Zu kaum einem Zeitpunkt sind die Umsätze an den Aktienmärkten so gering wie vor den Festtagen
Stille Nacht am Ende des Börsenjahrs

Jedes Jahr aufs Neue werden institutionelle Anleger dafür verantwortlich gemacht, dass die Handelstätigkeit im Dezember zurückgeht. Deren Bücher seien bereits geschlossen, heißt es. Fonds und Vermögensverwalter verweisen hingegen auf die dünne Nachrichtenlage - und betonen ihre Handlungsfähigkeit.

FRANKFURT/M. Wenn der Börsenhandel in den kommenden Tagen wieder mal flau verläuft, haben die Marktbeobachter und Kommentatoren stets eine Begründung dafür parat: "Die institutionellen Anleger haben bereits ihr Bücher geschlossen." Nun schreiben Fonds- und Vermögensverwalter ihr Orders schon längst nicht mehr in Bücher. Dennoch erfährt auch im Zeitalter des Computers der Spruch Jahr für Jahr eine Renaissance - spätestens ab Mitte Dezember.

Alles Unsinn, meinen dagegen die Betroffenen. "Es gibt bestenfalls noch ein psychologisches Schließen der Bücher, da viele Fondsmanager das Börsenjahr bereits abgehakt haben", sagt Oliver Brockhagen vom Bankhaus Metzler. Bilanzielle Abschlussarbeiten, die zur Zurückhaltung im Handel führen, gibt es hingegen kaum noch. Vielmehr rührt die allgemeine Zurückhaltung eher aus einer vorweihnachtlichen Ruhe, wie Fondsgesellschaften bestätigen. "Der Nachrichten-Fluss aus den Unternehmen ist sehr gering" sagt Thomas Kalich von Frankfurt-Trust. Deswegen agieren die Fondsmanager auch nur dort, wo sie Handlungsbedarf sehen oder bei weltpolitischen Ausnahmesituationen - das kann beispielsweise eine Verschärfung des Irak-Konflikts sein. An "normalen" Handelstagen werden bei Frankfurt-Trust etwa 100 Orders mit einem Volumen von circa 100 Mill. Euro ausgeführt. Um die Weihnachtszeit und vor dem Jahresende schrumpfen diese auf etwa ein Fünftel zusammen.

Etwa 40 % geringer als gewöhnlich schätzt Heidi Rauen von der Fondsgesellschaft Invesco das Ordervolumen in den Tagen vor dem Weihnachtsfest. "Wer sein Geld bis dahin nicht verdient hat, der wird es auch in den restlichen Tagen des Jahres nicht verdienen", sagt Rauen. Bestenfalls "window dressing", mit dem die Bilanz eines schlechten Börsenjahres noch etwas aufgepeppt werden könnte, werde hier und da betrieben. Gewöhnlich gilt der Dezember an den Börsen weltweit als einer der umsatzschwächsten Monate (siehe Grafik). Erschwerend hinzu kommt, dass in diesem Jahren die Umsätze wegen der allgemeinen Börsenschwäche sowohl in New York als auch an den deutschen Börsen gegenüber 2001 zurück gegangen sind.

Eines steht indes fest: Eine Jahresendrally dürfte es nicht mehr geben. "Wenn die Ängste vor einem Irak-Krieg nicht erneut aufgeflammt und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland klar wären, hätte vielleicht eine Chance dazu bestanden", glaubt Heiko Bienek von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha. Die Realität schaut indes anders aus. "Die Versicherungen haben bereits in den letzten Wochen ihren Aktienanteil runtergefahren und ihre Operationen weitgehend abgeschlossen", sagt Bienek. Zum anderen wurde viele Fonds aufgelöst oder zusammengelegt. Auch das dürfte nach Bieneks Ansicht inzwischen abgeschlossen sein.

Bestenfalls eine Randnotiz ist, dass die Deutsche Börse am 23. Dezember Epcos im Deutschen Aktienindex (Dax) ersetzt. Gewöhnlich finden die Spekulationen im Vorfeld der Entscheidung statt. Die Zurückhaltung könnte sich noch vergrößern, da die Weihnachtsfeiertage in diesem Jahr sehr "arbeitnehmerfreundlich" ausfallen. Das heißt, sie liegen mitten in der Woche und mit nur wenigen Urlaubstagen lassen sich zwei volle Wochen Urlaub daraus erzielen. Das nützen nicht nur Fondsmanager mit Familie aus.

Die Fondsgesellschaften sind zwar auch in diesen Tagen durchweg handlungsfähig, bei vielen wurde jedoch gelost, wer die Stellung halten muss. Allerdings finden sich in der Vergangenheit auch Beispiele, die beweisen, dass an den Tagen zwischen den Jahren bei Einzelwerten erstaunlich hohe Umsätze möglich sind. Die Allianz - und auch die BASF-Aktie gehörten Ende 2001 dazu. "Ist beispielsweise ein Kursziel erreicht, dann muss der Fondsmanager handeln", sagt Susan Levermann von der Fondsgesellschaft DWS.

Ein Großereignis steht den Institutionellen allerdings noch ins Haus. Am kommenden Freitag (20.12.) ist wieder einmal "Hexensabbat", also Verfallstermin für Aktienoptionen, Indexoptionen und Indexfutures. Hier werden noch einmal starke Kursausschläge erwartet, da viele Marktteilnehmer im Vorfeld versuchen werden, die Kurse in die eine oder andere Richtung zu treiben, um somit aus ihren "Wetten" möglichst viel heraus zu holen. Das dürfte aber auch der einzige Grund sein, weshalb in der kommenden Woche noch einmal Bewegung in die Kurse kommt, glauben die Institutionellen.

Wann es nach all den Feiertagen wieder zu höheren Handelsumsätzen an den Aktienmärkten kommen könnte, darüber sind sich die Gesellschaften noch uneins. Die Rede ist vom 6. oder erst vom 13. Januar. Am 6. Januar sind die Feiertage vorüber, aber erst am 13. sind die Weihnachtsferien in Hessen vorbei.

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