Zu spät bei Opel reagiert
General Motors räumt Fehler ein

Der US-Automobilhersteller GM hadert mit seinem Europa-Geschäft. Der Konzern habe die Probleme bei der deutschen Tochter Opel nicht rechtzeitig erkannt. Für eine Wende sei es nicht zu spät.

FRANKFURT/M. Rick Wagoner ist nicht zufrieden mit der Situation bei Opel und auf dem gesamten europäischen Automobilmarkt. "Wir hätten früher reagieren sollen", gesteht der Konzernchef von General Motors (GM) auf der Frankfurter Automesse IAA ein. Mit seiner deutschen Tochter Opel hätte GM vor allem auf den schleichenden Preisverfall in Europa reagieren müssen. Fallende Preise sind ein deutlicher Hinweis auf Überkapazitäten - jetzt will GM in Europa etwa 15 % seiner vorhandenen Produktionskapazitäten ersatzlos aufgeben.

Auch GM-Finanzvorstand John Devine lässt in Frankfurt durchblicken, dass er nicht unbedingt zufrieden damit ist, wie in der Vergangenheit Entscheidungen bei Opel und bei GM Europa getroffen worden sind. "Offensichtlich haben wir nicht genug getan", sagt Devine.

Konzernchef Wagoner will jetzt allerdings weniger in die Vergangenheit blicken. Die aktuelle Verlustsituation (Opel im vergangenen Jahr: fast 900 Mill. DM) könne recht schnell beseitigt werden. "Wir werden es schaffen", betont er. Wagoner erwartet vom Opel-Management unter seinem neuen Vorstandsvorsitzenden Carl-Peter Forster, dass im nächsten Jahr eine deutliche Reduzierung der Verluste gelingt. Er sei auch zuversichtlich, dass es das Forster-Team schaffen werde, im Jahr 2003 wieder die Gewinnzone zu erreichen. Die aktuelle Ertragslage in Europa sei "enttäuschend". Allerdings vergesse GM nicht, dass Opel zu Beginn der 90er-Jahre Gewinne in Milliardenhöhe in die USA überwiesen habe.

Große Hoffnungen setzt die GM-Konzernzentrale in Detroit in den neuen Opel-Vorstandsvorsitzenden Forster. "Wir haben neue Visionen bei Opel gebraucht", hebt Finanzchef Devine hervor. Forster bringe sie ins Unternehmen. Auch Mike Burns, Präsident von GM Europa in Zürich, bezeichnet Forster als "sehr fähigen Manager".

Sowohl Wagoner als auch Devine erteilen einem möglichen Export von Opel-Fahrzeugen in die USA eine Absage. "Nicht heute", sagt Devine. Opel müsse erst einmal die Sanierung auf dem europäischen Heimatmarkt gelingen. Konzernchef Wagoner weist darauf hin, dass GM auf dem amerikanischen Markt bereits eine genügend große Zahl von Marken besitze.

Aktuell schließt GM-Chef Wagoner in den USA - wo General Motors ebenfalls einer fallenden Nachfrage gegenüber steht - die Schließung von Fabriken aus. Er weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass es sich der Konzern auch in den USA nicht leisten könne, ungenutzte Produktionskapazitäten vorzuhalten - und Fabrikschließungen deshalb vielleicht doch nicht grundsätzlich ausgeschlossen seien. In Europa hatten sich GM und Opel mit ihren Arbeitnehmervertretern darauf verständigt, dass es im Rahmen der angestrebten Kapazitätsreduzierung nicht zu einer kompletten Aufgabe von Produktionsstandorten kommen wird. Finanzchef Devine widersprach der Auffassung, in den USA lasse sich eine Fabrik schneller schließen: "Das ist nirgendwo einfach."

Europa-Chef Burns glaubt, dass Opel mit den jetzt angekündigten Kapazitätskürzungen wieder aus dem Gröbsten heraus kommen wird. Allerdings seien die Überkapazitäten kein Opel-spezifisches Problem. Praktisch alle Hersteller in Europa hätten in der einen oder anderen Form unter ungenutzten Kapazitäten zu leiden.

Mehr Schwung in Europa verspricht sich General Motors von seiner in Frankfurt verkündeten Kooperation zwischen der schwedischen Tochter Saab und der US-Marke Cadillac. "Cadillac hat derzeit kaum eine Bedeutung auf dem europäischen Markt", unterstreicht Finanzchef Devine. Die Vertriebskooperation mit Saab soll dabei helfen, den Absatz in Europa dauerhaft auszubauen.

Die US-Modelle von Cadillac sollen zudem den Bedürfnissen des europäischen Marktes angepasst werden und beispielsweise auch Dieselmotoren bekommen. Mit Hilfe der Kooperation mit Saab verfolge GM das Ziel, "Cadillac zu einer weltweiten Marke zu machen." Doch auch auf dem US-Heimatmarkt von Cadillac soll es eine Kooperation beider Marken geben. "Saab hat in den Vereinigten Staaten nicht genügend Händler", erläutert Devine.

Offen bleibt, ob sich GM am koreanischen Hersteller Daewoo beteiligen wird. "Wir verhandeln weiter", sagt Konzernchef Wagoner in Frankfurt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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