Zocker nutzen niedrige Umsätze
An Feiertagen ist der Neue Markt für Kursmanipulationen besonders anfällig

Weil an den Feiertagen besonders am Wachstumssegment deutlich weniger Käufer zu Gange sind, können die Kurse bei sehr niedrigen Stückzahlen beinahe ins Bodenlose fallen. Kommentar: Rationaler Handel

HB FRANKFURT. Wer an Fronleichnam eine Verkaufsorder für seine Aktien platziert und ins verlängerte Wochenende fährt, könnte womöglich sein blaues Wunder erleben. Seit die Deutsche Börse im vergangenen Jahr den Feiertagshandel einführte, bieten Fronleichnam, Pfingsten und Vatertag Zockern eine gute Gelegenheit, mit kleinen Einsätzen große Kursbewegungen auszulösen. Da an diesen Tagen deutlich weniger Anleger am Markt sind, kann eine einzige Verkaufsorder zu einer extremen Übertreibung nach unten führen: Der Kurs fällt ins Bodenlose, bis sich doch noch jemand zum Kauf erbarmt.

Bisweilen wird dies von gewieften Zockern am Neuen Markt zudem genutzt, um Aktien unter die so genannten Stop-Losses zu drücken. Dabei handelt es sich um Kursmarken, die Privatanleger setzen, um etwaige Kursverluste automatisch einzugrenzen. Werden diese Marken unterschritten, können die dadurch ausgelösten Verkäufe die Kurse auf ein Niveau drücken, das den Einstieg für manch einen wieder attraktiv erscheinen lässt.

So versuchte ein Anleger am Pfingstmontag offenbar, den Kurs des Pleitekandidaten Metabox durch den verkauf einer einzelnen Aktie bis auf 0,52 Euro zu drücken. Metabox-Chef Stefan Domeyer konnte dies verhindern - durch einen Stützkauf von gerade einmal 100 Papieren - der Kurs stieg daraufhin. Mangels Nachfrage würden von den Betreuerbanken der Titel am Neuen Markt Preisspannen gestellt, "die so breit sind, dass ein Lastwagen durchpasst", sagt Stephan Ignatzy, Sales-Trader bei der Commerzbank. Er rät Privatanlegern deshalb grundsätzlich dazu, an Feiertagen die Finger von Verkaufsaufträgen zu lassen. Ein Vertreter einer US-Investmentbank mit Sitz in London empfiehlt, auf jeden Fall mit Limits zu agieren.

Börse sieht Preisqualität nicht beeinträchtigt

Wer sich mit den um die Tour mit dem Bollerwagen oder den Familienausflug geprellten Aktienhändlern unterhält, dem schlägt die mit Frust gepaarte Langeweile entgegen. "Das sind doch alles Zufallskurse", stöhnt es vom Parkett. "Bei derart geringen Umsätzen lohnt es sich doch eigentlich gar nicht, die Kantine aufzumachen", sagt ein auf den Neuen Markt spezialisierter Händler einer Frankfurter Großbank. Die Deutsche Börse AG, die den Feiertagshandel eisern gegen die Kritik verteidigt, wehrt sich gegen die Behauptung, dass an diesen Tagen nur Zufallskurse zustandekämen. Ein Börsensprecher mutmaßt, dass diese Klagen nur von den Parketthändler kommen können, die auch an anderen Tagen deutlich weniger zu tun hätten, als die Kollegen, die auf dem Computerhandelssystem Xetra handelten.

"Das Aktienhandelsvolumen an den Deutschen Börsen ist in etwa halb so groß wie an den normalen Tagen", betont er. Als Ende Mai die angelsächsischen Banken geschlossen blieben und nur die Anleger hier zu Lande aktiv waren, bewegte sich die Umsatzeinbuße in der gleichen Größenordnung. Auch der Leiter der Handelsüberwachungsstelle der Frankfurter Wertpapierbörse, Michael Zollweg, hält es für falsch, von dem geringen Handelsvolumen auf eine geringere Preisqualität zu schließen. "An vielen Börsen liegt das Handelsvolumen selbst an Rekordtagen weit unter dem Frankfurter Niveau an den zusätzlichen Handelstagen", sagt er.

Was für die Standardwerte gelten mag, ist am Neuen Markt jedoch nicht der Fall. Hier lagen die Handelsumsätze an Christi Himmelfahrt und am Pfingstmontag um ein Vielfaches unter dem Jahresdurchschnitt. Das dürfte auch an der Zurückhaltung eines Teils der Privatanleger liegen: "Wir haben an den Feiertagen fast 50 % weniger Geschäft als sonst", sagt eine Sprecherin der Direktbank Comdirect und auch bei Consors herrschte an diesen Tagen Flaute. Der Grund hierfür ist allerdings kaum in der Vorsicht der Online-Trader zu suchen, als vielmehr darin, dass manch einer von seinem Arbeitsplatz aus die schnelle Mark am Aktienmarkt sucht. Bei Comdirect jedenfalls gehen die meisten Order üblicherweise zwischen 9 und 11 Uhr morgens ein, wenn auch die Arbeitnehmer ihren Computer eingeschaltet haben.

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