieb Sder CSU-Vorsitzende.

Hannelore Kohl habe sich neben ihren Pflichten als Gattin des Bundeskanzlers mit hohem persönlichen Einsatz für zahlreiche soziale Belange engagiert. Stoiber äußerte die Hoffnung, dass der Altkanzler in dieser schweren Zeit die Verbundenheit von Menschen erfährt, die ihm nahe stehen. "Die Deutschen haben nicht vergessen, was Sie für unser Land getan haben - Sie und die Frau an ihrer Seite."

FDP: "Ihre Lebensleistungen behalten einen bleibenden Wert"

Die Parteispitze der Liberalen übermittelte dem Altkanzler in einem Beileidstelegramm ihr Mitgefühl zum Tod seiner Ehefrau. "Mit großer Trauer und mit tiefer Betroffenheit haben wir die unfassbare Nachricht vom Tode Ihrer Frau erhalten", schrieben der FDP - Bundesvorsitzende Guido Westerwelle und Generalsekretärin Cornelia Pieper am Donnerstag in Berlin. Das "großartige soziale Engagement" von Hannelore Kohl habe unzähligen Menschen Hilfe bedeutet. "Die Lebensleistung und die beeindruckende Persönlichkeit Ihrer Frau behalten für uns einen bleibenden Wert."

Zuvor hatte bereits die FDP-Fraktionsspitze Helmut Kohl ihr Mitgefühl bekundet. "Wir sind in Gedanken bei Ihnen und hoffen, dass Sie trotz dieses Schicksalsschlages Ihren Mut und Ihre Zuversicht bewahren und Trost bei Ihren zahlreichen Freunden innerhalb und außerhalb der Politik finden", schrieb FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt am Donnerstag im Namen der Fraktion an Kohl. Die am Morgen in Ludwigshafen tot aufgefundene Hannelore Kohl werde "als beeindruckende Persönlichkeit in bleibender Erinnerung bleiben".

Simonis: "Sie war mehr als die Frau an der Seite des Kanzlers"

Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) sagte in Kiel, Hannelore Kohls soziales Engagement werde immer in Erinnerung bleiben. Die Altkanzler-Gattin sei "viel mehr gewesen sei als die Frau an seiner Seite". Konsequent und ohne persönliche Eitelkeiten habe sie sich unbeirrt für Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma eingesetzt.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erinnerte an das soziale Engagement von Hannelore Kohl: "Ihr Leben war geprägt vom beherzten Engagement für die Kranken." Die frühere Familienministerin im Kabinett Kohl, Claudia Nolte, sagte, sie stehe unter Schock. Der CDU-Bundestagabgeordnete Joachim Hörster, Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Rheinland-Pfalz, sprach von einer sehr traurigen Nachricht. Grünen-Rechtsexperte Cem Özdemir sagte: "In dieser Stunde teilen wir den Schmerz von Helmut Kohl, seinen Kindern und seiner ganzen Familie."

ZNS-Kuratorium: "Wir verlieren unsere Leiterin und Lenkerin"

"Zutiefst getroffen" vom Tod Hannelore Kohls zeigte sich auch das ZNS-Kuratorium. Das Kuratorium für Unfallverletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems (ZNS) habe mit ihr eine "Leiterin und Lenkerin" verloren, erklärte Vorstandsmitglied Klaus Mayer. Hannelore Kohl habe es in den vergangenen Wochen sehr bedrückt, dass sie durch ihre Krankheit ihren öffentlichen Repräsentationsaufgaben für das Kuratorium nicht mehr nachkommen konnte. "Ansonsten hat Hannelore Kohl jedoch weiterhin alles für die Stiftung getan."

Noch vor 14 Tagen habe Hannelore Kohl eine Vorstandssitzung geleitet, "natürlich in abgedunkelten Räumen". Sie hatte das ZNS-Kuratorium im Jahr 1983 gegründet. Zuvor war sie als Schirmherrin der Reha-Klinik Vallendar bei Koblenz mit Hirnverletzten zusammengetroffen. Mit der Gründung des Kuratoriums setzte sie sich bundesweit für eine Verbesserung der Therapiemöglichkeiten ein. Bisher hat das ZNS-Kuratorium 30,6 Mill. DM für Forschung und Selbsthilfegruppen bereitgestellt. Hannelore Kohl habe sich insbesondere 1989 für eine raschen Aufbau der neurologischer Fachkliniken im Osten Deutschlands eingesetzt, sagte Mayer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%