"Zu früh und zu viel über digitales Fernsehen geredet"
Fehlstart: Digital-TV ohne Zuschauer

Als echter Fehlstart hat sich die Weltpremiere für das digitale TV-Format MHP ("Multimedia Home Platform") in Finnland erwiesen. Zwölf Kanäle strahlen seit Anfang der Woche digitale Programme aus und haben mit diesem weltweit bisher einzigartigen Angebot vor allem ein Problem: Es gibt keine Zuschauer.

dpa HELSINKI. Nirgends im sonst so technisch so hervorragend gerüsteten "Nokialand" werden digitale TV-Geräte oder wenigstens Digitalboxen zur Anpassung herkömmlicher Fernseher zum Verkauf angeboten.

Ganze tausend dieser Boxen waren in Helsinki kurz vor dem Digitalstart am Montag leihweise zu haben. Dabei wurde die finnische Premiere auch international mit großer Spannung erwartet, weil hier zum ersten Mal das MHP-System auf den Markt kommt, das möglicher TV-Digitalstandard der Zukunft werden könnte. Es basiert auf DVD-Technik, ist aber von für den Weltmarkt zentralen Ländern wie den USA und Japan bisher nicht als Standard anerkannt. Vor allem aus diesem Grund halten sich die führenden TV-Hersteller gegenüber den finnischen Frühstartern so betont zurück.

"Zu früh und zu viel über digitales Fernsehen geredet"

Was neugierige Finnen aber beim Start erlebten, eignete sich wenig als Werbung für eine angeblich strahlende Digital-Zukunft. Die Zeitung "Helsingin Sanomat" schickte Testkäufer in große Fachgeschäfte der Hauptstadt Helsinki, denen Verkäufer überwiegend falsche Auskünfte über die angeblich schon empfangsfähige TV-Geräte für digitale Programme gaben. Dabei wollen finnische Hersteller als erste überhaupt im kommenden Frühjahr passende Modelle auf den Markt bringen. Der japanische Sony-Konzern hat den Verkaufsbeginn für den Sommer angekündigt und Konkurrent Panasonic noch später. Bei Sony wird mit einem Preis von mindestens 3 300 ? gerechnet.

TV-Verkaufschef Jukka Fläder in Helsinkis größtem Kaufhaus Stockman meinte in "Helsingin Sanomat", es sei "zu früh und zu viel über digitales Fernsehen geredet worden." Die Kunden hätten schon seit einem Jahr gefragt, aber man werde halt erst später liefern können. Der Medienforscher Pertti Näränen von der Universität Tampere hält auch das für 2006 in Aussicht gestellte Ende aller herkömmlichen analogen TV-Kanäle für unrealistisch. "Das ist viel zu früh. Trotzdem ist es richtig, dass nationale Sender jetzt schon einsteigen, ehe die internationalen Satellitensender den ganzen Markt in Finnland an sich gerissen haben."

Am digitalen Start beteiligt sind unter anderem die öffentlich- rechtlichen Sender TV1-D und TV 2-D, hinter denen YLE als früherer TV-Monopolist steht. Bei den Privatsendern ist wesentlich mehr Zurückhaltung zu spüren. Die insgesamt zwölf Anbieter haben in der ersten Woche einhellig als "bescheiden" eingestufte Programme ausgestrahlt. "Konsequent, weil es keine Zuschauer gibt", lautet der in allen Medienberichten vorherrschende Tenor.

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