Zu viel Optimismus?
Experten glauben Prognose der SAP nicht

SAP bestätigt erneut sein Wachstumsziel von 15 Prozent. Auch Konkurrent Oracle will seine Erwartungen erfüllen. Doch Experten warnen: Das Ende der Krise in der Softwarebranche ist noch nicht in Sicht. Die Mehrheit der Analysten geht inzwischen davon aus, dass SAP seine Prognosen nach unten korrigieren muss.

Von Thomas Nonnast, Handelsblatt

FRANKFURT/M. Die Mehrheit der Software-Analysten rechnet mit einer Gewinnwarnung der SAP AG nach dem zweiten Quartal. Ungeachtet der positiven Börsenreaktion auf die jüngsten Ankündigungen von SAP und Oracle warnen Experten vor einer übereilten Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Branche.

Auf der Anwenderkonferenz Sapphire in den USA hatte SAP das im Markt seit Wochen als "ambitioniert"geltende Wachstumsziel für 2002 bestätigt. Auch Konkurrent Oracle will entgegen anders lautender Gerüchte die Erwartungen der Analysten erfüllen. Doch das Marktumfeld für Unternehmenssoftware bleibt nach Einschätzung der Experten in diesem Jahr schwach.

Selbst bei einer leichten Belebung im zweiten Halbjahr gehe er von einer "Korrektur der bisher gesteckten Wachstumsziele" von SAP aus, sagte Cornelius Bos, Software-Analyst der niederländischen Bank ING. Dagegen kündigte SAP-Chef Hasso Plattner auf der Sapphire an, den Umsatz im Jahr 2002 um 15 % und die operative Marge auf 21 % steigern zu wollen. Es gebe "keine neuen Fakten, die eine Änderung rechtfertigen", erklärte der Mitgründer der SAP. Interessante Verträge stünden vor dem Abschluss.

Etwas vorsichtiger fiel die Einschätzung von Co-Vorstandssprecher Henning Kagermann aus: Die Zurückhaltung vieler Unternehmen bei IT-Investitionen werde noch einige Monate anhalten. Noch seien die Software-Kunden nicht von der "Investitionsbremse" gegangen.

Auch Oracle, der nach Microsoft zweitgrößte Softwarehersteller der Welt, gibt sich zuversichtlich. Das Unternehmen wird entgegen bisheriger Befürchtungen für das vierte Quartal (31. Mai) keine Gewinnwarnung aussprechen. "Wenn wir einen operativen Gewinn von weniger als zwölf Cents je Aktie erzielt hätten, hätten wir gewarnt", sagte Oracle-Chef Larry Ellison.

Das Unternehmen hatte im Kerngeschäft mit Datenbanken zuletzt Marktanteile an den Hauptkonkurrenten IBM verloren. Die Umsatzrückgänge im Lizenzgeschäft mit Datenbanken betrugen bis zu 14 %. Trotz gegenteiliger Äußerungen von Analysten sieht sich Oracle aber weiterhin als "klarer Marktführer im Bereich Datenbanken", sagte Oracle Europa-Chef Sergio Giacoletto dem Handelsblatt.

Oracle liegt immer mit im Blickfeld

Doch ebenso wie bei SAP bleiben viele Analysten auch mit Blick auf Oracle skeptisch. "Es ist noch kein Grund zum Jubeln, wenn ein Unternehmen seine bereits reduzierten Erwartungen erfüllt", sagte Friederike Herkommer, Software-Analystin der Hypovereinsbank. Chris Shilakes von Merrill Lynch zeigte sich gar "besorgt über den Umsatzausblick". Es sei möglich, dass - wie bereits in vorangegangenen Quartalen - "durch Kostensenkungen die Gewinnmarge weiter erhöht wurde, aber der Umsatz trotzdem zurückgegangen ist", erläuterte Herkommer die Skepsis der Analysten.

Das Jahr 2002 gänzlich abgeschrieben haben die Analysten der Credit Suisse First Boston. Sie rechnen mit einer Besserung der Absatzaussichten für die Softwarebranche erst "Mitte 2003". Neben den konjunkturellen Absatzschwierigkeiten kämpfen viele Hersteller von Unternehmenssoftware gegen eine zunehmende Marktsättigung. Die Nachfrage nach Software zur internen Steuerung von Unternehmen (ERP), das bisherige Kerngeschäft der SAP, wächst laut Marktforschern in den nächsten Jahren nur noch durchschnittlich um 5 %, bei Datenbanken liegen die Werte sogar darunter. Lediglich junge Anwendungen, welche Kunden- und Lieferantenbeziehungen effizienter gestalten, lassen sich zur Zeit noch gut verkaufen.

Vor diesem Hintergrund rechnet Herkommer mit einer Gewinnwarnung der SAP im dritten Quartal. "Derzeit liegt unsere Wachstumsprognose für den Umsatz bei 11,9 % für 2002", sagte sie. Weit darunter liegen die jüngsten Schätzungen von Goldman Sachs, die mit einem Umsatzwachstum von 9 % kalkulieren. Die Ablösung des US-Chefs Wolfgang Kemna mitten im Quartal schüre jedoch Vermutungen, dass "das US-Geschäft noch unterhalb unserer untersten Annahmen ausfallen könnte", heißt es in einer Studie. "Eine Rücknahme der Ziele ist bereits eingepreist, allerdings nicht unter 10 %", warnt Hypovereinsbank-Analystin Herkommer vor negativen Reaktionen der Investoren.

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