Zugekaufte Spray Networks belastet Bilanz
Lycos Europe steckt noch tief in den roten Zahlen

Der Internetportal-Betreiber Lycos Europe hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001 seinen Verlust deutlich eingedämmt. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe sich im dritten Quartal sei auf 45,4 Millionen Euro nach einem Verlust von 87,5 Millionen Euro vor Jahresfrist verringert, sagte Vorstandschef Christoph Mohn am Montag in einer Telefonkonferenz.

ant FRANKFURT/M. Trotz gewaltiger Einsparungen bei den Marketing-Aufwendungen steckt das Internet-Portal Lycos Europe N.V. noch tief in den roten Zahlen. Wie die am Neuen Markt notierte Gesellschaft am Montag mitteilte, halbierte sich der von Anfang Januar bis Ende März verbuchte Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im Vergleich zum Vorquartal auf 45,4 Mill. Euro. Gemessen am Umsatz ist der Verlust jedoch immer noch gewaltig: Der Umsatz stagnierte im Vergleich zu den letzten drei Monaten des Kalenderjahres 2000 bei 41,6 Mill. Euro. Da die Zahlen die meisten Analysten positiv überraschten, verbuchte der Titel im frühen Handel ein Kursplus von nahezu 30 %, das bis zum Abend allerdings deutlich zusammenschmolz.

Die Gesellschaft, unter deren Dach europaweit eine Vielzahl von Internetdienstleistungen zusammengefasst sind, dürfte nach Analysteneinschätzung zu den Portalbetreibern gehören, die sich auch dank ihren Großaktionären Bertelsmann (18,4 %) und Terra Lycos (29,6 %) einen langen Atem auf dem Weg zur Gewinnzone leisten können. Aber auch ohne deren Hilfe will es das Unternehmen in die Gewinnzone schaffen. Die gegenwärtige Liquidität von knapp 430 Mill. Euro sollten dafür ausreichen, betonte Geschäftsführer und Großaktionär Christoph Mohn, der 11,2 % der Anteile hält.



Lycos-Intraday-Chart

Für Mohn spiegelt sich in den Quartalszahlen die angekündigte schrittweise Verbesserung der Ertragsverhältnisse wider. Die Marketingausgaben seien im Vergleich zum Vorquartal um mehr als die Hälfte auf 30,6 Mill. Euro gesenkt worden. Auch habe die teilweise Zusammenlegung mit der zugekauften Spray Networks Einsparungen ermöglicht. Ob die Gewinnzone dank des Tritts auf die Kostenbremse jedoch früher als erwartet erreicht werde, mochte er jedoch noch nicht vorhersagen. Bislang geht das Unternehmen davon aus, die Gewinnschwelle zum Ende des Geschäftsjahres 2003/04 zu erreichen. Für das laufende Geschäftsjahr, das zum 30. Juni endet, hält Mohn den von Analysten prognostizierten Ebitda-Verlust von rund 205 Mill. Euro für haltbar. Der Umsatz werde sich voraussichtlich auf rund 140 Mill. Euro belaufen.

Kostspielige Internationalisierung

Michelle Lang, Analystin beim Bankhaus Sal.Oppenheim in Frankfurt, lobt die internationale Ausrichtung der Gesellschaft, die nach eigenen Angaben im abgelaufenen Quartal in etwa ein Drittel ihres Umsatzes in Deutschland und jeweils rund 15 % in Groß Britannien und Frankreich erwirtschaftete. Allerdings forderte die Internationalität auch ihren Preis. Mohn räumte ein, dass die auf von 59 % auf 29 % geschrumpfte Bruttomarge im Wesentlichen auf die Integration der verlustreichen französischen Internet-Community Multimania zurückzuführen sei. Gerade von diesem Zukauf erhofft er jedoch auch positive Effekte auf das Geschäft in anderen Ländern. So prüfe Lycos Europe derzeit, ob sich die Einführung des in Frankreich recht erfolgreichen kostenlosen E-Mail-Dienstes in Deutschland lohne. In diesem Bereich würde sich Lycos unter anderem in Konkurrenz zu Yahoo, Web.de und GMX begeben, die im Portalgeschäft zu den schärfsten Wettbewerbern gehören.

Trotz der besser als erwartet ausgefallenen Zahlen bleiben die meisten Analysten für die Zukunftsaussichten der Aktie eher skeptisch. Sal. Oppenheim hat den Titel wegen der verschlechterten Marktsituation für Online-Portale von "halten" auf "neutral" gestuft. Das bankenunabhängige Frankfurter Analystenhaus Independent Research ist in seinem Urteil harscher. Lycos Europe verbrenne nach wie vor viel Geld, Die Analysten haben deshalb ihre Empfehlung erneuert, den Titel unterzugewichten. Während Mohn betont, dass bereits 68 % des Umsatzes aus den Bereichen E-Commerce, Internetzugang und Dienstleistungen stamme, sind sie mit der weiterhin hohen Abhängigkeit von dem abgeflauten Online-Werbemarkt unzufrieden.

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