Zukünftig beitragspflichtige Mitgliedschaft
Bertelsmann sieht die Zukunft im Napster-Geschäft

Der Medienkonzern rechnet mit der Beteiligung weiterer Musik-Firmen an der Internet-Musik-Plattform. Langfristig sind Sharing-Modelle nicht nur für CD, sondern für alle digitalen Speichermedien geplant.

HAMBURG/GÜTERSLOH. Der Bertelsmann-Konzern rechnet mit der Beteiligung weiterer Musik-Firmen an der Internet- Musik-Plattform Napster. Wenige Tage nach dem angekündigten Einstieg von Bertelsmann bei Napster sagte der Bertelsmann E-Commerce-Chef Andreas Schmidt der "Welt am Sonntag": "In (...) Vorgesprächen haben uns unsere Partner signalisiert, sich daran zu beteiligen und mit uns gemeinsam ein Zukunftsmodell zu entwickeln". Auch künftig werde es keine Abrechnung einzelner Musik-Titel geben. Denkbar sei vielmehr eine beitragspflichtige Mitgliedschaft. Napster-Gründer Shawn Fanning sagte dem Blatt, er gehe davon aus, dass die Nutzer bereit seien, 4,95 $ (elf DM) im Monat für den Napster-Service zu zahlen. Bertelsmann wolle langfristig ähnliche Modelle nicht nur für CD, sondern für alle digitalen Speichermedien ins Leben rufen. Der Gütersloher Medienkonzern, bisher ein erbitterter Gegner von Napster, hatte angekündigt, das Geschäftsmodell von Napster zu ändern und damit den bisher nicht geregelten Schutz von Urheberrechten zu berücksichtigen. Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff rechtfertigte die Kooperation im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Dem File-Sharing gehört die Zukunft", sagte er. Die Musikindustrie habe einen Entwicklungsprozess durchmachen müssen, währenddessen diese Erkenntnis gereift sei. Middelhoff sagte dem "Spiegel" weiter, es werde keinen Alleingang von Napster und Bertelsmann geben. Ein möglicher Abonnementpreis und weitere Einzelheiten sollten in Gesprächen mit Vertretern der Musikindustrie festgelegt werden. Vorstellbar sei ein weiterhin kostenloser Promotion-Service zum Anhören einzelner Musiktitel und ein Mitgliedsbeitrag, der den Zugang zu einer bestimmten Zahl von Titeln ermöglicht. "Wer dann mehr will, kann ein Premium-Angebot wählen", sagte Middelhoff dem Hamburger Magazin.

Kostenloses Tauschverfahren boomt

Napster wurde 1999 von dem damals 18-Jährigen Studenten Fanning gegründet und ist seither die am schnellsten wachsende Anwendung, die es je im Internet gegeben hat. Derzeit sind rund 37 Mill. Kunden registriert, werden weltweit täglich 20 bis 30 Mill. Musiktitel heruntergeladen. Das Prinzip des so genannten "File-Sharings" besteht derzeit aus einem kostenlosen Tauschverfahren, bei dem Musikfans ihre Lieblingstitel im Netz anbieten und dafür andere kostenlos erhalten. Zugleich kamen neue Spekulationen über eine mögliche Übernahme der britischen EMI-Group durch Bertelsmann auf. Bertelsmann - Sprecher Manfred Harnischfeger wollte die Gerüchte am Samstag nicht kommentieren: Es handele sich um "alte Spekulationen ohne jeden Neuigkeitswert. Wir kommentieren das überhaupt nicht." Die Hamburger Wirtschaftszeitung "Net-Business" hatte berichtet, es gebe Verhandlungen. Bereits im Oktober hatte es nach der geplatzten Fusion von EMI und Time Warner geheißen, die Bertelsmann-Musik-Tochter BMG (Bertelsmann Music Group) könnte bei EMI einsteigen, um sich den umfassende Rechtekatalog der Briten mit einer wertvollen Palette klassischer Rock-Musik zu sichern.

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