Zu hohe Fertigungskosten bei weniger Aufträgen
Motorola warnt überraschend vor Verlust im ersten Quartal

Der Handy- und Chiphersteller Motorola wird nach eigenen Angaben im ersten Quartal seine Gewinn- und Umsatzprognosen verfehlen und möglicherweise zum ersten Mal seit 15 Jahren sogar operative Verluste schreiben. Die Analysten an der Wall Street wurden von dieser Ankündigung überrascht.

ruk/HB PALO ALTO. Der weltweit zweitgrößte Handyhersteller, der US-Konzern Motorola Inc., überraschte Analysten und Anleger am Freitag mit einer Gewinnwarnung. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen aus Schaumburg im US-Bundesstaat Illinois starke Umsatz- und Gewinneinbrüche. Eventuell werde das Vierteljahr sogar mit einem Verlust enden, gab der Konzern bekannt.

Grund für den drohenden Quartalsverlust sei eine deutliche Abschwächung der Auftragseingänge in allen Geschäftsbereichen, hieß es weiter. Der Handy-und Chiphersteller hatte bereits im vergangenen Monat gewarnt, dass die Ergebnisse im ersten Quartal unter der Abschwächung des Telekommunikationsmarktes und des Halbleitergeschäftes leiden würden.

Der Konzern gab keine genauen Zahlen an. Analysten hatten zuletzt mit einem Gewinn von 12 Cents je Aktie bei einem Umsatz von 8,8 Mrd. $ für das erste Viertel des Geschäftsjahres gerechnet. Im ersten Quartal 2000 waren es noch - ohne Sonderposten - 59 Cents je Aktie bei 8,77 Mrd. $ Umsatz gewesen.

In einer Telefonkonferenz sah Motorolas President Robert Growney die Ursachen für die gegenwärtige Schwächeperiode ausschließlich als Problem der Konjunktur. Man habe keine Marktanteile im Handy-Geschäft verloren, hob der Manager hervor. Jetzt setzt der Konzern die Hoffnung auf neue Modelle, die Mitte des Jahres auf den Markt kommen sollen.

Der Kurs der Motorola-Aktie reagierte mit einem Verlust von mehr als 6 %; das Papier beendete die Woche bei 16,25 $. Zeitweise war der Kurs gar unter das 52-Wochen-Tief von 15,81 $ abgesackt.

In der von starker Unsicherheit bei Technologiewerten gekennzeichneten Börsenstimmung gerieten auch die Aktien der Wettbewerber unter Druck. Praktisch alle Konkurrenten von Motorola erlitten am Freitag starke Kursverluste. An den europäischen Börsen verbilligten sich Siemens um mehr als 8 % auf 121 Euro, Nokia um über 11 % auf 22,64 Euro und Alcatel um fast 8 % auf 42,50 Euro . Analysten wollten nicht ausschließen, das auch Nokia und Ericsson in den nächsten Tagen eine Gewinnwarnung veröffentlichen könnten.

Motorola hatte erst vor einigen Wochen angekündigt, eine Reihe von Fertigungsstätten schließen zu wollen. In diesem Zusammenhang sollen etwa 4 000 Mitarbeiter den Kündigungsbrief erhalten. Nun ist nach Ansicht einiger Analysten mit weiteren Schließungen und Entlassungen zu rechnen.

Neben der stark eingebrochenen US-Konjunktur, die sich auf alle Mitbewerber ähnlich auswirkt, hat Motorola auch ein hausgemachtes Problem: zu hohe Fertigungskosten. Nach Ansicht von Industriebeobachtern ist es Motorola im Vergleich zum Marktführer Nokia nicht gelungen, seine Fertigung stärker zu automatisieren. Scott Searle von SG Cowen sagt dazu, Motorola habe zu viele verschiedene Produkte im Angebot, die jedoch kaum auf gemeinsame Komponenten zurückgreifen könnten. Nach Searles Urteil neigt Motorola zum "Überdesign".

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