"Zu wenig um Gestaltung gekümmert": Lucent beklagt trägen Telekom-Markt

"Zu wenig um Gestaltung gekümmert"
Lucent beklagt trägen Telekom-Markt

Der weltweit führende Telekommunikations-Ausrüster Lucent hat eine weitreichende Trägheit der in Deutschland tätigen Branchenunternehmen beklagt.

Reuters BONN. "Was mir derzeit fehlt ist typisches Unternehmertum", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der deutschen Tochter von Lucent Technologies, Hans Huber, in Bonn. Von der "einst blühenden Telekommunikationslandschaft" in Deutschland unmittelbar nach Freigabe des Wettbewerbs im Jahr 1998 sei inzwischen nichts mehr zu erkennen. Als Grund für die derzeit schwache Branchenentwicklung nannte Huber: "Die Unternehmen haben sich zu sehr auf Technologien konzentriert und sich zu wenig darum gekümmert, den Markt zu gestalten."

Die aus dem AT&T-Konzern hervorgegangene Lucent-Gruppe macht seit mehreren Quartalen milliardenschwere Verluste und hat ihre Belegschaft auf rund 60 000 Mitarbeiter halbiert. Hubers Einschätzung zufolge ist die Restrukturierung im Konzern mit dem Verkauf von Unternehmensteilen sowie der Kürzung der Ausgaben und Lieferantenkredite gut vorangekommen. Im letzten Quartal 2001 war der operative Konzernverlust um rund die Hälfte auf 757 Mill. $ gesunken. "Wir sind nah dran, in diesem Jahr wieder profitabel zu werden", sagte der Lucent-Manager.

Im Gegensatz zum Konzern erwirtschaftet die deutsche Tochtergesellschaft nach Hubers Worten Gewinne. "Wir sind in den vergangenen vier Jahren profitabel gewesen und liegen im internationalen Vergleich sehr gut", sagte der Geschäftsführer. Der Umsatz in Deutschland stieg im Jahr 2001 um rund 40 % auf 1,5 Mrd. Euro.

Beispiele für die Trägheit

Als Beispiele für die Trägheit in der deutschen Telekommunikations-Branche nannte der Lucent-Chef die nahezu ausschließlich von der Deutschen Telekom vorangetriebene Verbreitung schneller Internetverbindungen via DSL, den zusammengebrochenen Markt für Richtfunk (WLL) und eine schwache Nachfrage nach dem Datenübertragungsstandard GPRS im Mobilfunk. Nachdem der Endgeräte-Engpass bei GPRS mittlerweile beseitigt sei, sei das Marketing für die neue Technik dennoch ungenügend. Huber verwies darauf, dass GPRS ursprünglich als Wegbereiter der künftigen Mobilfunkgeneration UMTS gefeiert worden sei. Der Geschäftsführer sieht deshalb beim Thema UMTS eine "Spirale nach unten". Zahlreiche Mobilfunkanbieter hatten zuletzt die UMTS-Planungen wegen technischer Probleme verschoben.

Für sein Unternehmen rechnet der Lucent-Geschäftsführer mit einem erfolgreichen UMTS-Geschäft, obwohl Lucent nur mit E-Plus und dem Neueinsteiger Quam Lieferverträge für Netztechnik unterschrieben hat. "Die Anzahl der Verträge ist nicht entscheidend", sagte Huber. Der in den USA ansässige Lucent-Konzern habe eine "genügend kritische Masse", um in der UMTS-Mobilfunkära erfolgreich zu sein. Vorteile ergäben sich für Lucent aus den Gemeinsamkeiten des in den USA verbreiteten CDMA-Mobilfunkstandards und der künftigen Mobilfunktechnik UMTS. Diese könne Lucent für die Entwicklung der Funkbasisstationen und Softwarelösungen nutzen. Bei den in Deutschland abgeschlossen Ausrüster-Verträgen habe Lucent zudem im Gegensatz zu Konkurrenten keine Lieferantenkredite gewährt.

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