Zu geringe Summen
Kein Aktienboom durch Riester-Rente

Die Aktienbesitzer in Deutschland werden nach Einschätzung von Analysten von der Rentenreform nicht spürbar profitieren.

rtr FRANKFURT. Die Summen, die im Zuge der Reform in den Aktienmarkt geleitet werden, seien zu gering, um den Kursen wirklich Aufschwung zu verleihen, erklärten Analysten mehrere Banken. Gegen einen starken Einfluss auf die Aktienmärkte spreche zudem das Argument, dass nur ein Teil des Geldes gesondert aufgrund der Reform fließe, ein größerer Teil wäre auch ohne die Reform in die Märkte gekommen. Zudem werde wegen verstärkter Neuemissionen auch das Angebot an Aktien weiter zunehmen, so dass eine eventuell steigende Nachfrage nicht zwangsläufig die Kurse steigen lasse.

Mit der "Riesterrente" können sich Erwerbstätige ab Januar 2002 mit Hilfe staatlicher Zulagen und Steuererleichterungen einen Vorsorgebetrag ansparen, der im Alter zu einer zusätzlichen privaten Rente führt. Zur bestehenden umlagefinanzierten Rente, bei der die jeweilige Generation der Alten vom Einkommen der jüngeren Erwerbstätigen finanziert wird, kommt also eine freiwillige kapitalgedeckte Altersvorsorge hinzu. Laut einer Studie der Bankgesellschaft Berlin werden aufgrund der Reform der Altersvorsorge ab 2002 jährlich elf Mrd. ? in den Aktienmarkt strömen. Bezogen auf die derzeitige gesamte Marktkapitalisierung am deutschen Aktienmarkt entspreche dies rund einem Prozent. Dieses Volumen sei zu gering, um sich spürbar in den Aktienkursen niederzuschlagen. Peter König von der Investmentbank Morgan Stanley weist auf eine weitere Tatsache hin, die gegen einen übermäßigen Einfluss der Reform auf die Aktienmärkte spreche. Ein Großteil dessen, was unter dem Siegel der Riester-Rente in die Märkte fließen werde, wäre künftig auch ohne die Reform angelegt worden. äWir erwarten, dass im kommenden Jahr circa 40 Mrd. ? als Riester-Förderung investiert werden. Davon fließen aber nur gut zehn Mrd. ? wirklich aufgrund der neuen Regelungen", sagt König.

Fondspolicen umdefinieren

Stefan Mitropoulos, Aktienstratege bei der Bankgesellschaft Berlin, erwartet, dass nur die Hälfte dessen, was künftig unter dem Riester-Siegel angespart werde, wirklich aufgrund der neuen Gesetzgebung in den Markt fließe. "Viele Anleger werden ja auch ihre bestehenden Lebensversicherungen oder Fondspolicen umdefinieren, um in den Genuss der Förderung zu kommen", sagt Mitropoulos. Er rechnet zudem für Deutschland mit einem steigenden Angebot an Aktien in den kommenden Jahren, weil im internationalen Vergleich der Anteil der Aktiengesellschaften an der Gesamtzahl aller Unternehmen noch gering sei. Die Dresdner Bank sieht laut einer Studie durch die zusätzlichen Riester-Mrd. immerhin eine Trendumkehr bei der deutschen Sparquote: Diese sei von 1991 bis jetzt auf zehn von 13 % gefallen, werde künftig aber konstant bleiben.

Bei der Frage, welche primäre Anlageform von der Rentenreform am meisten profitieren werde, herrscht bei den Fachleuten Einigkeit. Gewinner würden die Versicherungen sein. Hierbei verstärke die Reform aber nur eine Entwicklung der vergangenen Jahre: mehr Versicherungen, mehr Investmentzertifikate, mehr Aktien, aber weniger Spareinlagen. So geht die Dresdner Bank in ihrer Studie davon aus, dass das gesamte private Geldvermögen in Deutschland vom Jahr 2000 bis 2010 um 75 % auf 6,4 Billionen Euro gewachsen sein wird. Dabei wird sich die Anlage bei Versicherungen auf 1,8 Billionen Euro mehr als verdoppeln und dann 28 % des privaten Geldvermögens ausmachen.

Die stärksten Wachstumsraten werden der Studie zufolge aber die Investmentzertifikate haben, ihr Anteil am Geldvermögen werde dementsprechend auf 20 % (1,3 Billionen Euro) von elf Prozent (417 Mrd. ?) auf 20 % steigen. Das zweitstärkste Wachstum werde die reine Aktienanlage aufweisen, ihr Anteil wachse von 2000 bis 2010 auf 16 % (1,03 Billionen Euro) von elf Prozent (417 Mrd. ?). Der Anteil der Bankeinlagen sinke auf 22 % von 34 %.

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