Zu Kujats Abschied „Krieg der Sterne“
Wechsel des obersten Soldaten steht bevor

Es passt zu ihm, dass er sich gerade diese Musik zum Abschied gewünscht hat. Und es würde nicht zu ihm passen, wenn dies keine Bedeutung haben sollte. Denn einfach nur so macht der scheidende Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, nichts.

dpa BERLIN. So besorgte sich das Stabsmusikkorps für die Serenade am Donnerstagabend auf dem Paradeplatz im Berliner Verteidigungsministerium die Noten von "Star wars – Krieg der Sterne". Mit Pauken und Trompeten soll der 60-Jährige, der der Bundeswehr 43 Jahre diente, verabschiedet werden. Am 3. Juli übernimmt er in Brüssel den Vorsitz des höchsten militärischen Gremiums der NATO, des Militärausschusses.

Sein Nachfolger ist der bisherige Leiter des Planungsstabs im Ministerium, der 55-jährige Wolfgang Schneiderhan. Schon auf diesem Posten hatte er Kujat beerbt. Aller Voraussicht nach steht diese Personalentscheidung von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) für Kontinuität in der Bundeswehr, auch wenn die beiden Generäle höchst verschieden sind. In einem ähneln sie sich aber sehr: Sie haben einen großen Humor, der in der Welt der Soldaten und dann noch auf dem höchsten Rang eher selten erscheint.

Kujat hatte während seiner Amtszeit viel mit Krieg zu tun. Die Bundeswehr wurde an dem Anti-Terror-Kampf nach den Anschlägen auf die USA beteiligt. Elitesoldaten des "Kommandos Spezialkräfte" (KSK) kommen gegen Taliban-Kämpfer in Afghanistan zum lebensgefährlichen Einsatz. Im Kosovo, in Mazedonien und Bosnien-Herzegowina schützen deutsche Soldaten die Friedensbemühungen der dortigen Regierung und Bevölkerung. Am Horn von Afrika stoppen Marinesoldaten Terroristen auf Seewegen.

Der Luftwaffe-General hatte vor zwei Jahren überraschend Generalinspekteur Hans-Peter von Kirchbach abgelöst, um die deutschen Streitkräfte historisch zu verändern. Die Bundeswehrreform basiert im wesentlichen auf seinen Vorstellungen. Sie soll kleiner, professioneller und die Ausrüstung moderner werden. Scharping setzte Kujat dafür auf den höchsten Militärposten. Damals galten die beiden noch als Vertraute. Doch im Laufe der Zeit wurde Kujats Kritik vor allem an der Finanzausstattung der Bundeswehr immer deutlicher. Bei der Kommandeurtagung im April zeichnete er schließlich öffentlich ein dramatisches Bild von Personallage und Ausstattung der Truppe.

Rüstungsprojekte und die Anschaffung von Panzern und Waffen bereiten Kujat Sorge. Die vielen Auslandseinsätze müssen seiner Ansicht nach reduziert werden. Insgesamt sind dafür 10 000 Soldaten gebunden. Sie gehörten im internationalen Vergleich zu den Besten. "Aber auch der beste Bogen nimmt Schaden, wenn er überspannt wird", hatte Kujat bei der Kommandeurtagung gewarnt. Nicht erst da wurde klar, wie sehr sein einst gutes Verhältnis zu Scharping gelitten hat.

Als Soldat soll er dem Minister neben der Mangelverwaltung in manchen Bundeswehrbereichen persönlich vor allem eins übel genommen haben: Die Badefotos im vorigen Sommer, während die Soldaten nach Mazedonien geschickt wurden. Da hörte selbst für Kujat der Spaß auf. Scharping hatte sich im vergangenen Sommer mit seiner Freundin beim Baden auf der Ferieninsel Mallorca abbilden lassen.

Gleich, ob Scharping über die Bundestagswahl am 22. September hinaus im Amt bleibt oder ein neuer Minister die Geschicke der Streitkräfte in die Hand nehmen wird, Schneiderhan gilt als Soldat, der Distanz hält zur politischen Führung. Das wurde ihm schon unter Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) nachgesagt. Das heißt nicht, dass er seine Ansichten und auch Kritik dem jeweiligen Minister nicht sagen würde. Von Schneiderhan ist zu erwarten, dass er sich zunächst einer besseren Fürsorge für die Soldaten verschreiben wird. Auch er weiß, dass kein Geld da ist. Aber er hat Ideen, wie Motivation trotzdem gesteigert werden kann. Stichworte für ihn sind mehr Lob und mehr Gefühl – für das Bild der Bundeswehr auch eher ungewöhnlich.

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