Zorc: „Leben in der Mannschaft“: Dicke Luft im BVB-Kader

Zorc: „Leben in der Mannschaft“
Dicke Luft im BVB-Kader

Ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase herrscht im Kader von Borussia Dortmund dicke Luft. Vor dem Champions-League-Duell mit Real Madrid am Dienstag (20.45 Uhr/live bei Premiere) entluden sich die seit Wochen aufgebauten Spannungen. Auf die Handgreiflichkeiten zwischen den Mannschaftskollegen Jens Lehmann und Marcio Amoroso beim Revierderby gegen den FC Schalke 04 reagierte die Vereinsführung umgehend mit disziplinarischen Maßnahmen.

HB/dpa DORTMUND. Von einer bedenklichen Stimmung wollte Sportmanager Michael Zorc jedoch nichts wissen: "Diesen Vorfall sollte man nicht nur negativ interpretieren. Ich bin froh, dass Leben in der Mannschaft ist."

Noch ist die Aufregung über das 2:2 in Gelsenkirchen nicht verraucht, schon müssen sich die BVB-Profis erneut einer kniffligen sportlichen Aufgabe stellen. Geht auch das zweite Spiel gegen Real binnen einer Woche verloren, dürfte der Traum vom Viertelfinale bei dann vier Punkten Rückstand auf das spanische Starensemble ausgeträumt sein. Obwohl sich Torhüter Lehmann bei der Mannschaft für seinen überflüssigen Platzverweis "auf" Schalke mittlerweile entschuldigt und eine Geldstrafe von geschätzten 10 000 ? akzeptiert hat, wollte Stefan Reuter angesichts der nahen Reifeprüfung gegen Madrid nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. "Zwischen Jens und Marcio muss es eine Aussprache geben, damit die Angelegenheit schnell vom Tisch ist", forderte der Kapitän.

Neben Reuter nahm sich auch Matthias Sammer die Streithähne zur Brust. Dabei bekam nicht nur Nationalkeeper Lehmann den Unmut des Trainers zu spüren. Denn die jüngste Schadensbilanz von "Mittäter" Amoroso, der in den vorigen Spielen in Berlin, Stuttgart, Madrid und Schalke nur durch folgenschwere Ballverluste und fehlende Disziplin in Erscheinung trat, gibt zu denken. Gleichwohl will sich Sammer nicht in die wachsende Schar der Amoroso-Kritiker einreihen: "Es ist mein Ziel, ihn hinzubekommen und nicht, ihn zu opfern. Das wäre zu einfach."

Ähnlich sieht Sammer den Fall Lehmann. Er attestierte dem Keeper nach dessen vierten Platzverweis zwar ein "ärgerliches Fehlverhalten", sprach ihn aber von "egoistischen Motiven" frei. Vielmehr habe Lehmann nur den Erfolg der Mannschaft im Sinn gehabt. Von weitergehenden disziplinarischen Maßnahmen hält der Trainer deshalb wenig: "Ich will eine Erziehung ohne Geld und Schläge. Das halte ich auch bei meinen Kindern so." Ein Sieg gegen Madrid könnte die Vorkommnisse vergessen machen und letzte Kräfte auch für das Bundesliga-Finale mobilisieren. "Wir haben die große Chance, ein Ausrufezeichen zu setzen", meinte Manager Michael Meier.

Nicht minder groß sind die Spannungen beim Tabellenzweiten der Primera Division. Im Team von Trainer Vicente Del Bosque breitet Ronaldo ähnliche Probleme wie Amoroso in Dortmund. Selbst von den Real-Fans wird der "Weltfußballer des Jahres 2002" inzwischen ausgepfiffen. "Alle Spieler setzen sich für die Mannschaft ein - nur einer nicht, und das ist Ronaldo", kritisierte Del Bosque vor gut einer Woche.

Doch anders als Amoroso traf Ronaldo zuletzt ins Tor - und ersparte sich damit das Reservisten-Dasein von Stürmer-Kollege Fernando Morientes. Der seit Wochen auf die Bank verbannte Stürmer ließ seinem Unmut während des 2:1-Siegs von Real über Dortmund freien Lauf. Als er vier Minuten vor dem Ende der Partie eingewechselt werden sollte, weigerte er sich und beschimpfte seinen Coach. Den 3:1-Erfolg seiner Mannschaft über Real Valladolid durfte er sich deshalb nur von der Tribüne aus anschauen. Und musste dabei mit ansehen, wie sein Vertreter Javier Portillo bei einem Kurzeinsatz als Torschütze gefeiert wurde.

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