"Zu hohe Lohnabschlüsse"
Aufschwung kommt nur zögerlich voran

Der erhoffte Aufschwung kommt in Deutschland nach Einschätzung des Münchner ifo Instituts nur zögerlich voran und ist noch nicht stabil.

ddp DRESDEN. Sollte es zu einer weiteren signifikanten Eintrübung des Geschäftsklimas kommen, müsse sogar mit einem Stocken gerechnet werden, stellen die Konjunkturexperten in ihrer am Donnerstag in Dresden veröffentlichten Prognose 2002/2003 fest.

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Jahr nur um 0,7 Prozent zulegen und im kommenden Jahr 2,3 Prozent erreichen. Obwohl das BIP-Wachstum im Trend zunächst noch an Breite und Tiefe gewinnt, werde die konjunkturelle Dynamik im Laufe des Jahres 2003 schon wieder nachlassen. Das ifo Institut reduziert damit seine Erwartungen gegenüber dem Frühjahrsgutachten, in dem für 2002 und 2003 noch von einem Plus von 0,9 und 2,4 Prozent ausgegangen wurde. Die offizielle Prognose der Bundesregierung für dieses und das kommende Jahr liegt bei 0,75 und 2,25 Prozent.

Der konjunkturelle Tiefpunkt bei der Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist noch nicht erreicht, führen die Experten aus. Die Zahl der Arbeitslosen werde auch in den nächsten Monaten saisonbereinigt die Vier-Millionen-Marke überschreiten. Erst in den Herbstmonaten könne eine allmählich sinkende Tendenz einsetzen. Im Jahresdurchschnitt 2002 dürfte damit die Arbeitslosenzahl bei gut 4,03 Millionen liegen, 180 000 höher als 2001. 2003 werde die Durchschnittszahl 3,91 Millionen betragen. Die Arbeitslosenquote dürfte sich bundesweit auf 9,2 Prozent belaufen, nach 9,5 Prozent in diesem Jahr.

Kritik üben die Wissenschaftler an der Lohnpolitik. Sie habe in diesem Jahr den Kurs der Zurückhaltung aufgegeben. In wichtigen Tarifbereichen sei es zu Abschlüssen gekommen, die "nicht beschäftigungsförderlich" sind. Die Prognose geht davon aus, dass die Tariflöhne im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt in diesem und im kommenden Jahr um rund drei Prozent steigen. Der Preisauftrieb werde "verhalten bleiben".

Für Ostdeutschland zeichnen Bilanz und Ausblick des Instituts ein unbefriedigendes Bild. Das Wirtschaftswachstum sei im Osten zum letzten Mal 1997 höher als im Westen gewesen. Die durchschnittlichen Veränderungsraten der realen Bruttowertschöpfung stieg in Ostdeutschland von 1997 bis 2001 lediglich um 1,4 Prozent gegenüber 2,4 Prozent im Westen. Ohne das Baugewerbe gerechnet stieg dagegen die reale Bruttowertschöpfung im Osten mit durchschnittlich 3,0 Prozent jährlich deutlich schneller als in den alten Ländern mit 2,5 Prozent. Das reale BIP in den neuen Bundesländern dürfte laut Prognose des ifo Instituts im laufenden Jahr mit 0,3 Prozent und 2,1 Prozent im kommenden Jahr erneut langsamer als in Westdeutschland (einschließlich Berlin) steigen. Hier gehen die Experten von einem Plus von 0,7 beziehungsweise 2,3 Prozent aus.

Die Lage auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt verschlechtert sich im Jahresverlauf nochmals. Die Erwerbstätigkeit erreicht laut Institutsberechnungen das niedrigste Niveau seit der Wiedervereinigung, die Arbeitslosigkeit den höchsten Wert. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen dürfte im Jahresdurchschnitt mit 1,28 Millionen um reichlich 20 000 höher sein als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland werde sich im laufenden Jahr auf 17,4 Prozent belaufen, im kommenden Jahr nur leicht auf 17,1 Prozent sinken.

Das effektive Entgelt je Arbeitnehmer lag in Ostdeutschland Ende 2001 noch 22 Prozent unter dem westdeutschen Niveau. Die Arbeitsproduktivität erreicht knapp 71 Prozent der Werte im Westen. Damit liegen die realen Lohnstückkosten im Osten noch um zehn Prozent höher als im Westen.

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