Zu dem Ölpreisanstieg haben auch die jüngsten Daten über die Lagerbestände der Ölindustrie in den USA geführt.
IWF: Ölpreis verdunkelt Konjunktur-Aussichten

Der Ölpreis lag am Mittwoch in Asien mit 37,08 $ pro Barrel nur knapp unter dem Spitzenwert während des Golfkrieges.

Reuters PRAG. Der Anstieg des Rohölpreises lässt die Aussichten für die Weltwirtschaft nach den Worten des IWF-Chefs Horst Köhler weniger günstig erscheinen. Allerdings gebe es keinen Grund, die Situation zu dramatisieren, sagte Köhler anlässlich der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank am Mittwoch in Prag. Insgesamt werde die Wirtschaft auf einem Wachstumspfad bleiben. Der Ölpreis lag am Mittwoch in Asien mit 37,08 $ pro Barrel nur knapp unter dem Spitzenwert während des Golfkrieges vor zehn Jahren. Der Präsident der Organisation Erdöl produzierender Länder (OPEC), Ali Rodriguez, schloss sogar 40 $ nicht aus.

Für das hohe Preisniveau sehen Experten vielfältige Ursachen. Rodriguez, der auch Ölminister Venezuelas ist, geht davon aus, dass der Preis durch Spekulationen um acht Dollar über dem Angebots- und Nachfragepreis liege. Die gegenwärtig Preisentwicklung sei von der OPEC nicht zu kontrollieren. Die Organisation hatte kürzlich die Förderung um 800 000 Barrel pro Tag erhöht (1 Barrel = 159 Liter). Aus OPEC-Sicht hat sie damit ihren Teil zur Preisstabilisierung getan. Neben den Spekulationen sieht die OPEC Engpässe in den US-Raffinerien und die Steuerpolitk der Industrieländer als Ursachen für das hohe Preisniveau.

Auch US-Präsident Bill Clinton sagte, der Preisanstieg sei durch Spekulationen stimuliert worden. Sie rankten sich um die Fragen, ob der Irak seine Förderung einstelle, wie groß die Kapazitäten der US-Raffinerien seien und wie viel Öl derzeit in Tankern auf den Weltmeeren unterwegs sei. Er werde die Entwicklung in den nächsten Tagen beobachten, bevor er über eine Freigabe der strategischen Ölreserve zur Senkung der Preise entscheide. Die Reserve umfasst 571 Mill. Barrel Öl und wurde bislang nur einmal angegriffen, und zwar während der Golfkrise 1990 bis 1991.

Jüngste Daten über Lagerbestände in den USA führten zu Ölpreisanstieg

Zu dem Ölpreisanstieg haben auch die jüngsten Daten über die Lagerbestände der Ölindustrie in den USA geführt. Sie zeigen für die Woche bis zum 15. September einen Rückgang um zwei Mill. Barrel auf 287 Mill. - das sind mehr als 22 Mill. Barrel weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Auch die Bestände an Öldestillaten wie Heizöl liegen den Angaben zufolge um 28 Mill. Barrel unter dem Vorjahresniveau.

Nicht zuletzt haben die Beschuldigungen Iraks an die Adresse Kuwaits den Ölpreis unter Druck gesetzt. Der Irak warf Kuwait vor, Öl von seinen Fördergebieten zu stehlen, und drohte mit Gegenmaßnahmen. Eine solche Anschuldigung war 1990 der irakischen Aggression gegen Kuwait vorangegangen. Die USA warnten die Regierung in Bagdad daher umgehend, sie würden jegliche feindliche Akte gegen Kuwait mit Gewalt ahnden.

OPEC-Chef Rodriguez sagte, wenn der Rohölpreis die 40-Dollar-Marke erreiche, sehe er die Notwendigkeit für ein dringendes Eingreifen der OPEC, die 60 % aller Ölexporte kontrolliert. Sie hat für den 12. November ein Sondertreffen geplant, um die Marktlage zu analysieren. Mehrere OPEC - Repräsentanten schlossen jedoch nicht aus, dass die Förderung schon vorher erhöht wird, falls der Höhenflug des Ölpreises anhält. Dafür brauche die OPEC kein Treffen, sagte ihr Generalsekretär Rilwanu Lukman am Dienstag.

Die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) prognostziert für die Weltwirtschaft ebenso wie IWF und Weltbank ein Wachstum trotz der hohen Ölpreise. Diese würden aber für die Entwicklungsländer eine außerordentliche Belastung, sagte UNCTAD-Generalsekretär Rubens Ricupero am Dienstag in Genf. Er sehe in der Ölpreisentwicklung aber auch das Ende der Ära der billigen Energie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%