Zukäufe außerhalb der Kfz-Technik geplant
Bosch startet mit neuen Produkten durch

Der weltweit zweitgrößte Automobilzulieferer Bosch will mit Hilfe der angelaufenen Produktoffensive seine Weltmarktstellung festigen. Noch drücken die hohen Vorleistungen allerdings auf die Rendite.

ajo STUTTGART. Die Prognosen beim Stuttgarter Elektronik-Spezialisten Robert Bosch GmbH sind etwas verhaltener als zu Jahresanfang. Doch trotz einer weltweit rückläufigen Automobilproduktion rechnet Firmenchef Hermann Scholl mit einem internen Wachstum des Konzernumsatzes von immer noch 4 bis 5 %. Dies reicht allerdings nicht für einen weiteren Stellenaufbau, machte Scholl bei der Bilanzpressekonferenz deutlich. Inklusive der Firmenkäufe wie Mannesmann Rexroth soll der Umsatz aber über 10 % auf 70 Milliarden Mark zulegen.

In der mit 44 Milliarden Mark Umsatz dominanten Sparte Kraftfahrzeugtechnik sind die Aussichten sogar noch etwas besser. Während die großen US-Konkurrenten Delphi und Visteon im ersten Quartal 2001 auf Grund des Einbruchs der US Autoproduktion zweistellige Umsatzrückgänge verkraften mussten, legte Bosch um 5 % zu.

Große Hoffnungen setzt Scholl auf die neuen Produkte. Dazu gehören die Diesel- und Benzineinspritztechnologien oder auch die neuartige elektrohydraulische Bremse. Allein im vergangenen Jahr hat Bosch 4,1 Milliarden Mark in Sachanlagen investiert. Etwa 7 % des Umsatzes flossen in Forschung und Entwicklung. "Diese Vorleistungen sichern unseren Wettbewerbsvorsprung", betonte Scholl. Während er von einem Rückgang des US-Automarktes von 8 bis 10% ausgeht, soll bei Bosch der Umsatz in seinem wichtigsten Auslandsmarkt nur um 5 % unter Vorjahr liegen und zudem operativ schwarze Zahlen schreiben.

Für dieses Jahr keine Ergebnisverbesserung

Die hohen Vorleistungen in neue Produkte werden allerdings noch einige Jahre die Gewinne schmälern. Für dieses Jahr rechnet Scholl deshalb auch nicht mit einer Ergebnisverbesserung. Bosch nennt zwar keine Spartenergebnisse. Doch lässt sich ableiten, dass die Umsatzrendite vor Steuern im Kfz-Bereich derzeit unter 4 % liegt. Sie ist damit deutlich von der Zielvorgabe von 6 bis 8 % entfernt, die Scholl zur langfristigen Absicherung des Unternehmens für notwendig hält. Zwischen den Kfz-Bereichen gebe es deutliche Unterschiede, heißt es. Rote Zahlen werden derzeit im europäischen Bremsengeschäft geschrieben. Zufrieden ist Scholl dagegen mit der Ertragslage der beiden anderen Sparten des Konzerns. Dazu gehören die Gebrauchsgüter/Gebäudetechnik (Umsatz 2000: 14,6 Milliarden DM) und die Industrietechnik (2,3 Milliarden DM). Der Bosch-Chef will diese Sparten mit Zukäufen ausbauen. Scholl hat dabei vor allem Amerika und Asien im Blick. Zur besseren Risikostreuung will Bosch den Kfz-Anteil längerfristig wieder auf etwa 60 % senken. Er stieg vergangenes Jahr nach dem weitgehenden Verkauf des Sorgenkinds Telekommunikation und der Übernahme des japanischen Zulieferers Zexel auf 71 %. Ein erster Schritt zu einem ausgewogeneren Portfeuille ist der Einstieg beim Automationsspezialisten Mannesmann Rexroth. Er schiebt schon in diesem Jahr die Sparte Industrietechnik auf über 8 Milliarden Mark Umsatz an.

Bosch ist dabei, sich für weitere Zukäufe finanziell zu polstern. Schon bisher gilt Bosch als sehr solide. Erst vor kurzem vergab deshalb die Rating-Agentur Standard&Poor?s Bosch die langfristige Beurteilung von "AA-" und stufte damit das Unternehmen als Schuldner hoher Qualität ein. Zunächst muss aber Mannesmann Rexroth noch bezahlt werden. Vor einigen Wochen hat der Konzern daher ein Anleiheprogramm von bis zu 2 Milliarden Euro angekündigt. Zudem nutzt das ansonsten auf die Finanzierung aus eigener Kraft angewiesene Stiftungsunternehmen den von 45 auf 25 % abgesenkten Steuersatz für einbehaltene Gewinne. Bosch schüttet Rücklagen, die nach altem Steuerrecht noch zu 45 % versteuert sind, an die Anteilseigner aus. Diese geben den Löwenanteil der Ausschüttung zurück, wodurch sich das Unternehmen 1,1 Milliarden Mark an Steuern vom Fiskus zurückholt (Schütt-aus-hol-zurück-Verfahren).

Umsatz stieg um 13 Prozent

Dieses macht neben den umfassenden Veränderungen in der Konzernstruktur den Jahresabschluss 2000 zu einer schweren Kost. Der Umsatz stieg insgesamt um 13 % auf 61,6 Milliarden DM. Doch auch ohne Konsolidierungseffekte legte Bosch ein erhebliches Wachstumstempo mit einem Zuwachs um 11,6 % vor. Rückenwind gab der hohe Dollarkurs. Scholl bezifferte den Effekt auf nicht ganz die Hälfte. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg zwar von 1,7 auf 2,7 Milliarden DM. Allerdings gehen davon nur 350 Millionen Mark auf operative Verbesserungen zurück. Der Jahresüberschuss hat sich durch das Schütt-aus-hol-zurück-Verfahren auf 2,7 Milliarden Mark verdreifacht.

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