Zünglein an der Waage
Bald gehts um die Gunst der „Superdelegierten“

Schon der „Super-Dienstag“ vorige Woche brachte keine Entscheidung, und auch nach den Abstimmungen vom Wochenende ist Amerika so schlau wie zuvor:

dpa WEASHINGTON. Bundesstaat nach Bundesstaat hakt seine Vorwahlen ab, doch während bei den Republikanern John McCain die Nominierung praktisch in der Tasche hat, ist auf demokratischer Seite kein Ende des zähen Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Hillary Clinton und Barack Obama in Sicht. Bleibt es bis zum Nominierungsparteitag im August beim Patt, schlägt wohl die Stunde eines elitären Polit-Zirkels - der „Superdelegierten“. Sie könnten zum Zünglein an der Waage werden, und Clinton wie auch Obama lassen schon die Drähte glühen, um vorsorglich so viele wie möglich auf ihre Seite zu ziehen.

Die „Superdelegierten“ sind so etwas wie der Adelsstand der Partei: Alle demokratischen Gouverneure und Senatoren zählen dazu, anderweitig prominente Politiker und hohe Beamte. Von „796 Insidern“ spricht die „Washington Post“. Sie sind nicht wie die normalen Delegierten an das Votum der Wähler in ihrem Staat gebunden, sondern können sich frei zwischen den Kandidaten entscheiden.

Erst etwa die Hälfte hat sich Medien zufolge bereits für die frühere First Lady oder den schwarzen Senator öffentlich ausgesprochen. Der Rest, weit über 300, kommt vom Gewicht her dem größten Bundesstaat Kalifornien gleich. Zuletzt gab es so etwas 1984, als die Superdelegierten den Sieg Walter Mondales über Gary Hart besiegelten. Erst zwei Jahre zuvor waren sie erfunden worden, um Parteigrößen mehr Gewicht zu verleihen.

Das „Wall Street Journal“ nennt es einen „Alptraum für die Demokraten“: Statt der Wähler könnten am Ende „Parteibonzen“ den Präsidentschaftskandidaten bestimmen. „Für die Öffentlichkeit sieht es nach einem Rückfall in das alte, korrupte System mit rauchgeschwängerten Hinterzimmern aus“, sagte der Politologe Larry Sabato dem Blatt. Die Superdelegierten selbst scheinen nicht eben glücklich über diese Aussicht: „Ich glaube nicht, dass wir zu der Zockerei in vollgeräucherten Zimmern zurückwollen“, sagte der demokratische Senator aus Florida, Bill Nelson, der „New York Times“.

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