Zu viele Lektoren - zu wenige Buchhändler
Karriere: Chancen in der Buchbranche

Mehr als 30.000 Personen sind in deutschen Buchhandlungen beschäftigt. In den circa 2.700 Buchverlagen sind es fast genauso viele. Der Personalbedarf der Branche entwickelt sich jedoch uneinheitlich: Während die Verlage in diesem Jahr weniger einstellten, suchen Buchhandlungen verzweifelt gute Mitarbeiter.

Der Grund: Großbuchhandlungen expandieren, Konzerne wie Bertelsmann bauen das Netz ihrer Filialen stark aus. "Für kleinere Buchhandlungen ist der Arbeitsmarkt deshalb so gut wie leergefegt", erklärt Ellen Schneider von bookjob.de, einer Unternehmens- und Personalberatung für Buchhandlungen. Trotz Konjunkturflaute sei kaum Stellenabbau zu erwarten. Gesucht sind einerseits ausgebildete Buchhändler, aber auch Stellen in den oberen Ebenen des Managements müssen besetzt werden. Gute Chancen haben laut Schneider vor allem Bewerber mit kaufmännischem Know-How. Dazu gehörten auch Geisteswissenschaftler mit einschlägiger Zusatzausbildung.

Flaute in den Verlagen

Anders bei den Verlagen: Noch im letzten Jahr stiegen die Beschäftigtenzahlen in den Buchverlagen um 6,5 Prozent. Doch die Konjunkturflaute trifft auch die Verlagshäuser. Zahlreiche bereits abgeschlossene Arbeitsverträge seien wieder aufgehoben worden, berichtet Michael Staehler, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Staehler & Partner und der Jobsuchmaschine verlagsjobs.de.

Doch auch zahlreiche Fusionen und Übernahmen beeinflussen den Bedarf an Arbeitskräften. Gerade kleinere und mittlere Verlage sind in den letzten Jahren miteinander verschmolzen oder von großen Konzernen aufgekauft worden. "Jede Menge Personal wurde in der Folgezeit freigesetzt. Es herrscht im Moment deshalb ein Überangebot an hochqualifizierten Verlagsfachkräften auf dem Arbeitsmarkt", erklärt Staehler.

Bedarf an Spitzenkräften bleibt konstant

Das wirke sich besonders auf den Bedarf an Arbeitskräften bis zur Ebene des mittleren Managements aus. Bei verlagsjobs.de sind entsprechende Jobangebote im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent zurückgegangen. Im Bereich der "Executive Search", also bei der Besetzung von Spitzenpositionen, stagnieren die Angebote dagegen. Sie seien weniger konjunkturabhängig, so Staehler.

In Zukunft erwartet Staehler aber auch bei den Buchverlagen wieder erhöhten Nachwuchsbedarf. Mit den elektronischen Medien sind neue Content- und Vertriebsformen entstanden, für deren Betreuung die Verlage mehr Spezialisten brauchen werden. Außerdem verändern sich auch die klassischen Verlagsberufe: "Der Lektor wird immer mehr zum Produktmanager", erklärt Staehler, "er muss sich an Zielgruppen und Kernkompetenzen des Verlags orientieren. Verlage, die nur das produzieren, was ihnen gerade gefällt, werden nicht mehr lange überleben können."

Fachkenntnisse erwünscht

Nach Auskunft von Eva Martin, Leiterin der Weiterbildungsabteilung beim Börsenverein des deutschen Buchhandels, müssen Berufseinsteiger in inhaltsorientierten Bereichen des Verlags vor allem hohe fachliche Kompetenzen vorweisen können. "In Fachverlagen benötigt man Spezialisten; zum Beispiel Mediziner oder Juristen. Geisteswissenschaftler haben dagegen in Belletristikverlagen immer noch gute Chancen."

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