Zündschlüssel informiert den Mechaniker
Autobauer vernetzen Fahrzeuge via Internet

Die Autohersteller setzen weiter auf das mobile Datennetz. Internet und Mobilfunk sollen bei Stau, Pannen oder der Hotelsuche für schnelle Hilfe sorgen. Zudem arbeiten fast alle Fahrzeugbauer an Systemen, die Verschleiß und Schäden automatisch feststellen und den Mechaniker selbstständig informieren.

DÜSSELDORF. Trotz Interneternüchterung lassen Autokonzerne ihre Kunden weiterhin unterwegs im mobilen Datennetz surfen. Ob elektronisches Fahrtenbuch oder intelligenter Zündschlüssel - Pkw-Fahrer werden über das Internet zunehmend vernetzt. "Die bestehenden technischen Möglichkeiten werden kontinuierlich weiter ausgebaut", hat Jörg Ahlgrimm beobachtet, der Leiter der Abteilung Unfallanalyse bei der unabhängigen Sachverständigenorganisation Dekra Automobil GmbH in Stuttgart.

So stattet die Adam Opel AG beispielsweise ihren Minivan Zafira auf Wunsch mit Online-Zugang aus. Das Carweb-Paket der General-Motors-Tochter besteht aus einem Personal Digital Assistant (PDA) und GPRS-Handy (General Packet Radio Service) mit Freisprecheinrichtung. Über die Sprachwahlfunktion kann der Fahrer eine Verbindung herstellen, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Das Paket enthält zudem eine Software, die den Zugang zu verschiedenen Internetdiensten ermöglicht. Dazu gehören Routenplanung, Stauinformation, Wetterbericht und ein Hotel- und Restaurantführer. Der Fahrer kann über den Online-Dienst AOL zudem E-Mails empfangen. Künftig soll das System um ein elektronisches Fahrtenbuch und einen automatischen Not- und Pannenruf erweitert werden.

Auch andere Autobauer arbeiten daran, ihre Autos stärker mit den Werkstätten zu vernetzen. So soll der Fahrer schon bald über das Internet automatisch benachrichtigt werden, wenn ein Inspektionstermin fällig ist. Bei einer Panne bekommt er zunächst Hilfe per Internet. Beim neuen 7er-Modell der BMW AG beispielsweise werden schon heute wichtige Fahrzeugdaten auf dem Zündschlüssel gespeichert - sie sollen sich künftig in der Werkstatt ablesen lassen.

Der Autokonzern hat angekündigt, dass die Datenübermittlung dann "in naher Zukunft" über das mobile Internet erfolgen soll. Mechaniker können so bei einer Panne - etwa einer Fehlermeldung der Bordelektronik - sofort herausfinden, welches Problem vorliegt und dem Fahrzeugbesitzer Tipps geben, wie er seinen Wagen wieder in Gang bekommt. Die Ferndiagnose wird derzeit im BMW-Projekt "Connected-Service" vorbereitet.

"Auf dem Fahrzeugschlüssel werden servicerelevante Daten wie die Fahrgestellnummer, der Kilometerstand und Informationen zum Verschleiß gespeichert", erläutert Hermann Künzner vom BMW-Fachbereich Design/Ergonomie. Die Datenerfassung erfolgt dabei in regelmäßigen Abständen mit Hilfe von Sensoren an zehn Punkten des Fahrzeugs automatisch . Damit enthält der Schlüssel immer aktuelle Informationen.

Die Daimler-Chrysler AG bietet bereits seit zwei Jahren für Modelle der Marke Mercedes-Benz den Telematik-Dienst Tele-Diagnose an. Bei einer Panne sendet das System über das Autotelefon die wichtigen Fahrzeugdaten und den Standort des Wagens ans Customer Assistance Center von Mercedes-Benz. Von dort aus wird die Pannen- oder Reparaturhilfe organisiert. Gibt der Fahrer oder der Besitzer dem Kundendienst seine Zustimmung, kann dieser Informationen über den Zustand des Fahrzeugs abrufen, das Fahrverhalten untersuchen und die Motorleistung verbessern. Tele-Diagnose ist Teil des Notrufsystems Tele-Aid, das mit Hilfe mehrerer Crash-Sensoren automatisch jeden Unfall registriert und sofort ein SOS-Signal mit Fahrzeugposition und-kennung an ein Service-Center schickt.

Allerdings will der Stuttgarter Hersteller die Computerisierung seiner Nobel-Karossen "nicht um jeden Preis" vorantreiben. Elektronische Lenksysteme - so die Einschätzung von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert - werden sich zum Beispiel aus Sicherheitsgründen wohl nur unter Schwierigkeiten durchsetzen. Auch Dekra-Experte Ahlgrimm ist sicher, dass die Vernetzung der Autos ihre Grenzen hat. Eine "adaptive Geschwindigkeitskontrolle", wie sie in einigen Ländern Europas erwogen werde, hält er für unsinnig. Geplant sei, Fahrzeuge automatisch auf eine vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. "Die Elektronik sollte helfen, Grenzsituationen leichter beherrschbar zu machen", sagt Ahlgrimm. "Sie darf aber keinesfalls selbst die vollständige Kontrolle übernehmen."

Quelle: Handelsblatt

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