Zu Beginn der Handelswoche
Deutsche Aktien von MSCI-Änderungen unbeeindruckt

Reuters FRANKFURT. Mehrere deutsche Aktienschwergewichte mit einem hohen Festbesitzanteil haben sich am Montag unbeeindruckt von der bevorstehenden geringeren Gewichtung in den vielbeachteten Aktienindizes von MSCI gezeigt. Die Aktien von Allianz, Münchner Rück, Infineon und Deutsche Telekom profitierten entgegen den tendenziellen Erwartungen von Analysten vom positiven Markttrend der Börsen in Europa. Händler begründeten die positiven Kursreaktionen damit, dass die Unternehmen in den globalen MSCI-Aktienindizes erst Ende kommenden Jahres ein geringeres Gewicht bekämen. "Dies ist noch lange hin", hieß es. Auch an den asiatischen Börsen reagierten Investoren kaum auf die angekündigten Umstellungen.

Die Investmentbank Morgan Stanley Capital International (MSCI) folgt mit der Index- Umstellung dem Vorbild anderer Index-Anbieter wie Stoxx oder der Deutsche Börse.

Generell orientieren sich vor allem Fondsmanager an den Gewichtungen in renommierten Aktienindizes und lösen damit oftmals deutliche Kursreaktionen aus. Denn Anleger trennen sich gewöhnlich im Hinblick auf geringere Gewichtungen von den Papieren und verteilen ihre Finanzmittel auf andere, schwerer gewichtete, Titel, um so das eigene Depot den Aktienindizes nachzubilden.

Wenig Aktien frei handelbar

Am deutschen Aktienmarkt stiegen am Montag bei einem Zuwachs des Deutschen Aktienindex (Dax) von 1,2 % die Titel der Deutschen Telekom um 3,7 %, Infineon um 1,4 %, Allianz um 1,7 % und Münchner Rück um 2,5 %. Bei diesen Unternehmen ist ein hoher Anteil des Aktienkapitals auf Grund von Überkreuzbeteiligungen und/oder staatlichem Anteilsbesitz in festen Händen, so dass vergleichsweise wenig Aktien im Streubesitz und damit frei handelbar sind.

Die MSCI hatte am Sonntag angekündigt, die Gewichtung der Unternehmensaktien künftig anhand der frei am Markt handelbaren Aktienmenge festzulegen. Mit dieser neuen Berechnungsgrundlage für die Aktienindizes folgt MSCI weitgehend den Vorhaben anderer Index-Anbieter. Auch die Deutsche Börse AG will ihre Indizes vom Juni 2002 nur noch auf der Basis des Streubesitzes berechnen. Beim Index-Anbieter Stoxx Ltd. erfolgt die Gewichtung der Aktien seit September auf Streubesitzbasis, was am deutschen Aktienmarkt zum Teil zu deutlichen Kursabschlägen geführt hatte. Damit soll den Interessen der Marktteilnehmer an einer möglichst hohen Liquidität Rechnung getragen werden.

Änderung der Indizes beginnt Ende November 2001

MSCI will mit der Änderung der Indizes Ende November 2001 beginnen und sie bis Ende Mai 2002 beendet haben. Neben dem Streubesitz sollen die Indizes künftig zudem 85 % der Marktkapitalisierung der Branchen eines Landes abbilden. Gegenwärtig liegt die Quote bei 60 %. Durch beide Maßnahmen wird es zu veränderten Gewichtungen für einzele Aktientitel und zu Neuaufnahmen in die Indizes kommen.

Durch die Umstellung werden nach Angaben von Experten vor allem Aktien von Unternehmen aus den USA und Großbritannien profitieren, während Titel aus Japan, Deutschland und Frankreich als Verlierer gesehen wurden. Es wurde zuletzt damit gerechnet, Investoren wegen der MSCI-Änderungen Aktien im Volumen von etwa 200 Mrd. $ umschichten werden. Die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney erwartet, dass die anstehenden Veränderungen das Gewicht der US-Aktien im MSCI World Index auf 55,68 % von derzeit 51,2 % und das von Firmen aus Großbritannien auf 10,4 % von bislang 9,68 % steigen lassen wird. Für Japan wird indes eine Verringerung der Gewichtung auf 9,6 (bislang 11,5) Prozent, für Frankreich auf 4,1 (5,0) Prozent und für Deutschland auf 3,0 (3,9) Prozent erwartet. MSCI veröffentlicht eine Reihe von Aktienindizes, darunter weltweite Branchenindizes und Länderindizes.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%