Zocker bewegen den Kurs
Neuer EM.TV-Chef lässt Analysten kalt

"Aufbau EM.TV AG" stand die letzten Tage in großen Lettern auf den Anzeigentafeln rund ums Messegelände München. Gemeint waren allerdings lediglich die Lieferanten und Kulissenbauer zur heutigen Hauptversammlung.

MÜNCHEN. Die Schilder haben dennoch Symbolcharakter: Der künftige Vorstandsvorsitzende Werner Klatten steht vor einer riesigen Baustelle und muss zwischen Abriss und Sanierung entscheiden. Seine Pläne für den angeschlagenen Lizenzhändler hat der Nachfolger von Unternehmensgründer Thomas Haffa allerdings noch nicht näher erläutert.

Die Analysten bleiben deshalb skeptisch, ob es sich lohnt, die Aktien des am Neuen Markt notierten Unternehmens zu kaufen. "Die müssen erst einmal beweisen, dass sie mit einem blauen Auge aus ihren Investments heraus kommen", urteilt Friedrich Schellmoser von der Hypo-Vereinsbank.

Hohe Schulden

In der Tat: Um wieder auf die Beine zu kommen, müssen die Münchener ihre Beteiligung am Muppets-Show Jim Henson Company-Produzenten abstoßen. Darüber hinaus würde auch der Verkauf der Anteile an der Tele München Gruppe für Luft sorgen. Die EM.TV & Merchandising AG ist hoch verschuldet: Den Vermarkter von Kinderfilmen drücken eine Wandelanleihe von 439,1 Mrd. ? und Bankverbindlichkeiten von 120,1 Mill. ?.

Für Schellmoser ist die EM.TV-Aktie deshalb ein Verkaufskandidat. Diese Einschätzung teilt Alexander Kachler von Merck Finck, der vor allem die unsicheren Prognosen bemängelt. Nach roten Zahlen von rund 1,3 Mrd. ? im vergangenen Jahr musste die Firma im ersten Quartal einen Verlust vor Zinsen von 44 Mill. ? hinnehmen. "Zocker", heißt es denn auch bei den meisten Analysten, würden den Kurs in diesen Tagen um zweistellige Prozentbeträge bewegen.

Neue Details erwartet

"Verkaufen" rät auch Iris Schäfer von der Landesbank Baden-Württemberg. Für sie ist die Aktie angesichts der Beteiligungs-Verkäufe zu teuer, obwohl das Papier in den vergangenen Monaten von rund 120 ? auf bis zu 2 ? gerutscht ist und gestern bei 3,80 ? notierte.

Nach dem Ausscheiden von EM.TV-Gründer Thomas Haffa am vergangenen Mittwoch erwarten sich die Aktionäre vom neuen Chef heute Details zur Strategie. Klatten wird 25,1 % der Anteile übernehmen und im Oktober auf den Vorstandssessel nachrücken. Letzte Woche hat er angekündigt, unterbewertete Unternehmen am Neuen Markt übernehmen zu wollen.

Partnerschaft überlegenswert

Vor allem die Aktie der RTV AG war daraufhin geklettert. Der Vermarkter und Produzent von Kinderfilmen ist selbst hoch verschuldet. Mehrheitseigner Ravensburger ist Gesprächen deshalb offenbar nicht abgeneigt. "Wir sind seit langem der Auffassung, dass eine Konsolidierung im Kinder-TV-Markt sinnvoll ist und für RTV ein Partnerschaft durchaus überlegenswert ist", sagte gestern ein Sprecher.

"Es ist noch ein langer Weg zu neuen Investments", bezweifelt Hypo-Vereinsbank-Analyst Schellmoser indessen, dass EM.TV in Kürze schon wieder auf Einkaufstour gehen kann.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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