Zu Gesprächen in Berlin
Mubarak will Schröders Vermittlung im Nahost-Friedensprozess

Für eine stärkere Vermittlungsrolle Deutschlands im Nahost-Friedensprozess hat sich der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak in Berlin eingesetzt. Er traf am Dienstag zu eintägigen Beratungen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer zusammen, wobei es auch um die Rolle der EU bei der Bewältigung der Krise ging. Mubarak besucht anschließend Rumänien und Russland.

ap BERLIN. Schröder hatte Ägypten auf einer Nahostmission Ende Oktober besucht, dabei eine Vermittlerrolle jedoch noch abgelehnt. Mubarak sagte vor seinem Eintreffen in Deutschland in einem Interview des Nachrichtenfernsehens n-tv, sein Land würde eine stärkere Vermittlerrolle Schröders begrüßen. Deutschland solle die EU zu mehr Engagement für Stabilität in der Region drängen. An einen Krieg in Nahen Osten glaubt Mubarak trotz Verschärfung der Krise nicht. Er sagte aber: `Viel gefährlicher als Krieg ist der Terrorismus."

Unmittelbar zuvor hatte Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah mit Überraschungsangriffen palästinensischer Extremisten gedroht. Er sprach in Teheran auf einer Konferenz zur Unterstützung des palästinensischen Widerstands gegen Israel. Der israelische Botschafter in Berlin, Schimon Stein, unterstrich dagegen die Hoffnung seines Landes, dass Mubarak Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu einem Ende der Anschläge bewegen könne.

Stein sagte im Berliner `Tagesspiegel", ebenso wie Ägypten habe auch Jordanien ein besonderes Interesse an der Beilegung des Konflikts, damit die Unruhen nicht auf eigene Städte übergriffen. Eine entschiedene Absage erteilte Stein Überlegungen der EU-Präsidentschaft Schweden, gegen Israel Sanktionen wegen `übertriebener und unangemessener" Reaktionen auf palästinensische Anschläge zu verhängen. Dann könne die EU kaum eine größere Rolle im Friedensprozess spielen, sagte Stein.

Einseitigkeiten der USA befürchtet

Erst am Montag hatte der ägyptische Außenminister Amr Mussa Europa nachdrücklich zur Förderung des Friedensprozesses bei stärkerer Berücksichtigung der Interessen der Palästinenser aufgerufen. Die Reise Mubaraks findet auch vor dem Hintergrund von Befürchtungen statt, die USA könnten sich aus dem Nahen Osten zurückziehen. US-Präsident George W. Bush hatte vergangene Woche angekündigt, die Notwendigkeit der Auslandsstationierung von US-Truppen zu überprüfen. Darunter fallen demnach auch die 800 Mann an der Sinai-Grenze.

Nach den Unterredungen in Berlin fliegt Mubarak laut Programm für zwei Tage zu einem offiziellen Besuch nach Rumänien und reist anschließend nach Moskau weiter. Die Reise nach Russland hat nach Ansicht von Diplomaten auch mit Befürchtungen zu tun, die USA könnten sich einseitig zu Gunsten Israels engagieren. Washington solle vor Augen geführt werden, dass es eine konkurrierende Macht gebe. Allerdings hat Russland bisher die Sache der Araber deutlich weniger vehement vertreten als einst die Sowjetunion.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%