Zuchtfarm in Büsum liefert Fische im Herbst erstmals aus
Ecomares züchtet Steinbutt in Meerwasserbecken

In Schleswig-Holstein wird die erste Anlage für maritime Fischzucht in Deutschland betrieben, die mit einem geschlossenen Kreislaufsystem arbeitet. Durch ihre innovative Technik wird die Umweltbelastung auf ein Minimum reduziert. Die Zuchtbecken werden mit Wasser aus der Nordsee versorgt.

HB BÜSUM. Moderne Zuchtanlagen für Meeresfische sollen Umwelt und gefährdete Bestände in der See schonen. In Büsum betreibt die Ecomares GmbH die bundesweit erste kommerzielle maritime Fischzucht, die dank eines geschlossenen Kreislaufsystems umweltfreundlich arbeitet. Ab kommenden Herbst sollen jährlich 100 Tonnen Steinbutt verkauft werden - langfristig will Ecomares die Produktion auf 500 Tonnen steigern. "Wir wollen zudem unsere Technik vermarkten", kündigt Dirk Kuhlmann, Fischereibiologe und Geschäftsführer von Ecomares an. Vor allem im pazifischen Raum, etwa in Japan, China und Australien, sei die Zucht von Meeresfischen ein "Boomfaktor".

Rund 6.000 Tonnen Steinbutt werden laut Kuhlmann bereits heute in offenen Zuchtfarmen in Frankreich, Spanien und Portugal erzeugt. Seine Anlage verbrauche jedoch für die gleiche Menge Fisch 500-mal weniger Wasser - nur ein Zehntel gehe bei Ecomares pro Tag verloren. Zudem müssten die Fische in den offenen Systemen mit Antibiotika vor Krankheitserregern geschützt werden, so Kuhlmann. Die Büsumer Anlage dagegen setze auf eine Klärtechnik, die "absolut keimfreies Wasser liefert", sagt der Fischereibiologe. Medikamente für die Tiere seien überflüssig - sie würden nur die Bakterien zerstören, die das Meerwasser reinigen. Die Europäische Union (EU) hat Ecomares beim Bau der Anlage mit knapp 700.000 Euro unterstützt - das ist gut ein Drittel des gesamten Investitionsvolumens.

Im Zuchtbecken wachsen die Fische schneller

Die 22 Zuchtbecken werden mit Wasser aus der Nordsee versorgt. Es wird gefiltert, mittels Ozon entkeimt und auf die richtige Temperatur erwärmt. Innerhalb des Kreislaufs wird es ständig durch ein Trommelsieb gereinigt. Anschließend fließt es über eine breite Matte aus PVC-Granulat. Dabei wird das Wasser durchgewirbelt, mit Sauerstoff angereichert und von Kohlendioxid befreit. Bakterienkulturen, die auf den Matten wachsen, bauen das über die Kiemen ausgeschiedene Ammoniak und Ammonium ab.

"Dieses Kreislaufsystem ermöglicht ein Produkt von kontrollierter Qualität bei einer sehr geringen Belastung der Umwelt", bestätigt ein Sprecher der Bundesforschungsanstalt für Fischerei und Ökologie den Anspruch von Ecomares. Das Unternehmen setze modernste Technik ein - etwa bei der in dieser Form neuen Aufbereitung des Wassers durch die Mikroorganismen.

Dank gleich bleibender Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad Celsius erreicht ein Steinbutt bei Ecomares in nur zwei statt üblicherweise drei Jahren ein Gewicht von zwei Kilogramm und kann vermarktet werden. Ein Kilo Steinbutt erzielt derzeit um die 18 Euro. "Was wir produzieren, bleibt alleine hier in Norddeutschland", beurteilt Dirk Kuhlmann die Marktchancen zuversichtlich. Denn an der deutschen Nord- und Ostseeküste würden nur 100 Tonnen Steinbutt pro Jahr gefangen.

Die Nachfrage nach Fischen aus Zuchtfarmen ist riesig

Ecomares rechnet laut Kuhlmann ab 2003 bei einem Umsatz von 1,5 Mill. Euro mit schwarzen Zahlen. Das Unternehmen wolle aber nicht nur Steinbutt züchten. Im kommenden Jahr ist ein Pilotversuch mit Shrimps geplant. Außerdem soll die Technik in die Golfregion verkauft werden - nach Kuwait oder in die Vereinigten Arabischen Emirate. "Es bestehen bereits Kontakte", sagt Kuhlmann. Jedoch gebe es allein in Europa fünf bis sechs Konkurrenten, darunter die dänische Billund Aquakulturservice ApS, die ebenfalls ihre Anlagen vermarkten wollen.

In Deutschland sieht Kuhlmann nur beschränkte Möglichkeiten, weitere Zuchtfarmen zu bauen: Neben Wilhelmshaven und Bremerhaven gebe es nur in Mecklenburg-Vorpommern einige Orte, an denen neben Industrieflächen auch die regelmäßige Wasserzufuhr gegeben wäre.

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