Zugreifen lohnt sich nicht immer
Eon ist der Favorit der Schnäppchenjäger

Obwohl es an der Börse seit drei Monaten aufwärts geht, sind zurzeit immer noch einige Titel im Deutschen Aktienindex (Dax) niedrig bewertet. An der Spitze stehen Volkswagen und Tui mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 7,5 bzw. 9,5. Doch zugreifen bei einer niedrigen Bewertung lohnt sich nur dann, wenn dem Wert Aufwärtspotenzial zuzutrauen ist. Eine Schnäppchen-Hitliste ist noch kein Einkaufszettel für Anleger. Während etwa Eon und BMW günstig zu haben sind und gute Gewinnchancen aufweisen, gibt es bei VW und Daimler, bei Tui und Thyssen-Krupp wenig Grund zur Hoffnung auf steigende Kurse.

FRANKFURT/M. Eon steht zurzeit ohnehin hoch in der Gunst der Analysten. Denn als Versorger bietet Eon konservativen Anlegern überdurchschnittlich hohe Dividenden- und Cash-Flow-Renditen, die vor dem Hintergrund niedriger Inflation attraktiv sind. Abgesehen davon verfügt Eon über eine exzellente Bilanzstruktur, sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Stephan Wulf. Was von RWE angesichts einer fast doppelt so hohen Nettoverschuldung von 23 Mrd. Euro nicht zu behaupten ist. Zudem kann RWE allenfalls 3,5 Mrd. Euro aus Beteiligungsverkäufen erwarten. Folglich favorisiert Wulf Eon und nennt als faire Bewertung einen Kurs von 52,50 Euro. Auch andere Analysten sehen Eon positiv: So rechnet Merck Finck mit einer Performance über dem Marktdurchschnitt, und Helaba Trust rät Anlegern, den Titel überzugewichten. UBS und Dresdner Kleinwort Wasserstein raten zum Kauf.

Niedrig bewertet im Dax sind aktuell auch Autowerte. Kurspotenzial trauen viele Experten allerdings nur BMW zu. Aktuell raten WestLB Panmure, die WGZ-Bank und die Hypo-Vereinsbank zum Kauf. Georg Stürzer, Automobilanalyst bei der Hypo-Vereinsbank, erklärt, in Europa sei ein Absatzzuwachs auf Grund der Modellpolitik der Gesellschaft zu erwarten: Nach einer zweijährigen Phase von Vorleistungen für neue Modelle kommt im zweiten Halbjahr in Europa und in den USA das neue "5er"-Modell auf den Markt, was bereits das Ergebnis im vierten Quartal erhöhen dürfte. Der Autoexperte erwartet einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 3,03 Euro in diesem Jahr auf 3,66 Euro im Jahr 2004. Rolf Elgeti, Stratege bei Commerzbank Securities in London, ergänzt, BMW sei ein zyklischer Wert, "und die sind im Moment so gepreist, als gäbe es nie wieder Wachstum, als würden die Margen weiter sinken und sich nie wieder erholen." Das sei aber unwahrscheinlich, und der Hebel wäre enorm, wenn das Wachstum "auch nur ein wenig zurückkehrt". Noch ist allerdings keine Aufhellung in Sicht, und in einer schwachen Konjunkturphase sind Hersteller im Luxussegment wie BMW gegenüber denen im Volumenbereich - zu denen Chrysler in den USA gehört - besser gestellt. So belastet die Lage in den USA das Ergebnis bei Daimler-Chrysler. Chrysler selbst hat für das zweite Quartal einen Verlust von einer Mrd. Euro angekündigt.

Volkswagen wird von zwei Faktoren belastet: Die Verkaufsvolumina bei den Auslaufmodellen Golf und Passat sind rückläufig. Zudem ist die Absicherung gegen den schwachen Dollar unzureichend. Bei VW wird die Belebung der Verkäufe erst ab 2004 erwartet, wenn der Nachfolger des Bestsellers Golf den Markt stärker durchdringt. Die Deutsche Bank empfiehlt VW zum Verkauf, Helaba Trust rät bei VW und bei Daimler Chrysler: - "untergewichten".

"Hände weglassen" kann man Investoren auch bei Thyssen-Krupp und Tui nahe legen, obwohl die Werte günstig zu haben wären. Zwar gilt für Thyssen-Krupp auch das von Elgeti angeführte Argument, dass der Wert zulegen wird, wenn es "wieder Wachstum gibt". Doch das ist noch nicht abzusehen. Hinzu kommt: Der zuletzt stark gestiegene Stahlpreis kann nicht unablässig weiter steigen. "Außerdem könnte bei Stahlherstellern die Endnachfrage auf der Volumenseite stagnieren", ergänzt Sal.-Oppenheim-Stratege Ralf Zimmermann.

Tui wird ebenfalls skeptisch gesehen: Die Deutsche Bank rät zum Verkauf, Helaba Trust zum Untergewichten. Analysten sehen den aktuellen Anstieg der Buchungszahlen positiv, doch das ist vor der Urlaubssaison nicht überzubewerten. Außerdem belasten die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit SARS den Titel weiterhin.

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