Zu langsam, zu ineffizient, zu teuer
Neue Zweifel am langfristigen Potenzial von UMTS

Den Telekommunikationsunternehmen, die allein in Deutschland fast 100 Mrd. DM für die UMTS-Lizenzen bezahlt haben, droht nach Einschätzung eines Technikexperten schon bald Konkurrenz durch neue Übertragungswege.

HB DÜSSELDORF. Werner Wiesbeck, Projektkoordinator der Forschungsgruppe UMTSplus, sagte Handelsblatt.com, er rechne fest damit, dass kleine Unternehmen schon bald mit "Randlösungen jenseits von UMTS" aktiv würden. Zudem räumte der Direktor des Instituts für Höchstfrequenztechnik und Elektronik an der Universität Karlsruhe via Radiofrequenzen übertragenen Datenströmen in Zukunft mehr Potenzial ein als Informationsdiensten via UMTS.

Wiesbeck, der auf längere Sicht dem Mobilfunkstandard der dritten Generation durchaus Erfolgsschancen gibt, sagte, momentan sei die Stimmung in der Branche sehr gespannt. Neuesten Prognosen zufolge könnten die Unternehmen zwar die Lizenzkosten steuermindernd verrechnen, insgesamt sei aber pro Kunde allein mit Lizenzkosten in Höhe von 7,00 DM im Monat zu rechnen. UMTS lohne nur, wenn die Dienste entsprechend teuer vermarktet werden könnten. Die Mehrheit der Verbraucher werde aber in den nächsten Jahren weiter das GSM-Netz nutzen.

Datenübermittlung via Digitalfernsehen als Alternative

Der Projektkoordinator der Forschungsgruppe UMTSplus sagte, zurzeit werde bereits an einer Alternative zu UMTS bei der mobilen Übertragung großer Datenmengen gearbeitet. Digitaler terrestrischer Rundfunk, der in Pilotprojekten bereits getestet wird, sei für einseitige Datenübertragung wie die Übermittlung von Börsendaten weitaus geeigneter als UMTS. Denn die auf den Standards DVD-T (digitales terrrestrisches Fernsehen) oder DAB (für digitale Rundfunk- und Datendienste) basierende mobile Informationsversorgung sei konkurrenzlos schnell. So ließen sich beispielsweise die Daten sämtlicher Unternehmen des Neuen Marktes in einer Zehntel Sekunde übertragen. Das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnikin Berlin habe die Verfahren bereits anhand von Kameras, die Bilder vom Verkehrsgeschehen übermitteln, getestet, die Technik sei aber "sehr anspruchsvoll".

Nach Wiesbecks Worten ist nicht die Technik, sondern die unklare Rechtslage derzeit noch das Haupthemmnis, da der Rundfunkauftrag derartige Informationsdienste noch nicht erfasse. Auch müsse vor einem Einsatz des Rundfunks als Trägermedium sicher gestellt werden, dass für die Angebote digitale Frequenzen zur Verfügung gestellt würden.



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