Zugtragödie in Baden-Württemberg
Falsches Signal führte ins Unglück

Nach dem schweren Zugunglück mit sechs Todesopfern in Schrozberg in Baden-Württemberg sind die Untersuchungen an der Unfallstelle fast abgeschlossen. Menschliches Versagen ist der Grund für das Unglück. Noch am Donnerstag sollte mit den Räumungsarbeiten am Unglücksort begonnen werden. Ein Feldweg werde so präpariert, dass spezielle Räumfahrzeuge an die schwere Diesellok herangefahren werden könnten, teilte die Polizei in Schwäbisch Hall mit.

HB/dpa SCHROZBERG/WITTISLINGEN. Alle Todesopfer der Tragödie vom Mittwoch kommen aus Bayern, darunter sind eine Mutter und ihre drei Kinder. Der Vater der Familie liegt noch schwer verletzt im Krankenhaus. Insgesamt wurden 25 Menschen verletzt.

Die Regionalzüge waren am Mittwoch kurz nach 12 Uhr auf einer eingleisigen Strecke etwa 300 Meter vom Bahnhof Schrozberg entfernt kollidiert. Das Zugunglück ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft durch menschliches Versagen verursacht worden. Der Fahrdienstleiter von Schrozberg habe ein falsches Signal gegeben, hieß es am Donnerstag. Der 27-Jährige verweigere bislang allerdings noch die Aussage.

Zwei Hilfszüge sollten die verunglückten Triebwagen und die Waggons des Regionalzugs bergen, erklärte eine Bahnsprecherin in Stuttgart. Diese Züge seien mit mehreren Spezialisten besetzt und hätten technisches Gerät an Bord. Vor Ort werde dann entschieden, ob die verunglückten Züge von den Gleisen müssten oder abgeschleppt werden könnten.

Bei der Suche nach der Ursache für die Tragödie konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Stellwerkstechnik und ihre Bedienung. Die Stellwerke zeichnen die Handlungen, die der Fahrdienstleiter in einem Stellwerk vornimmt, auf, sagte ein Sprecher des Eisenbahnbundesamtes am Donnerstag in Bonn. Diese Aufzeichnungen würden ausgewertet. "Anhand dessen lässt sich rekonstruieren, wie genau der Ablauf auf den Stellwerken war." Mängel an Fahrzeugen und Fahrweg schließen die Ermittler als Unfallursache aus.

Unter den Toten sind nach Polizeiangaben eine 38 Jahre alte Mutter und ihre drei Kinder im Alter von 5, 10 und 12 Jahren aus dem schwäbischen Wittislingen (Landkreis Dillingen a.d. Donau). Der Familienvater liegt mit schweren Verletzungen in einer Klinik. Zudem starben bei dem Frontalzusammenstoß die beiden Lokführer aus Aschaffenburg.

In der rund 2 500 Einwohner zählenden Gemeinde Wittislingen sorgte die Nachricht vom Tod der Mutter und ihrer drei Kinder für Entsetzen. Der Dillinger Landrat Anton Dietrich sprach den Angehörigen der Familie am Donnerstag sein Beileid aus. "Es ist unfassbar, dass durch diesen Unfall eine ganze Familie aus einer Gemeinde in unserem Landkreis in schweres Leid gestürzt worden ist." Nach einer mehrtägigen Radtour war die Familie auf dem Rückweg in ihren Heimatort, wo die Frau an diesem Freitag ihren 39. Geburtstag feiern wollte.

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