Zugangskontrolle per Handschriftenerkennung
Software kann die Unterschrift eindeutig erkennen

Der Zugang zu Computerdaten oder zu Gebäuden könnte künftig mit Hilfe der Handschrift kontrolliert werden. Wissenschaftler am Fraunhofer Forschungsinstitut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) arbeiten derzeit an Software-Lösungen, mit denen sich eine Handschrift eindeutig zuordnen lässt.

DÜSSELDORF. Es gibt bereits zuverlässige Zugangskontrollen, etwa das biometrische Verfahren mittels Fingerabdruck. Der Nachteil: Dieses Verfahren ist recht teuer. Der günstige Preis ist dagegen ein überzeugender Vorteil der Handschriftenkontrolle; schließlich wird keine teure Hardware benötigt. Selbst vergleichsweise einfache biometrische Lösungen wie die des US-Anbieters Advanced Biometrics sind recht kostspielig: Dessen Biometric Time Clock kostet 200 $ Miete pro Monat oder kann für 1 400 bis 4 000 $ gekauft werden. Sie verbindet eine Stechuhr mit einem Fingerabdruck-Scanner.

Bei der Zugangskontrolle über die Handschrift ließen sich deutlich billigere Geräte als der Scanner nutzen: etwa berührungsempfindliche PDA, Touchscreens oder Grafiktabletts. "Diese sind ohnehin weit verbreitet", sagt die Informatikerin Astrid Mayerhöfer von der IPSI-Arbeitsgruppe "C4M - Competence for Media Security". "Sie lassen sich einfach handhaben."

Der Handschrift-Test kann deshalb für Kontrollen genutzt werden, die weit über den Zugang zu Gebäuden hinausgehen. "Er könnte auch als Zugriffsschutz für Daten eingesetzt werden", sagt Mayerhöfer. "Das Spektrum reicht vom Mobilgerät bis zum privaten PC." Ähnlich wie beim Fingerabdruck hat jeder Mensch bei seiner Handschrift ganz eigene Merkmale, über die er eindeutig identifiziert werden kann.

Dabei funktioniert die Kontrolle der Handschrift gleich auf mehreren Ebenen. Im Gegensatz zu einem Graphologen ist der Computer während der Erfassung auch in der Lage, die Geschwindigkeit des Schreibens sowie die Beschleunigung zu analysieren und mit Kontrolldaten zu vergleichen. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens: Der hinterlegte Text muss nicht die Unterschrift sein - ähnlich wie beim Passwortschutz kann ein regelmäßig wechselndes Wort oder ein Satz gewählt werden, der nur dem rechtmäßigen Benutzer bekannt ist.

Sicherheit ist auch bei der Referenzdatenbank garantiert, die die Schriftproben und die Daten zum Schreibverhalten speichert. Denn individuelle Begriffe lassen sich ohne Zuordnung zum Besitzer speichern, so dass Hacker zwar theoretisch an die Schriftproben gelangen können. Sie erfahren aber nicht, wer Besitzer des jeweiligen Zugangsbegriffs ist.

Standardprodukte gebe es bei der Handschrifterkennung allerdings nicht, sagt Jana Dittmann, Entwicklerin bei der Darmstädter Platanista GmbH, die biometrische Systeme und Komponenten entwickelt und vermarktet. Das Spinoff des Fraunhofer Instituts bietet Softwarehäusern seine Module an, die in entsprechende Lösungen eingearbeitet werden. "Der Einsatz biometrischer Verfahren hängt von der Anwendung ab und setzt deshalb individuelle Lösungen voraus", sagt Dittmann.

Experten gehen davon aus, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis sich biometrische Verfahren durchsetzen können. Vor allem im sensiblen Bereich der Finanztransaktionen - etwa als Ersatz für PIN/TAN- oder HBCI-Verfahren - könnten Nutzer skeptisch sein. "Biometrische Verfahren müssen erst einmal beweisen, dass sie so sicher sind wie die etablierten Systeme", sagt Lothar Fritsch, Produktmanager für die IT-Sicherheitsprodukte der Karlsruher fun Communications GmbH, die für zahlreiche Banken sowie für den Bankbereich von T-Online die Software entwickelt hat. Zudem sei die Hardware der heutigen Handhelds mit zu trägen Touchscreen-Monitoren ausgestattet, bemängelt Fritsch. Das verhindere eine sichere biometrische Handschriftenerkennung.

Der Markt für Handheld-Produkte musste laut einer Studie der Marktforscher Gartner im Jahr 2001 in Europa um rund ein Drittel gesunkene Absatzzahlen gegenüber dem Vorjahr verkraften. Nun wollen die Hersteller mit neuen Funktionen Kunden werben. Christopher Lang, Produktmanager beim Marktführer Palm Europe, betont: "Verschiedene biometrische Verfahren befinden sich in der Evaluierungsphase. Wir wollen sicherstellen, dass die entsprechenden Schnittstellen zwischen Gerät und Programm im Palm - Betriebssystem zeit- und marktgerecht zur Verfügung stehen."

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