Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Analysten...
Biotech: Nicht ohne Nebenwirkungen

Biotechnologie-Aktien waren die Gewinner des Jahres 2000. Allerdings sind die Unternehmen am Neuen Markt wesentlich teurer als die an der Nasdaq notierten.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Analysten und Ihren gesunden Menschenverstand. Diesen Warnhinweis sollten Anleger beherzigen, die ihr Geld jetzt noch in Biotechnologie-Titel investieren wollen. "Noch ist die Spekulationsblase nicht geplatzt", bringt es Union-Fondsmanager Wassili Papas auf den Punkt. Dabei sind die am Neuen Markt notierten Biotech-Aktien im Durchschnitt auch nach den Kursverlusten noch teurer als die an der US-Technologiebörse Nasdaq gelisteten Unternehmen. Heiko Veit, Berater des Novamax-Neue-Märkte Europa-Fonds, hat der Branche deswegen auch kein großes Gewicht eingeräumt.

Biotechnologie-Aktien seien auch deswegen so teuer, weil Knappheitspreise bezahlt werden, sagt Thomas Teetz, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Wenn es in den kommenden Jahren mehr Neuemissionen gebe, würden die Kurse sinken.

In der Zwischenzeit können aber auch schlechte Unternehmensnachrichten genügen, um die Papiere der Branche unter Druck zu setzen: Sollte sich beispielsweise eines der wichtigsten Produkte der am Neuen Markt notierten Medigene, ein Herzmedikament, das sich derzeit in der zweiten von drei klinischen Testphasen befindet, als Flop erweisen, könnte diese schlechte Nachricht den ganzen Sektor belasten, sagt ein Analyst. "Man rechnet mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 30 Prozent für potenzielle Medikamente, die sich in der zweiten klinischen Testphase befinden", erklärt Meng Si, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin. Bis zur Zulassung müssen Medikamente drei klinische Testphasen durchlaufen. In der ersten Phase liege die Erfolgswahrscheinlichkeit bei nur rund zehn Prozent, sagt die Analystin. "Der gesamte Prozess - Forschung und Entwicklung bis zur Marktzulassung - dauert in der Regel acht bis zehn Jahre und verschlingt bis zu 500 Millionen US-Dollar", sagt Meng Si. Im schlimmsten Fall kann ein Produkt an der letzten Hürde scheitern.

Biotech ist zukunftsträchtig

Langfristig zeigen sich aber viele Experten optimistisch: "Wenn ich mich für zehn Jahre festlegen müsste, würde ich die Biotechnologie wählen", sagt Klaus Hagedorn, Manager des Metzler Neuer-Markt-Fonds. Die Branche zählt für Uwe Perlitz, Analyst bei Deutsche Bank Research, zu den Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts, neben der Informations- und Kommunikationstechnologie. Noch seien deutsche Biotechnologie-Firmen aber zu 80 bis 90 Prozent im Bereich Pharma und Medizintechnik tätig. Unternehmen, die Wirkstoffe produzieren, seien die Ausnahme. Allerdings sehen Analysten, wie beispielsweise Thomas Höger von der DG Bank, bereits einen Trend zur Weiterentwicklung von bisherigen Serviceanbietern für die Pharmaindustrie hin zu integrierten Wirkstoff-Firmen. Die Wirkstoffproduktion gilt als attraktiv, weil sie hoch profitabel sein kann.

Evotec und Rhein-Biotech nennt der DG-Bank-Analyst als Beispiele für Unternehmen, denen diese Weiterentwicklung gelungen ist (siehe unten). Beide konnten diesen Schritt durch die Akquisition von ausländischen Firmen gehen. Die Finanzierung wurde dabei durch den großen Börsenerfolg erleichtert, sagt Höger. Ein Unternehmen wie Evotec steht mit seinem Verfahren zum Test von Wirkstoffen am Anfang der Forschungskette. Auch Morphosys arbeitet mit seiner Antikörperbibliothek in diesem Feld, erklärt Thomas Richter, Analyst bei M.M. Warburg. Außerdem entwickelt das Unternehmen therapeutisch wirksame Antikörper. Allerdings gibt es viel internationale Konkurrenz: Cambridge Antibody Technologies sowie die US-Firmen Abgenix und Medarex. Geld verdient Morphosys unter anderem mit der Vergabe von Lizenzen und durch Forschungsaufträge. Erst im Dezember ist das Münchener Unternehmen eine Kooperation mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche eingegangen. Obwohl die Aktie schon recht hoch bewertet ist, rät die DG Bank, Morphosys zu "akkumulieren". Der Kurs war in diesem Jahr in der Spitze um gut 470 Prozent gestiegen.

Das Unternehmen GPC Biotech, das Medikamente im Bereich Onkologie, Infektionskrankheiten und Immunologie entwickelt, arbeitet mit Morphosys zusammen. Der DG Bank ist die Aktie aber mittlerweile zu teuer - "reduzieren" heißt die Empfehlung. Mit Produkteinführungen sei frühestens 2006 zu rechnen, kritisiert die Bank. Außerdem werde die Eigenkapitalquote 2003 voraussichtlich nur noch drei Prozent betragen.

Auch Fonds bieten keine 100-prozentige Sicherheit vor Verlusten

Noch zur alten Generation der Biotech-Unternehmen zählen die beiden Schwergewichte im Index Nemax Biotechnologie: das Zulieferunternehmen Qiagen und die Schweizer Holdinggesellschaft BB Biotech. Diese stellt selbst keine Produkte her, sondern investiert vor allem in profitable und aussichtsreiche Biotechnologie-Firmen. Qiagen gilt den Analysten weiterhin als unangefochtener Star der Biotech-Titel und fehlt auch bei keinem Neuer-Markt-Fonds im Portfolio. Allerdings ist die Aktie nicht preiswert. Qiagen arbeitet auch im Bereich der molekularen Diagnostik. Dabei werde versucht, auf Grundlage von Genen Krankheiten zu identifizieren, erklärt M.M. Warburg-Analyst Richter. Dazu werden auch Blutproben mit so genannten DNA- oder Biochips untersucht.

Bei der Produktion dieser Chips sei Genescan Europe gut positioniert, lobt Fondsberater Veit. Mit den Chips könnten auch genetisch modifizierte Organismen in Lebensmitteln analysiert werden. Genescan erwirtschafte derzeit allerdings 80 Prozent seines Umsatzes mit Labordiagnostik und-service. Dagegen stammten nur rund 20 Prozent aus dem Geschäft mit Biochips, heißt es bei der DG Bank. Deren Analysten raten nur noch kurzfristig zum Kauf - bis die Aktie das Kursziel von 60 Euro erreicht hat. Zu den eher teuren Aktien zählt die DG Bank auch das Unternehmen Cybio, das Laborautomationstechnologie für die Forschung in der Pharmaindustrie produziert und vertreibt.

Wer von den Chancen der Biotechnologie profitieren will, selbst aber nicht die einzelnen Geschäftsmodelle analysieren möchte, sollte einen Fonds kaufen. Allerdings ist auch der nicht vor möglichen Verlusten geschützt.

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