Zukäufe geplant
Beiersdorf geht in die Offensive

Der Nivea-Hersteller Beiersdorf geht nach monatelangen Spekulationen über eine mögliche Übernahme durch Konkurrenten nun selbst in die Offensive. Vorstandschef Rolf Kunisch kündigte auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch seinerseits Zukäufe in den USA an.

Reuters HAMBURG. Der Kosmetikkonzern sei groß genug, um kontinuierlich und aus eigener Kraft weiter zu wachsen, sagte Kunisch den in Hamburg versammelten Anteilseignern. "So werden wir in zehn Jahren ein Unternehmen von deutlich mehr als 10 Mrd. Euro Umsatz und einer Nettoumsatzrendite von über 7 % (...) sein", sagte Kunisch. "Wir sind aber auch daran interessiert, Akquisitionen - insbesondere in den USA - vorzunehmen", fügte der Beiersdorf-Chef hinzu. Ziel sei, die Geschäftsbasis in den USA zu verbreitern, wo Beiersdorf zuletzt 300 Mill. Dollar Umsatz erzielte. Konkrete Übernahmevorhaben nannte Kunisch allerdings nicht.

Er bekräftigte die Geschäftsprognose von Beiersdorf, wonach Konzernumsatz und Gewinn auch 2003 trotz des in Deutschland noch immer schwachen Konsums und anhaltend hohen Euro-Wechselkursen zulegen sollen. Rückläufige Umsätze in Deutschland und Japan würden durch steigende Erlöse in anderen Ländern mehr als ausgeglichen. "Unser ganzes Wachstum kommt aus anderen Ländern und ist häufig zweistellig", sagte Kunisch.

Im laufenden Jahr erwartet der Konzern einen weltweiten Umsatz von 4,9 (Vorjahr: 4,74) Mrd. Euro und einen Reingewinn von 6 % davon. Den Aktionären soll aus dem im Vorjahr auf 290 Mill. Euro erhöhten Reingewinn eine um zehn Cent auf 1,40 Euro erhöhte Dividende zufließen.

Kunisch: Es gibt kein Angebot für Beiersdorf

Kunisch kritisierte erneut, dass die anhaltenden Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Beiersdorf sowohl die Beschäftigten verunsicherten als auch dem Geschäft schadeten. Vermutungen, Beiersdorf könnte von einem Konkurrenten geschluckt werden, seien insbesondere in Verkaufsgesprächen mit dem Handel "nicht förderlich". Kunisch bekräftigte in diesem Zusammenhang: "Es gibt kein Angebot für Beiersdorf und es hat auch kein Angebot für Beiersdorf gegeben."

Beiersdorf gilt seit längerem als Kandidat für eine mögliche Zusammenarbeit mit einem Konkurrenten oder eine Übernahme. So hat der Münchener Großaktionär Allianz bereits seine Bereitschaft zu erkennen gegeben, sein Aktienpaket von knapp 44 Prozent zu verkaufen. Allerdings will der zweite Großaktionär, der mit gut 30 % beteiligte nicht börsennotierte Hamburger Kaffeespezialist Tchibo, sein eigenes Aktienpaket an der profitablen Beiersdorf AG aufstocken. Dies wird von mehreren Branchenexperten als Hindernis für eine rasche Lösung gesehen.

Kunisch selbst hatte in einem Reuters-Interview jüngst Überlegungen über die weitere Entwicklung von Beiersdorf angestellt, die bei dem Düsseldorfer Konkurrenten Henkel auf Interesse gestoßen waren. Neben dem Beibehalten der Selbstständigkeit hatte er nämlich auch eine Zusammenarbeit mit Henkel zumindest als denkbare Option erachtet, in einem anderen Medieninterview einem möglichen Zusammenrücken mit Henkel allerdings wieder eine Absage erteilt. Henkel gilt bei Branchenexperten nach der Übernahme des Darmstädter Konkurrenten Wella durch den US-Konzern Procter & Gamble für rund 6,5 Mrd. Euro als möglicher Partner für Beiersdorf.

Die Kleinaktionäre gaben dem Beiersdorf Management in Hamburg in der Diskussion um angebliche Übernahmen oder Fusionen indes Rückendeckung. "Beiersdorf ist gut aufgestellt", sagte ein Anteilseigner. "Es lohnt sich, bei Beiersdorf Aktionär zu sein", sagte ein anderer. Aufsichtsratschef Hans Meinhardt betonte, das Kontrollgremium unterstütze den Vorstand in seiner Strategie.

Die im MDax notierte Beiersdorf-Aktie lag bis zum Mittag in einem freundlichen Gesamtmarkt 0,4 Prozent im Plus bei knapp 115,90 Euro.

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