Zu teuer, zu langsam, zu wenig Komfort
Wap ist fast wieder weg

GPRS und UMTS geben Wap nicht genug Zeit, sich zu entfalten. Das freut höchstens die Anbieter von mobilen Telefonen.

HB DÜSSELDORF. Spät, aber mächtig schwappt die Wap-Welle (Wireless Application Protocol) über das Land. Doch was nach euphorischen Ankündigungen der Mobilfunkbranche als Ultima Ratio der mobilen multimedialen Kommunikation gepriesen wurde, entpuppt sich in der Praxis zumeist noch als Surf-Flop.

Das bestätigte eine Studie des Bremerhavener Informatikprofessors Edgar Einemann: Wer sich mit Wap ins mobile Surf-Abenteuer stürzen will, braucht vor allen Dingen "SMS-geschulte Finger oder Gameboy-trainierte Augen" und muss sich meist noch mit leistungsschwachen Handys herumplagen, deren winzige Displays an Frühformen des antiquierten Videotextes erinnern.

Unverständliche Hieroglyphen, mangelhafte Silbentrennung, fehlende Grafik und Farbe erzeugen mehr Frust als Lust beim mobilen Surfer. Solange die Microbrowser nicht den gewohnten Surf-Komfort bieten, bleibt das Wap-Handy nur ein Spielzeug für betuchte Zeitgenossen. "Surf Dich arm" lautet die Devise des kostenträchtigen mobilen Surfens, das mit 39 Pfennig pro Minute umgerechnet 23,40 DM pro Stunde kostet und damit so viel Geld verschlingt, wie einige Festnetz-Surfer pro Monat ausgeben.

Wap bietet nur Zugriff auf ein Bonsai-Web

Als Fenster zur Welt im Taschenformat geplant, bietet Wap heute kaum mehr als den Zugriff auf ein Bonsai-Web. "Die Unternehmen haben bisher kein ausreichendes Wap-Angebot aufgebaut", bringt Informatiker Einemann das Dilemma der neuen Mobilsysteme auf den Punkt. David Rensin, Chef-Technologe von Aether Systems hält Wap sogar für "tot", auch deshalb, weil die Webseiten für die Anzeige auf vier- oder achtzeiligen Handy-Displays jedesmal von HTML auf die Wap-Sprache WML konvertiert werden müssen. "Die Grundidee, das weltweite Netz auf das mobile Individuum auszudehnen, hat aber durchaus Charme und Zukunft", ist Edgar Einemann überzeugt. Er hält es jedoch eher für unwahrscheinlich, dass die heutigen Wap-Technologien dabei eine tragende Rolle spielen werden. "Der mobile Internet-Surfer wird sich in fünf Jahren wohl kaum noch an Wap erinnern", sagt Einemann. Er sieht in Wap nur eine kurze Episode auf dem Weg zur mobilen Internet-Zukunft.

Internet auf dem Handy gewinnt an Fahrt

Diese mobile Zukunft kommt: Laut Forrester Research sollen im Jahr 2004 allein in Europa mehr als 219 Millionen Menschen per Handy auf das Internet zugreifen. Gartner Group schätzt, dass dann 95 % aller Handys Wap-fähig sein werden. Die Industrie hofft, dass die Kunden den Service dann auch nutzen. Das Internationale Wap-Forum hätte es gern, dass das Internet auf dem Handy in der Zukunft mächtig an Fahrt gewinnt. Nach dessen Schätzungen sollten sich bis Ende letzten Jahres 3,5 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Wap-Handy ins Internet einwählen - das war aber wohl reichlich optimistisch kalkuliert. Für die Zukunft geht Ericsson-Sprecher Jens Kürten davon aus, dass "in Kürze alle Neuerscheinungen mit einem Wap-Zugang ausgerüstet sein werden". Mit einem wahren Wap-Boom rechnen die Marktauguren von IDC gleichwohl frühestens im Laufe dieses Jahres. "Wap ist mittlerweile ein absolutes Schlüsselmerkmal beim Kauf", weiß Jörg Lützner, Produkt-Manager für Mobiltelefone bei Siemens, "innerhalb kurzer Zeit ist der Markt völlig gekippt." Ähnlich euphorisch sieht auch T-Mobil-Sprecher Philipp Schindera die Perspektiven von Wap: "Unsere Erwartungen werden nun in jeder Hinsicht übertroffen", sagt er. Von den Wap-Kunden von T-Mobil nutze der überwiegende Teil die Funktion regelmäßig.

Allerdings steht mit GPRS (General Packet Radio Services) schon der Nachfolger in den Startlöchern. GPRS ermöglicht eine Übertragungsrate von immerhin 115 Kbit/s, also ISDN-Geschwindigkeit. Nachteil: Es ist ein neues Mobilfunkgerät erforderlich. Nach Einschätzung des Deutschland-Sprechers im Internationalen Wap-Forum, Christian Huthmacher, machen auch die schnelleren Übertragungstechniken GPRS und UMTS den Wap-Standard nicht ganz überflüssig - sie sollen die Einsatzgebiete von Wap-Anwendungen eher noch erweitern. Allerdings wird erst mit der dritten Mobilfunk-Generation UMTS ab 2002 volles multimediales Surfen möglich sein, und die Bilder lernen laufen - Videos lassen sich dann mobil abspielen. Nachteil: Die Wap-Handys müssen auf den Elektronikschrott. Vorteil der Handybranche: Sie verdient sich an dem unumgänglichen Modellwechsel jedesmal eine goldene Nase.

Vor dem Wechsel in die dritte Mobilfunk-Generation UMTS mit Zugangsgeschwindigkeiten von 384 Kbit/s bis zu 2 Mbit/s wird Wap also ein Spielzeug für wenige Technik-Enthusiasten bleiben. Wap-Branchenkenner Maciej Aleksander Kuszpa, meint: "Das Interesse für das mobile Internet bei den Endverbrauchern ist groß. Bis der Markt jedoch optimal mit Endgeräten und Wap-Angeboten bedient wird und die Zugangskosten sinken, gibt es bereits den neuen UMTS-Standard, und alles beginnt von vorn."

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