Zu viele ungeklärte Fragen
Handel ist nicht die Wechselstube der Nation

Einzelhandel befürchtet zusätzliche Zinskosten durch frühe Wertstellung. Der HDE-Hauptgeschäftsführer kritisierte, dass viele Kreditinstitute mit dem direkten Umtausch von D-Mark in Euro möglichst wenig zu tun haben wollen.

ut FRANKFURT/M. Unter den deutschen Einzelhändlern will weiterhin keine Freude über die zum Jahreswechsel anstehende Einführung des Euro-Bargeldes aufkommen. Daran änderte auch der gestrige Beginn der Banknoten-Auslieferung nichts. Im Gegenteil:Die Geldtransporter führten der Branche deutlich vor Augen, was da für Ärger durch weiterhin ungeklärte Fragen auf sie zurollt.

So forderte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) jetzt erneut die Kreditinstitute auf, die Unternehmen wegen der frühzeitigen Bereitstellung von Euro-Banknoten nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten. Bei dieser Diskussion geht es beispielsweise um den Zeitpunkt, ab dem die Unternehmen Zinsen zahlen müssen. Die Europäische Zentralbank wird die Kreditinstitute erst nach dem 1. Januar 2002 mit Zinsen für die vorab ausgelieferten Euro belasten. Einige Banken planen aber, Händlern bereits in diesem Jahr Zinsen zu berechnen, heißt es in einer Mitteilung des HDE. Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel ergänzte dazu in einem Rundfunk-Interview, die Euro-Banknoten würden erst zum Jahreswechsel "zu echtem Geld" und könnten auch erst dann so behandelt werden.

Wenzel hat mit den Banken aber noch ein anderes Problem. So gibt die Bundesbank den Kreditinstituten einen Bonus, um etwa die erhöhten Versicherungsprämien für die vorab ausgelieferten Euro-Banknoten zu bezahlen. Wenn die Einzelhändler schon vor dem 1. Januar 2002 das Geld bei sich lagerten und damit den Banken das Risiko abnähmen, dann "müssten die Banken diesen Bonus durchreichen an die Einzelhändler". Dies täten jedoch nicht alle. Der Bundesverband deutscher Banken wies gestern die Kritik des Einzelhandels zurück. Die Euro-Bargeldeinführung koste pro Filiale rund 71 000 Euro. Der Bonus der Bundesbank gleiche dies nur zu einem Bruchteil aus.

Der HDE-Hauptgeschäftsführer kritisierte auch, dass viele Kreditinstitute mit dem direkten Umtausch von D-Mark in Euro möglichst wenig zu tun haben wollen. "Bei den Verbrauchern wird der fatale Eindruck erweckt, der Umtausch in der Bank könnte etwas kosten, so dass es besser sei, sein Geld im Handel zu tauschen." Doch der Handel sei nicht die "Wechselstube der Nation".

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