Zukunft bleibt ungewiss
Ullrich kommt mit Mindestsperre davon

Während Jan Ullrich abgetaucht bleibt, hat das Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ein mildes Urteil über ihn gesprochen. Der Olympiasieger und Tour-de- France-Sieger von 1997 wurde am Dienstag von dem drei Personen umfassenden Gremium unter dem Vorsitz von Peter Barth für sechs Monate gesperrt.

HB FRANKFURT. Außerdem muss der Rad-Millionär eine Geldbuße von 2000 Schweizer Franken bezahlen. Das Sportgericht blieb damit am unteren Ende des möglichen Strafmaßes. Das Urteil kam überraschend früh. Laut BDR-Präsidentin Sylvia Schenk wurde eine Entscheidung bis spätestens 9. August erwartet.

Das Sportgericht wertete die Einnahme des verbotenen Stimulanzmittels Amphetamin nicht als "Doping im engeren Sinne", wie Barth sagte, sondern als Verstoß gegen das Dopingkontrollreglement. "Ullrich hat das Mittel nicht eingenommen, um sich einen Leistungsvorteil zu verschaffen", erklärte der Frankfurter Rechtsanwalt. Allerdings sehe das Reglement vor, "dass im Rahmen des Trainings verbotene Stoffe wie Amphetamine nichts zu suchen haben". Deshalb habe er gesperrt werden müssen. Die sechs Monate sind das Mindest-Strafmaß, dem 28-Jährigen hatte sogar eine Sperre bis zu 12 Monaten gedroht.

Nach Aussage von Barth gilt die Zwangspause vom morgigen Mittwoch bis zum 23. März. Da in den Monaten Dezember und Februar keine Rennen vorgesehen sind, wird die Sperre in dieser Zeit ausgesetzt. Die Sperre schmerzt Ullrich nur wenig. Er wollte wegen seiner Kniebeschwerden in diesem Jahr ohnehin keine Wettkämpfe bestreiten.

Team Telekom will sich am Donnerstag äußern

Ullrich waren bei einer unangemeldeten Doping-Kontrolle in seiner Rehabilitation nach einer Knieoperation am 12. Juni verbotene Amphetamine nachgewiesen worden. Der vom Team Telekom beurlaubte Fahrer gab am 6. Juli öffentlich zu, bei einem Disco-Besuch zwei Tabletten geschluckt zu haben. Die Staatsanwaltschaft München hat ebenfalls Ermittlungen gegen ihn eingeleitet.

Wie es für Ullrich nach dem Urteilsspruch weitergeht, steht in den Sternen. Sein Manager Wolfgang Strohband setzte sich unmittelbar nach Bekanntwerden des Urteils mit den Sponsoren in Verbindung. "Wichtig für die Verhandlungen ist, dass Jan kein Betrugsversuch unterstellt wurde", sagte Strohband. Insgesamt hat Ullrich Sponsoreneinnahmen von jährlich etwa 2,5 Millionen Euro.

BDR-Vizepräsident und Team-Telekom-Sprecher Olaf Ludwig hielt sich mit einem Statement zurück. "Team Telekom wird erst eine offizielle Stellungnahme abgeben, wenn die schriftliche Begründung vorliegt", sagte er. Voraussichtlich wird sich Telekom am Donnerstag äußern.

Team Telekom plant zweigleisig

Ullrichs Team plant die sportliche Zukunft bis 2005 zweigleisig: Sollte dem Merdinger das angekündigte Comeback gelingen, um so besser. Wenn nicht, werde auch vorgesorgt, sagte Manager Walter Godefroot, der bereits am Montag etwas auf Distanz zu seinem gefallenen Star gegangen war: "Ich weiß im Moment nicht, ob Jan noch Radfahrer ist." Sylvia Schenk, die vor knapp drei Wochen lange Gespräche mit Ullrich und Godefroot führte, ist in erster Linie daran interessiert, dass der Radprofi mental "wieder in die Reihe" kommt.

"Die Gefahr ist, dass er vor seinen aktuellen Schwierigkeiten in den Radsport zurückflieht und nach der wahren Problematik des Menschen nicht gefragt wird. So weit ich weiß, ist an seinem lädierten Knie noch einiges zu tun und sonst sicher auch", sagte die BDR-Präsident, die Ullrich in seinem Exil "dringend professionelle Hilfe" empfahl. "Ich will gar nicht wissen, ob er in den USA oder auf den Malediven oder sonst wo ist. Ich habe gar nicht nachgefragt. Er ist weit weg", sagte Sylvia Schenk, die befürchtet, dass Ullrich unter den nächsten Erwartungsdruck - schafft er sein Comeback oder nicht? - geraten und daran zerbrechen könnte.

"Wenn ein Comeback gelingen soll, muss sich Jan 100 Prozent mit den Besten messen wollen", sagte sein Chef Godefroot, der wie Schenk unterstrich, dass sich zuerst der Mensch Ullrich wieder finden muss. "Wir machen Pläne mit zwei Varianten, mit und ohne Ullrich", sagte Godefroot, als er das weitere Engagement seines Sponsors Telekom bis 2005 verkündete.

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